26. JULI 2016

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»Unabhängig sein ist wichtig«


Interview

Gunther Schulz – Der Inhaber von Rodriguez und erfahrene Unternehmer und Marktkenner hat schon viel erlebt. Um den Erfolg langfristig zu sichern, will er verstärkt mit Komplettlösungen neue Impulse setzen.
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Herr Schulz, Sie haben ein klassisches Management-Buyout durchlebt und das mit dramatischem Verlauf.
Das kann man wohl sagen. 2008, als der Wirtschaft die Sonne noch hell schien, habe ich das Unternehmen R.A. Rodriguez gekauft, weil die dritte Generation der Eignerfamilie keine Lust mehr auf die aktive Leitung hatte. Ich wollte aber nicht miterleben, wie andere das Unternehmen führen und das vielleicht nicht gut tun. Ich habe Rodriguez seit 1978 mit aufgebaut und zum Zeitpunkt der Übernahme war ich bereits 62. In diesem Alter, wo die Rente schon in Sicht ist, würden das nicht viele tun, aber mir lag der Fortgang des Unternehmens sehr am Herzen.

Und dann kam die Krise...
Genau. Ein paar Monate später habe mich ernsthaft gefragt, ob die Entscheidung richtig war. Mittlerweile sage ich wieder ja, aber es war eine harte Zeit, denn einen zweistelligen Millionenbetrag bezahlt man nicht so leicht ab. Den Absturz so kurz nach dem Kauf und angesichts der sehr guten Marktposition von Rodriguez hat keiner erwarten können.

Aus dem Tal der Tränen herauszukommen, war nicht so schwer, weil die Konjunktur sehr schnell wieder anzog. Aber die Talsohle zu durchschreiten allerdings umso mehr, aber die drei an der Finanzierung beteiligten Banken haben durchgehalten und mich gut unterstützt. Aber wir haben die schwere Zeit überstanden, ohne etwas an dem Originalfinanzierungplan verändern zu müssen.

Darauf bin ich ein wenig stolz. Die Dreiteilung der Finanzierung hat sich in der Krise bewährt, weil keine Bank die Macht hatte, allein über unser Schicksal zu entscheiden. Aber es kann schnell passieren, dass Kontrollorgane von Banken eine negative Risikobewertung abgeben und dann ist der Geldhahn schnell zugedreht.

Gab es weitere Maßnahmen?
Wir haben intern laufend die Kosten betrachtet und kontrolliert, jedoch nicht bei der Ausstattung der Arbeitsplätze. Denn es war uns schon immer wichtig, dass unsere Mitarbeiter Arbeitsplätze haben, an denen sie sich wohlfühlen können. Nur dann kann ich auch 100 Prozent Leistung erwarten.
Vor allem in der Krise war auf sie darum Verlass.

Es gab kaum Fluktuation und wir mussten auch keine maßgeblichen Leute entlassen. Etwas schwierig ist es, kompetente Mitarbeiter für den Außendienst zu finden. Wir würden gerne noch drei neue Vertriebsmitarbeiter einstellen, aber wir finden keine ausreichend qualifizierten. Darum haben wir sogar Kollegen aus dem Innendienst zu Außendienstlern gemacht.

Bei einem hat das super funktioniert, bei dem anderen nicht. Das muss einem liegen, das kann man nicht lernen. Rodriguez lebt vom persönlichen Kontakt, wir müssen und wollen raus zu den Kunden, ich kann mir nicht vorstellen, unsere Waren nur übers Internet zu vertreiben.

Neben dem Vertrieb ist aber auch die eigene Fertigung ein wichtiger Baustein zum Erfolg, oder?
Rodriguez kommt zwar aus dem Handel, aber wir haben uns entschlossen, selbst zu entwickeln und zu produzieren, damit wir flexibler auf die Kundenwünsche reagieren können. Wir produzieren nicht in großen Mengen, sondern sind da zu Hause, wo die großen Hersteller nicht schnell genug sind, weil die Entscheidungswege aufgrund der komplexen Hierarchien zu lang sind.

Wir haben oft schon geliefert, wenn bei denen die letzte Unterschrift erfolgt ist. Das ist für Mittelständler die einzige Möglichkeit, sich abzusetzen. Hier liegt ein großes Potenzial. Eigenfertigung hilft uns, kundenspezifisch zu reagieren. Außerdem liebe ich die Eigenständigkeit und nicht abhängig zu sein von Lieferverträgen oder Vertretungen.

Wie zeigt sich das in der Praxis?
Wir vertreiben seit mehr als 30 Jahren Dünnringlager von Kaydon und haben unseren Partner dadurch zum Marktführer in Europa gemacht. In den 80er-Jahren machten Dünnringlager rund 80 Prozent unseres Umsatzes aus. Das erzeugt natürlich eine hohe Abhängigkeit von einem Produkt oder Hersteller. Durch die Erweiterung unseres Produktportfolios und den konsequenten Ausbau der Eigenfertigung im Bereich Lineartechnik und Sonderlager ist der Produktbereich Dünnringlager im Verhältnis zum Gesamtumsatz stark gefallen, obwohl wir ihn ständig ausgebaut haben.


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Ausgabe:
:K 09/2012
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