Ohne Krane und Hebeanlagen wäre aus dem Boom der Windenergieanlagen wohl kaum etwas geworden. Denn schließlich müssen die bis zu 500 Tonnen schweren Gondeln mitsamt ihren Getrieben und Generatoren ja irgendwie auf ihre Masten gelangen. Damit die Maschinen diese Gewichte überhaupt heben können, wirken im Verborgenen Seilscheiben und ihre Lagerungen.
So wie zum Beispiel im Raupenkran LR11350 des süddeutschen Kranspezialisten Liebherr, der über eine Traglast von 1.350 Tonnen und eine maximale Hubhöhe von 223 Metern verfügt und der beim Bau des Prototypen einer Fünf-Megawatt-Offshore-Windkraftanlage auf einem Testgelände in Cuxhaven mitgewirkt hat. Mit seinem Raupenfahrwerk und dem Antrieb durch einen Sechszylinder-Turbodieselmotor mit 870 PS ist dieser Gittermastkran einer der größten Raupenkrane der Welt.
Für die Seilscheiben des Raupenkrans lieferte die Schaeffler Gruppe mehr als 100 Zylinderrollenlager der Baureihe SL04 mit 160 Millimeter Bohrung, 220 Millimeter Durchmesser und 80 Millimeter Breite. Die genaue Bezeichnung der INA-Seilscheibenlager lautet SL04260 PP RR C5 L091. Dabei steht SL für Schwerlast, PP bezeichnet die beidseitige Abdichtung mit robusten, gut medienbeständigen Dichtringen und RR steht für die Spezialbeschichtung Corrotect. Diese extrem dünne, galvanisch aufgebrachte und Chrom(VI)-freie Zink-Eisenbeschichtung, schützt die Wälzlager gegen Korrosion und steigert so die Lagergebrauchsdauer deutlich. Denn ganz entscheidend ist, dass ein Unterrosten der Dichtlippen verhindert wird, die Dichtlippen nicht vorzeitig verschleißen, und Schmutz und Wasser nicht in das Lager eindringen können.
Die in Raupen- und Fahrzeugkranen eingesetzten Seilscheiben sind heute überwiegend aus Kunststoff, wie z.B. Gusspolyamid. Ausschlaggebend sind hierbei Eigenschaften wie eine seilschonende Elastizität, hohe Verschleißfestigkeit, gute Zähigkeit auch bei niedrigen Temperaturen sowie gute Beständigkeit gegen Schmierstoffe und Witterungseinflüsse.
Wegen der unterschiedlichen Ausdehnungskoeffizienten von Kunststoffseilscheibe und Stahllager kommt es zudem auf die genaue Betrachtung und richtige Wahl der Einbaupassungen und der Lagerluft an. Die Abkürzung C5 in der Bezeichnung »SL04260 PP RR C5 L091« gibt die gewählte Lagerluft an, die sich in Kunststoffseilscheiben über den gesamten Bereich der auftretenden Betriebstemperaturen bewährt hat. Das Kürzel L091 kennzeichnet das besonders feuchtigkeitsbeständige Hochleistungsschmierfett für hohe Lasten.
Starker Offshore-Einsatz
Was an Land noch vergleichsweise einfach zu lösen sein mag, stellt sich auf hoher See schon schwieriger dar. So übernehmen auch bei dem 1978 gebauten Kranschiff »Hermod« des Unternehmens Heerema Marine Contractors ungefähr 500 Zylinderrollenlager der Baureihe SL04 (260 Millimeter Bohrung, 400 Millimeter Durchmesser, 160 Millimeter Breite) die tragende Rolle in den stählernen Seilscheiben. Das Unternehmen transportiert, installiert und demontiert weltweit alle Arten von Offshore-Bauwerken für die Öl- und Gasindustrie. Im Tandembetrieb heben die beiden Kräne bis zu 8.100 Tonnen bei 39 Metern Ausladung. Bei minimaler Ausladung sind die Hilfshubwerke in der Lage, je 600 Tonnen bis in eine Tiefe von 3.000 Meter abzusenken.
Die aus einem Spezialstahl gefertigten Seilscheiben dienen als Umlenk- und Führungselemente des Tragseils und werden je nach Bauart entweder einzeln oder mehrfach nebeneinander als Paket angeordnet. Durch die Umschlingung des Tragseils werden die Scheiben vor allem radial belastet. Durch einen konstruktionsbedingten Schrägzug des Seils können jedoch auch Axialkräfte und Kippmomente auftreten. Weil die Zylinderrollenlager permanent korrosionsförderndem Salzwasser, extremen Temperaturschwankungen und UV-Strahlung standhalten müssen, sind sie auch hier mit Corrotect beschichtet. Außerdem sorgt eine spezielle Sonderdichtung für hohe Medienbeständigkeit. Im Ergebnis sind die Lager unempfindlich gegen Salzwasser und Temperaturschwankungen.
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Fakten
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Die Schaeffler Gruppe zählt mit rund 61.000 Mitarbeitern an weltweit mehr als 180 Standorten und einem Umsatz von 7,3 Milliarden Euro (2009) zu den weltweit führenden Wälzlagerherstellern und Automobilzulieferern.
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Die Sparte Industrie liefert Wälz- und Gleitlager sowie Lösungen für die Linear- und Direktantriebstechnik für rund 60 verschiedene Industriebereiche.