28. SEPTEMBER 2016

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Effizienz unter der Maustaste


CAD CAM

Product Design Suite – Inventor 2012 und die anderen Bestandteile der Autodesk-Produktsuite für den Maschinenbau bieten viele interessante Neuerungen, die sich im Test beweisen mussten.
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Mit Inventor bietet Autodesk ein modernes 3D-CAD-System, das inzwischen eine beeindruckende Reife erreicht hat. Auch die Version 2012 bietet wieder eine ganze Reihe interessanter Funktionen und Werkzeuge, die die Produktivität erhöhen. Grund genug, die Product Design Suite Premium 2012 auf den Prüfstand zu holen.

Bereits im letzten Jahr präsentierte Autodesk die Suites – Softwarepakete, die eine auf das jeweilige Arbeitsgebiet angepasste Auswahl der Autodesk-Produktpalette enthalten. Das für den Maschinenbau gedachte Paket im Porfolio ist die Product Design Suite. Jede der Suites wiederum ist in drei Ausbaustufen – Standard, Premium und Ultimate erhältlich. Basis aller drei Product Design-Pakete sind AutoCAD Mechanical, Vault, Sketchbook, Showcase und Mudbox. In der Premium-Version kommen 3DSmax Design und Inventor hinzu, das Ultimate-Paket bietet zusätzlich Alias Design und Inventor Professional.

Der Vorteil der Suites ist, dass der Anwender eine komplette Entwicklungsumgebung vom Konzept über Design, Konstruktion und Visualisierung bis hin zur Datenverwaltung erhält – und das mit einem kräftigen Rabatt von 23 bis 62 Prozent gegenüber dem Gesamtpreis der Einzelkomponenten. Nachteilig sind die Suites dann, wenn man nicht den kompletten Umfang benötigt. Und es bleibt eine strittige Frage, ob ein Anwender in seinem täglichen Arbeitsablauf die Zeit hat, komplexe Modellierungs-, Visualisierungs- und Animationstools wie 3DSmax Design oder Alias Design kennen und nutzen zu lernen.

Dabei müssen nicht nur andere Workflows und Arbeitsweisen gelernt werden, sondern vor allem völlig unterschiedliche Benutzerschnittstellen, denn die Applikationen der Product Design Suite sind von einem einheitlichen Look & Feel weit entfernt – vom Ribbon Interface in Inventor, AutoCAD und Showcase über klassische Menü- und Buttonleisten in 3DS Max Design, schwebenden Paletten in Sketchbook bis zu neuartigen Interfaces wie in Mudbox ist alles vertreten, was die Computertechnik in den letzten Jahren an Bedienkonzepten hervorgebracht hat. Aus diesem Grund beschränkt sich der Test vor allem auf Inventor. Zur Einarbeitung wurde das Buch »Inventor 2012« von Günther Scheuermann, Hanser Verlag genutzt, (ISBN 978-3-446-42716-7), aus dem auch das abgebildete Modell stammt.

Als Installationsmedium erhält man einen 32-GByte-USB-Stick im robusten Metallgehäuse. Die Installation verlief problemlos, dauerte allerdings erstaunlich lange. Es landet dabei eben eine ganze Reihe von Softwarepaketen auf der Festplatte, die sich je nach Auswahl auf über 20GByte summieren. Beim ersten Start ist zusätzlich eine Aktivierung notwendig, die die Version an die Hardware bindet. Andere CAD-Pakete, Microsoft Office oder auch die Creative Suite von Adobe erlauben es, eine Einzelplatzlizenz auf zwei oder drei Rechnern zu aktivieren, die Lizenz darf lediglich nicht parallel genutzt werden. Das hat den Vorteil, dass man sein CAD-System beispielsweise auf Arbeitsplatzrechner und Laptop installieren und die Lizenz auf Reisen oder nach Hause mitnehmen kann. Bei Autodesk muss dazu die Lizenz auf dem einen Rechner exportiert und am anderen Rechner importiert werden – das ist umständlich.

