10. DEZEMBER 2016

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»Wir sindimmer ganznah dran«


Interview

Firmenjubiläum – Die Party zum 25-jährigen Bestehenging mit einem Jahr Verspätung los. Gunther Schulz siehtdas gelassen. Dafür sei man, so der Gründer der Rodriguez GmbH, bei den Kunden schneller als die Großen.

Geschäftspartner, Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter, Banker, Lokalpolitiker, Presseleute – 220 gut gelaunte Menschen waren am3. September nach Eschweiler gekommen. Alle gemeinsam haben das 25-jährige Bestehen der Rodriguez GmbH gefeiert. Nur, warum war die Jubiläumsparty ein volles Jahr zu spät dran? Am Rande seiner Veranstaltung fand Rodriguez-Chef Gunther Schulz Zeit, uns einige offene Fragen zu beantworten.

Herr Schulz, Sie haben 1984 die Rodriguez GmbH gegründet. Warum haben Sie die Jubiläumsfeier so lange hinausgeschoben?

Das war der Wirtschaftskrise geschuldet. Im Geschäftsjahr 2009 ist bei uns der Um-satz schwer eingebrochen. Die Flaute bot keinen angemessenen Rahmen für eine Jubiläumsfeier. Wir haben diese Anfang September nachgeholt – in Zeiten des Wirtschaftsaufschwungs. Dabei haben wir Geschäfts- und Marktpartnern das aktuelle Portfolio vorgestellt.

So schwer kann die Krise nicht gewesen sein, Sie mussten zu keinem Zeitpunkt Kurzarbeit ausrufen.

Der Umsatzeinbruch betrug bei uns 45 Prozent. Da haben wir über Kurzarbeit lange diskutiert. Aus zwei Gründen haben wir uns dagegen entschieden. Zum einen bin ich in der schweren Zeit so viel wie nie zuvor gereist und wurde dabei ständig mit Klagen der Kunden über kurzarbeitende Zulieferer konfrontiert. Beklagt wurde, man könne kaum Auskünfte und nur schlechten Service bekommen, man werde dauernd auf später vertröstet. Dagegen wollten wir ein positives Zeichen setzen. Auch finden wir es unsozial, wenn Kurzarbeit nur einen Teil der Mannschaft trifft, zum Beispiel die Maschinenbediener, nicht aber die vom Vertrieb.

Krise war gestern – heute vermelden Sie fast 25 Prozent Umsatzplus!

Es geht wieder aufwärts: Wir verzeichnen für dieses Quartal 22 Prozent Umsatzzuwachs sowie 40 Prozent Plus beim Auftragseingang. Den AE sehe ich als den wichtigeren Indikator, denn er bildet die Zukunft ab.

Schauen wir uns das Maschinenelement rotatives respektive lineares Lager näher an. Die Benchmark für jeden Maschinenbauer sind Lager von Schaeffler, SKF oder Rexroth.

Ich hebe jetzt nicht den Finger und melde Einspruch an. Natürlich setzen in der Lagerbranche die von Ihnen genannten Namen technisch die Maß-stäbe. Aber gerade weil die Großen groß sind, haben sie lange Entscheidungswege.

Was Ihnen die Chance eröffnet, gegen Konzerne bestehen zu können!

Wir sind ganz nah am Kunden dran, gehen flexibel auf seine Vorstellungen ein und erfüllen die Wünsche der Anwender optimal. Ich habe ja schon erwähnt, dass wir für den Dienst am Kunden zum Beispiel auf Kurzarbeit verzichtet haben. Auch leisten wir uns für jeden unserer drei Geschäftsbereiche Linearlager, rotative Lager und Automotivegeschäft einen eigenen Außendienst, der für jede uns betreffende Anfrage die jeweils bestmögliche Lösung vorschlagen kann.

Sie spielen darauf an, dass bei großen Lagerfertigern ein Vertriebsmann mitunter das ganze Lagersortiment vertreiben muss?

Ja, in meinen Augen ist das suboptimal. Die perfekte Kundenbetreuung war mit ein Grund, warum wir in den Jahren 2007 und 2008 – in einer Zeit steilen Aufschwungs – beste Firmenadressen als Neukunden gewinnen und seither, auch in Zeiten der Krise, bei uns halten konnten. Gerade die Nähe zum Kunden und die individuelle Betreuung machen uns für immer mehr Firmen interessant.

Beim Rundgang habe ich notiert, woher Ihr Maschinenpark stammt. Da sind erstklassige Namen dabei, Biglia, Chiron, Maho, Okuma oder Rösler.

Zum Standort Eschweiler gehört ein umfassender Maschinenpark, ein Grundstein unsrer Flexibilität und Garant dauerhaft hoher Qualität. Die Namen besagter Maschinenhersteller bürgen für Genauigkeit wie für Langlebigkeit. Natürlich hätten wir die eine oder andere Maschine in Asien etwas günstiger beschaffen können, doch wir führen in unserem Firmenlogo das Motto »Precision in Motion«. Wir wollen unserem selbst auferlegten Anspruch bewusst auch entsprechen.

Sie haben in Ihrer Festansprache betont, in 25 Jahren Rodriguez viel bewegt zu haben. Was war für Sie das Wichtigste?

Für mich ist das Wichtigste, das Unternehmen vom ursprünglich reinen Handelsbetrieb zum Unternehmen gemacht zu haben, das auch mit Konfektionierung und Fertigung von Mechanik, vom einzelnen Maschinenelement bis zur einbaufertigen Lösung, erfolgreich ist. Und wir blicken in mehrfacher Hin-sicht auf ein solides Wachstum zurück: Die Firmengebäude wurden mehrfach erweitert, die Belegschaft ist kontinuierlich gewachsen, ebenso wie das Leistungsspektrum.

Und wohin führen Sie Ihre Rodriguez GmbH in nächster Zukunft?

Wie schon erwähnt hat die Rodriguez GmbH drei Geschäftsbereiche. Den umsatzmäßig größten Bereich bilden im Moment die Precision Bearings, der Star ist die Lineartechnik, die absolut am schnellsten wächst. Das Automotive-Geschäft mit Komponenten und Systemen für die Fahrzeugindustrie zieht am langsamsten an. Wir haben trotzdem keinen Bereich, der besonders gepusht wird. Ziel ist es, das Unternehmen so auszutarieren, dass es nirgendwo kopflastig wird.

Sie machen kein Geheimnis daraus, die 60 gut schon überschritten zu haben. Kommen keine Fragen, wie lange Sie weitermachen?

Genau, auch meine Frau, meine Familie und die Banken wollen das wissen. Meine Antwort ist: Ich bin wohlauf, mir ist seit einigen Jahren mit Jochen Remmert der Geschäftsführer Finanzen und Fertigung an die Seite gestellt. Demnächst kommen ein verantwortlicher Leiter für Technik und einer für den Vertrieb. Das alles entlastet mich. Solange ich gesund bleibe, mache ich weiter und behalte die Fäden in der Hand.





Daten & Fakten

-Die Rodriguez GmbH wurde von Gunther Schulz 1984 als Vertriebsbüro hochwertiger Antriebskomponenten gegründet, um für die R. A. Rodriguez Inc., New York, das weltweite Exportgeschäft abzuwickeln. 2008 übernahm Schulz in einem Management-Buy-out die Rodriguez GmbH zu 100 Prozent.
-Die GmbH bietet unter anderem Dünnringlager, Kugeldrehverbindungen und Linearlager sowie Komponenten und Systeme für die Fahrzeugindustrie.

www.rodriguez.de

Ausgabe:
:K 08/2010
Unternehmen:
Bilder:

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