24. JULI 2016

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Neues von Nord


Interview

Jutta Humbert – Der Firmengründer von Nord Drivesystems, G. A. Küchenmeister, hat vor kurzem die aktive Mitarbeit beendet. Seine Tochter, die seit fast 20 Jahren als Geschäftsführende Gesellschafterin im Unternehmen tätig ist, stellt das neue Management-Team vor, zieht eine Bilanz des Krisenjahres 2009 und spricht über die Zukunftsaussichten in der Antriebstechnik-Branche.

Frau Humbert, Ihr Vater hat sich aus Altersgründen aus der operativen Unternehmensführung zurückgezogen. Wie hat sich das auf die Führungsspitze ausgewirkt?
Zunächst einmal wird mein Vater dem Unternehmen Nord natürlich weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen. Als Gründer und langjähriger Geschäftsführer könnte er sich einen vollständigen Rückzug gar nicht vorstellen. Dementsprechend bedeutet seine Entscheidung auch keinen gravierenden Einschnitt für unsere Kunden. Die Verantwortung ist nun aber vollständig auf das Führungsteam übergegangen, zu dem neben meinem Bruder und mir auch Jens Paulsen gehört, der für Finanzen, Controlling und EDV zuständig ist, und Peter Dittmers, der den Vertrieb in Deutschland leitet.

Seit Anfang 2010 komplettiert zudem Dr.-Ing. Jürgen Jendryschik, unser neuer Geschäftsführer für den Bereich Technik, die Führungsmannschaft. Wichtige Entscheidungen werden bei Nord nach wie vor nach gründlicher Beratung von uns allen zusammen getroffen: Wir stehen zu fünft nebeneinander an der Spitze. Ich vertraue voll darauf, dass unsere eingespielte Arbeitsteilung in der Geschäftsführung auch in Zukunft bestens funktioniert.

Gibt der Generationenwechsel an der Spitze von Nord dem Unternehmen neue Impulse?
Mit Herrn Jendryschik haben wir einen erfahrenen Experten gewonnen, der im Technik-Bereich unsere Entwicklungen koordinieren und als Ideengeber wirken wird. Wir werden uns weiterhin auf unsere Stärken konzentrieren. Bei den mechanischen Basistechnologien sind wir eine führende Adresse und möchten dies auch dauerhaft bleiben. Hier können wir nur mit überlegener Qualität bestehen, weswegen wir auch einer der Hersteller in Deutschland sind, der Zahnräder noch selbst in einer eigenen großen Fertigung produziert. Gezielt konzentrieren wollen wir uns außerdem auch auf unsere Antriebselektronik-Sparte.

Das Krisenjahr 2009 war zweifellos eine schwierige Phase in der Unternehmensentwicklung. Wie stark wurde Nord davon in Mitleidenschaft gezogen?
Natürlich haben wir unter dem Konjunktur-einbruch gelitten. Aber glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass 2009 für uns trotz allem ein hochinteressantes Jahr war, in dem wir durchaus auch positive Signale verzeichnet haben. Einerseits ist unser Umsatz von 330 auf circa 264 Millionen Euro zurückgegangen, also haben wir gegenüber dem Vorjahr rund 20 Prozent eingebüßt. Dabei muss man aber berücksichtigen, dass 2008 unser bisheriges Rekordjahr war und der Kontrast daher so deutlich ausfällt.

Andererseits freuen wir uns, dass wir unsere Belegschaft trotz Krise stabil halten konnten – heute beschäftigen wir bereits wieder genauso viele Mitarbeiter wie 2008. Damit haben wir auch unsere Fähigkeit erhalten, die Produktion bei Bedarf wieder auf Hochtouren anzufahren, was sich in den letzten Wochen bereits positiv ausgewirkt hat. Da sich von unseren Bestandskunden nur sehr wenige zurückgezogen haben und wir 2009 bemerkenswert viele gänzlich neue Kontakte zu Maschinenbauern knüpfen konnten, haben wir alle Chancen genutzt, um weiterhin erfolgreich zu bleiben.