Beim Modellieren fallen sehr schnell die sogenannten Marierungsmenüs auf, die beim Drücken der rechten Maustaste erscheinen. Rund um den Mauszeiger werden die acht im aktuellen Kontext sinnvollsten Befehle eingeblendet, ein herkömmliches Kontextmenü bietet darunter Zugang zu weiteren Befehlen. Sehr schnell gewöhnt man sich an die Arbeit mit diesen Menüs, die minimale Mauswege erfordern. Mit zunehmender Gewöhnung beginnt man dann automatisch, Mausgesten zu benutzen. Inventor interpretiert nämlich, wenn die rechte Maustaste gedrückt bleibt und der Mauszeiger in eine der acht Richtungen bewegt wird, diese Geste als Aufruf des entsprechenden Befehls.

Lässt man die Maustaste am Ende der Bewegung los, wird der Befehl sofort aufgerufen, bleibt man mit gedrückter Taste auf der Stelle stehen, blendet das System den entsprechenden Button ein. Diese Funktionalität ist so aufgebaut, dass sie mit der Zeit ganz automatisch benutzt wird – ein hervorragendes Beispiel für ein Effizienztool, das zwar »nur« ein oder zwei Mausklicks spart, aber im Tagesverlauf viel zur Effizienz beiträgt und vor allem flüssiges Arbeiten ermöglicht. In dasselbe Themengebiet fallen die überarbeiteten Mini-Werkzeugkästen. Beim Aufruf einer Funktion taucht nahe der Mausposition »schwebend« eine Ansammlung kleiner Schaltflächen auf, über die sich die für diese Funktion notwendigen Parameter eingeben lassen. Eine Dialogbox gibt Zugriff auf weitere Parameter.

Beim Entfernen des Cursors vom Mini-Werkzeugkasten blenden sich weitere Schaltflächen aus, so dass nur noch die allerwichtigsten Parameter sichtbar sind. Dialogfenster lassen sich über eine kleine Schaltfläche am unteren Rand auf- und zuklappen, so dass nur noch die Titelleiste sichtbar bleibt. Im Featurebaum lassen sich durch das Einschalten von »Erweiterte Namen zeigen« zusätzliche Informationen zu den einzelnen Modellierschritten anzeigen. So wird nach dem Name einer Extrusion angezeigt: »(Neuer Volumenkörper x 15 mm)«, bei Rundungen und Fasen wird der Radius beziehungsweise die Breite eingeblendet.

Wieder fällt ein kleines Effizienztool auf: Klickt man eine Körperkante an, tauchen am Mauszeiger zwei Mini-Schaltflächen für Radius und Fase auf. Beim Anwählen einer Körperfläche sind es deren drei: Extrusion und Skizze bearbeiten plus Neue Skizze. Eine der wichtigsten Änderungen gegenüber den Vorversionen ist die Modernisierung des Auswahlmodus. Bisher tauchte, wenn beim Anklicken eines Körpers nicht klar war, welche Fläche gemeint war, eine unübersichtliche Auswahlfunktion mit Pfeilen auf, über die man die möglichen Auswahlen durchklicken konnte. Nun taucht im Markierungsmenü auf »Position Ost« die Funktion »Andere Auswahl« auf, die ein Dropdown-Menü mit den möglichen Geometrien anzeigt. So kann sehr gezielt und visuell verständlich die gewünschte Geometrie ausgewählt werden.

Im Modellierbereich bietet Inventor 2012 eine ganze Reihe von Optimierungen, so werden neue Skizzen automatisch in die Ebene gedreht, so dass man von oben auf die Skizzenfläche blickt. Natürlich lässt sich die Ebene auch anderweitig positionieren, aber eine Grundausrichtung wird so automatisch vorgenommen. 3D-Skizzen lassen sich aus 2D-Skizzen projektieren, variable Verrundungen bieten jetzt G2-Übergänge. Ganz neu ist die Ökologie-Analyse mit den Datenbanken von Granta Design, mit deren Hilfe der ökologische »Footprint« einer Konstruktion berechnet werden kann.


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