100 Miles and more

Antriebstechnik

Schmierstoffe – Mitte Mai wurden die 100 Meilen von Franciacorta zur Feuerprobe für ein neues Motoröl der Viskositätsklasse 0W-20. Schmierstoffadditive von Evonik sorgten dafür, dass der Härtetest mit Bravour bestanden wurde.

26. September 2011

Einen Paradestart legte im Frühjahr das RED-Motorsportteam in Italien hin: Im ersten von insgesamt sechs 100-Meilen-Rennen der Rennsaison 2011 konnte Mitte Mai in Franciacorta ein Lotus Exige den Sieg in der GT4 Klasse erringen. Im Feld mit insgesamt 31 Teilnehmern fuhr der Lotus in der Gesamtwertung auf Platz 16 durchs Ziel.

Das ist auch ein respektabler Erfolg für das Automotive Industry Team (AIT) des Essener Spezialchemieunternehmens Evonik, das den Lotus Exige sponsert. Dazu ist wichtig zu wissen, dass das Rennen zugleich als Testlauf für ein neues Motoröl diente.

Es geht um ein zukunftsträchtiges Neuprodukt, an dessen Entstehung der Industriekonzern Evonik Industries Chemie mit neuartigen Schmierstoffkomponenten maßgeblich beteiligt ist. »In enger Kooperation mit unserem strategischen Partner Fuchs Europe Schmierstoffe GmbH wurde ein neues Motorenöl entwickelt, das den Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen signifikant senkt«, erklärt Norbert Westerholt, Geschäftsführer der Evonik RohMax Additives GmbH.

Das Geschäftsfeld Chemie von Evonik Industries (früher Degussa) stellt sich bereits seit Jahren mit dem Automotive Industry Team AIT auf die anspruchsvollen Abnehmer ein. Die Aktivität, so heißt es, wirke »wie ein Katalysator«, und das in zwei Richtungen. Zum einen werde Chemiekompetenz in die Autoindustrie eingebracht. Zum anderen erhielten die Forscher und Entwickler von Evonik gleichzeitig hilfreiche Hinweise über technologische Ziele der Autobauer.

Verminderter Verbrauch

Auch durch optimierte Schmierstoffe lassen sich CO2-Emissionen eindämmen. Laut Evonik verbessert etwa das Additiv Viscoplex die Fließeigenschaft eines Schmierstoffes und damit den Wirkungsgrad von Motoren und Getrieben.

Bei dem Lotus Exige Rennmotor führen die Additive zu einer signifikanten Reibungsminderung. Gemäß Aussage der Motorenbauer ist die Steigerung der Motorleistung wie auch der verringerte Kraftstoffverbrauch konkret messbar.

Viscoplex und weitere Schmierstoffkomponenten von Evonik sind entscheidende Bestandteile des Hochleistungs-Motoröls von Fuchs Schmierstoffe. Die Fuchs Europe Schmierstoffe GmbH mit Hauptsitz in Mannheim ist eigenen Angaben zufolge weltweit der größte unabhängige Schmierstoffspezialist.

Der Schmierstoff-Erstausrüster im Besonderen der deutschen Automobilindustrie hat sein neues SAE 0W-20-Topprodukt auf den Namen Titan GT1 getauft. Die Badener sprechen von einem »Premium-Motorenöl der Spitzenklasse in wegweisender Additivtechnologie«. Speziell ins Auge gefasst seien für die bahnbrechende Innovation Hochleistungsfahrzeuge mit Benzin- und Dieselmotoren.

Moderne PKW-Motorenöle, die die Anforderungen der Motorenhersteller erfüllen, bieten heute ein hohes Leistungsniveau. Doch die Temperaturbelastung des Motorenöls nimmt stark zu.

Hinzu kommen neue, energiesparende Technologien wie zum Beispiel Start-Stopp-Systeme, die besondere Anforderungen an die Starteigenschaften und die Schmiersicherheit eines Motorenöls stellen.

