24. MAI 2016

zurück

kommentieren drucken  

Wolkig, aber heiter


CAD CAM

Autodesk University – Die erste AU auf deutschem Boden bot Gelegenheit zu einem Gespräch mit Chris Bradshaw zum Thema Cloud und Apps.

Bradshaw ist Senior Vice President Marketing bei Autodesk. Er sprach bei dem Kundenevent in Darmstadt über seine Zukunftsvision, die von drei Trends bestimmt wird: Digital Fabrication, Ambient Intelligence und Infinite Computing. Erstes meint die Allgegenwärtigkeit digitaler Modelle nicht nur in Produktentwicklung und -fertigung, sondern auch in Bereichen wie Architektur oder Medien.

Ambient Intelligence ist die allgemeine, unmerkliche Verfügbarkeit von Informationen, beispielsweise über intelligente Sensoren oder Smartphones. Infinite Computing schließlich führt zur Cloud. Einen Prozessor 10.000 Sekunden zu nutzen kostet ebenso einen Euro wie 10.000 Prozessoren für je eine Minute. So steht nahezu unbegrenzte Rechenleistung zur Verfügung; ähnlich verhält es sich mit Speicherplatz. Autodesk bietet hier mit seinen »360«-Produkten unter anderem FEM oder PLM in der Cloud.

Keine lokalen Unterschiede

Im persönlichen Gespräch äußerte sich Bradshaw weiter zum Thema. Oft wird behauptet, US-Amerikaner seien neuen Technologien gegenüber sehr aufgeschlossen, während diese in Europa und vor allem in Deutschland erst einmal als Risiko angesehen würden. Die Frage, ob Autodesk diese regionalen Unterschiede in der Akzeptanz seiner Cloudangebote wiederfinde, verneinte Bradshow allerdings.

Es gebe in jedem Land Unternehmen, die Cloudanwendungen gegeüber eher aufgeschlossen sind, während andere deren Einsatz kategorisch ablehnen. Dies lässt sich interessanterweise auch nicht an der Unternehmensgröße festmachen. Er nannte den Unterschied »Desktop- gegenüber Cloud-Mentalität«. »Wenn die Sicherheitsvorbehalte ausgeräumt sind, ist der betriebswirtschaftliche Vorteil so groß, dass Cloudanwendungen kaum zu schlagen sind«, verdeutlichte Bradshaw.

Cloudanwendungen beinhalten jedoch eine viel unmittelbarere und größere Verantwortung des Anbieters für seine Lösung. Nicht umsonst sind die meisten CAD-Anwendungen absichtlich eine Version oder ein Servicepack hinter dem aktuellen Stand ihrer Anwendung, um abzuwarten, welche Bugs auftreten. Eine Cloudanwendung wird ständig weiterentwickelt, die neue Version steht sofort allen Nutzern zur Verfügung – ob diese wollen oder nicht.

Damit, so Bradshaw, stehen aber auch Autodesk und die anderen Cloudsoftwareanbieter in der Pflicht, sicherzustellen, dass »der Anwender am Montag da weiterarbeiten kann, wo er am Freitag aufgehört hat«. Da es harte Versionswechsel nicht mehr gibt, muss der Anbieter Formatwechsel entweder kompatibel gestalten oder dafür sorgen, dass der Anwender sich um die Frage des tatsächlichen Dateiformats gar nicht mehr kümmern muss. Änderungen müssten viel sanfter »less disruptive“ eingebracht werden.

Die Akzeptanz von Cloudanwendungen sieht Bradshaw viel schneller kommen als oft vermutet wird. Er nannte das Onlinebanking als Beispiel für eine Cloudtechnologie, die weitverbreitet ist, aber meist gar nicht als »Cloud-Thema« begriffen wird. »Die Akzeptanz von Cloudanwendungen wird nicht erst mit dem viel angesprochenen Generationenwechsel kommen«, glaubt Bradshaw und sieht die weite Verbreitung von Smartphones und Tablets als Türöffner für die moderne IT-Technologie.

Problemfall Infrastruktur

Er sieht allerdings ebenso das Problem der Verfügbarkeit schneller Internetverbindungen. Hier werde der Druck der Unternehmen so zunehmen, dass die Infrastruktur bald verbessert werde. Schaut man beispielsweise in den Schwarzwald, wo »Hidden Champions« und mittelständische Weltmarktführer in nahezu jedem Tal zu finden sind, werden sich die Kommunen und Provider diesem Thema kaum verschließen können, wollen sie nicht eine Abwanderung dieser erfolgreichen Unternehmen in besser angebundene Gegenden riskieren. Die Zeichen stehen wohl tatsächlich auf »wolkig, aber heiter«.

Ausgabe:
:K 09/2012
Unternehmen:
Bilder:

kommentieren drucken  


ANZEIGE

 

 
» Finden Sie weitere Artikel im :K-Artikelarchiv

  Jetzt Newsletter
abonnieren!


Aktuelle Ausgaben