19. NOVEMBER 2017

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Idealismus siegt


Deutscher Normteile Award

Preisverleihung – Beim ersten Preis des Deutschen Normteile Awards 2017 war sich die Jury einig: Er geht an Jakob Prechtl und sein Konstruktionsbüro für ein portables OP-Mikroskop für Augen- und HNO-Anwendungen. Den zweiten Preis erhielt Manuel Bauer für ein Tandem-Liegerad und den dritten Andreas Klassen für ein CNC-Portal für Heimwerker.
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Der Deutsche Normteile Award ist auf einem guten Weg, Tradition zu werden und eine Instanz im Bereich der Normteile. Die Zahl der Einsendungen wächst von Ausgabe zu Ausgabe und die Dichte der gehaltvollen Projektbeschreibungen wächst. All das hat die Jury, bestehend aus Ganter, Cadenas und der :K, in diesem Jahr sehr gefreut, aber auch vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Beim Gewinner aber war sie sich unabhängig voneinander einig: Nur so ist die hohe Punktesumme von 209 zu erklären.

Es ist Jakob Prechtl für ein transportables OP-Mikroskop für Augen- und HNO-Anwendungen. Das Spezielle an der Gewinnerlösung: Die Geräte sind in Entwicklungsländern weltweit im Einsatz. »Wir verdienen keinen Cent an den Geräten, uns geht es darum, dass sehr arme Menschen in abgelegenen Gebieten eine Behandlung erfahren, die sie sich sonst nicht leisten könnten«, unterstreicht Jakob Prechtl.

Die Initialzündung kam 2014 durch einen befreundeten HNO-Arzt, der bei einer OP in Myanmar mangels ordentlichen Mikroskops Patienten hohen Risiken aussetzen musste. Er sagte: »Entwickle doch ein Gerät, das auf die wesentlichen Funktionalitäten reduziert ist, leicht und klein und damit transportabel ist und unabhängig von einer konstanten Stromversorgung«, erzählt Jakob Prechtl. »Und das haben wir auch gemacht!«

Ausschlaggebend in dem Projekt ist vor allem der Preis. Ein Gerät kostet circa 10.000 Euro. Prechtl verkauft es zum Materialkostenpreis an Ärzte, Kliniken im Ausland oder NGOs. Er setzt dabei auf ein einfaches Design und auf Norm- und Zukaufteile, etwa von Ganter über den bayrischen Händler Zitec. Alsdann wird das Gerät in seinem Konstruktionsbüro zusammengebaut.

Prechtl: »Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung und das unerwartete Preisgeld von 2.500 Euro, das in ein neues Gerät für den Augenarzt Dr. Wahamu in Papua-Neuguinea fließt, der über kein Sponsoring verfügt.«

18 der robusten Geräte sind bereits im Umlauf, die wegen der hochwertigen Normteile und Optiken sehr lange halten. Sie lassen sich an jeden Tisch oder sogar an Motorhauben anschließen und laufen auch eine Stunde komplett unabhängig über den eingebauten Akku.
Das weltweit einzigartige Mikroskop wiegt nur zwölf Kilogramm und lässt sich komplett in einem Koffer als Handgepäck transportieren.

Es ist ohne Werkzeug in weniger als fünf Minuten auf- und abgebaut und kann mittels einer patentrechtlich geschützten Klemmvorrichtung sowohl an die Seitenschienen von OP-Tischen als auch an gewöhnliche Tischplatten montiert werden.


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Ausgabe:
:K 08/2017
Bilder:
Jürgen Heimbach, Cadenas
Prechtl

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