Welche Anzeichen sehen Sie für einen Aufwärtstrend und wie lautet Ihre Prognose für das laufende Jahr?
Da wäre zunächst einmal die Lage im zweiten Halbjahr 2009 zu nennen, die sich für uns und die Gesamtwirtschaft deutlich günstiger darstellte als im Frühling oder Sommer zuvor. Das können wir erstens anhand der Zahlen bestätigen und zweitens anhand einiger prägender Ereignisse, wie zum Beispiel unserem positiven Ergebnis auf der SPS/IPC/Drives 2009, die sich für uns als die produktivste Messe der jüngeren Vergangenheit erwies.

Wir konnten gleich mehrere Aufträge in beträchtlichen Größenordnungen entgegennehmen, die wir direkt in Nürnberg fertig verhandelt und vereinbart haben. Diese Entwicklung hielt für uns auch auf der Hannover Messe 2010 an. Dies stimmt uns optimistisch in Bezug auf unser Ziel, bereits 2011 wieder unseren Rekordumsatz aus dem Jahr 2008 zu erreichen. Da wir mit innovativen Produkten in der mechanischen und elektronischen Antriebstechnik derzeit viel Interesse erzeugen, sind wir zuversichtlich, dass wir uns bereits in diesem Jahr nah an dieses Ziel heranarbeiten werden.

Frau Humbert, wie steht im Vergleich zu Ihren globalen Aktivitäten Ihr Kernmarkt Deutschland da?
Wir sind selbstverständlich überall dort, wo unsere Kunden uns brauchen, und wo der Bedarf anzieht oder absehbar stark wachsen wird, verdichten wir unser Niederlassungsnetz. Aktuell betrifft dies besonders den Raum Asien, speziell China; ein weiterer Schwerpunkt ist Osteuropa.
Konkret haben wir mittlerweile 35 Tochtergesellschaften weltweit, zusammen mit unseren Vertretungen ist Nord somit in über 60 Ländern präsent. Mit ausgefeilter EDV-Technik und neuen Online-Tools sorgen wir außerdem für einen engen Kontakt mit Kunden überall in der Welt: Wir geben ihnen über myNord, einem Bestandteil unserer Internetpräsenz, direkten Zugriff auf Datenbank-Informationen.

Dies ermöglicht beispielsweise den Abruf des laufend aktualisierten Lieferstatus von Bestellungen. Damit einhergehend geben wir präzise, verbindliche Terminzusagen und gewährleisten auf diesem Wege auch sehr kurze Lieferfristen.

Nach wie vor gilt jedoch unser Grundsatz, dass wir die Welt von Deutschland aus erschließen. Wir fühlen uns hier verankert und profitieren dank der unmittelbaren Nähe zu Hamburg von einer ausgezeichneten logistischen Anbindung an weltweite Handelswege. Deutschland und Europa sind zudem auch als Produktionsstätten und Absatzmärkte weiterhin unser Rückhalt. So findet beispielsweise das Prototyping für neue Produkte ausschließlich in Deutschland statt. Diese Strategie hat sich bisher bestens bewährt, und unsere Produkte sind mit dem Label »Made in Germany« preislich und technologisch mehr als konkurrenzfähig.

Als Beispiele möchte ich etwa unsere kostengünstigen, vielseitig einsetzbaren Frequenzumrichter der Serie SK 200E und die großen Industriegetriebe mit Drehmomenten bis 200.000 Newtonmeter nennen, bei denen auch die Modelle ab 90.000 Newtonmeter nach dem bewährten, 1981 von uns entwickelten Blockgehäusekonzept konstruiert sind. Diese Bauweise ist auf dem Markt derzeit einzigartig.
A. Freitag/csc


Zur Person

- Jutta Humbert, geboren 1962 in Hamburg, ist die Tochter des Nord-Gründers G. A. Küchenmeister.

- Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre war sie bei einem internationalen Unternehmensberater und Wirtschaftsprüfer tätig. 1991 trat sie ins Familienunternehmen ein, dessen Geschäfte sie seit Jahren mit ihrem Bruder Ullrich Küchenmeister führt.

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