Die Belastung des Motorenöls über das gesamte, vom Hersteller angegebene Ölwechselintervall steigt insgesamt stark an. Umso wichtiger, dass das Öl schnell dort ankommt, wo es nötig ist. Gründe für Fuchs, eine neue Motorenöltechnologie zu entwickeln, die zusätzliche, langzeitstabile Leistungsreserven bietet.

Der entscheidende Technologievorsprung der neuen Grundöltechnologie wird im optimierten Viskositäts-Temperatur-Verhalten gesehen. Gegenüber konventionellen Grundölen punktet, so Fuchs, die neue XTL-Technologie mit einem besonders hohen Viskositätsindex.

Generell sind heute alle Fahrzeughersteller wie deren Zulieferer permanent auf der Suche nach Möglichkeiten für die konsequente Kraftstoffminimierung. Auch eine niedrige einstellige Verbrauchsminderung stellt bereits einen bedeutsamen Gewinn dar. Ein Erfolg, der noch weiter an Bedeutung gewinnt, weil die Europäische Union die Obergrenzen für den CO2-Ausstoß bei Neufahrzeugen strikt beschränkt hat.

Auch für Evonik ist Effizienzsteigerung schon lange ein herausragendes Entwicklungsziel. Allein von daher lag es nahe, dass der Schmierstoffproduzent Fuchs auf seiner Suche nach neuen Schmierstoff-Additiven sich an Evonik wandte – und bei dem Unternehmen auf die passende Antwort stieß.

Test auf der Rennstrecke

Als Ergebnis zielgerichteter Entwicklungsarbeit wurde das 0W-20-Motoröl genau zu Beginn der neuen Motorsportsaison fertiggestellt. »Weil sich die technischen Erfordernisse für die individuellen Zusatzstoffe als extrem anspruchsvoll erwiesen, mussten wir diese Produkte bis zur Serienreife zum Teil völlig neu entwickeln«, sagt Dr. Thorsten Bartels, Leiter des Evonik-Testlabors für Öl-Zusatzstoffe in Darmstadt.

Über ein Jahr lang haben Bartels und sein Team den neu geschaffenen Hochleistungsschmierstoff auf dem Motorenprüfstand getestet. Überdies wurde die Produktneuheit in Erprobungsfahrzeugen unter Testbedingungen auf der Versuchsstrecke untersucht, bevor die Freigabe für den Rennbetrieb erfolgt ist.

Bei dem Lotus Exige setzt das AIT gezielt innovative Methoden und Verfahren in der Automobilentwicklung ein. Dazu zählen nicht nur die Optimierung von Schmierstoffadditiven sowie die Kraftstoffeinsparung, sondern auch fortschrittliche Leichtbauweise und Oberflächentechnologien.

Daher bringt das jüngste Lotusmodell gerade noch 780 Kilogramm auf die Waage. Diese Gewichtsersparnis basiert auf dem Einsatz unterschiedlicher Technologien. Nur ein überzeugendes Beispiel ist hier der struktursteife Karosserieaufbau auf Basis eines Rohacell-Hartschaumkerns.

Langzeiterprobung

Für das Automotive Industry Team, welches alle Automobilexperten des Konzerns unter einem gemeinsamen Dach zusammenfasst, dient der Motorsport als Versuchsfeld für die spätere Serienproduktion. »Nur solche Technologien, die sich in der Härte des Rennbetriebs bewährt haben, können als Fundament für die spätere Produktion von Serienfahrzeugen dienen«, betont AIT-Chef Klaus Hedrich.

Inzwischen liefen die Tests des neu entwickelten Öls auf dem hauseigenen Motoren- und Rollenprüfstand in Darmstadt zügig voran, verlautbart das Unternehmen. Daneben unterzieht Evonik das neue Schmieröl derzeit einer Langzeiterprobung im Flottenversuch mit Straßenfahrzeugen.

Erschienen in Ausgabe: 02/2011