15 Jahre Know-how in einem Chip

Porträt

Thomas Schumacher – Der Geschäftsführer und Gesellschafter von Beck IPC erläutert die drei Entwicklungsstufen des Unternehmens und erklärt, weshalb der IPC@CHIP noch heute revolutionär ist.

09. September 2009

Die Firmengeschichte des Embedded-Controller-Herstellers Beck IPC ist alles andere als geradlinig. »Im Grunde gibt es drei Entwicklungsphasen«, resümiert Thomas Schumacher, seit knapp einem halben Jahr technischer Geschäftsführer des Unternehmens und einer der beiden Gesellschafter der Beck IPC GmbH. Zusammen mit Markus Stelzmann, dem kaufmännischen Geschäftsführer, hat das neue Führungsduo im März dieses Jahres, im Zuge eines Management-buy-out aus der Festo-Gruppe, die Leitung des Unternehmens übernommen. Dabei ist die ihnen gestellte Aufgabe nicht neu, war doch Schumacher seit Jahren Leiter der Entwicklungsabteilung und Stelzmann lange im kaufmännischen Bereich der Firma tätig. Entgegengekommen ist ihnen bei der Umsetzung ihres Vorhabens sicherlich, dass der damalige Geschäftsführer von Beck IPC das Unternehmen bereits Ende 2008 verlassen hatte. So konnte das neue Führungsduo von Anfang an die Geschicke der Firma nach seinen Vorstellungen und Visionen lenken.

Gründer und Ideenschmied

»Eine hervorragende Ausgangssituation, um die Stärken von Beck IPC im Bereich industrielle Steuerungstechnik und Kommunikationsprodukte weiter auszubauen«, so Schumacher, »zumal das Thema Visionen und Innovationsgeist, schon immer im Hause Beck IPC groß geschrieben worden ist.« Wilfried Beck gründete 1982 das gleichnamige Unternehmen, um Elektronikkomponenten und -software zu entwickeln. Schon früh hatte Beck das enorme Potenzial erkannt, aufwendige mechanische Konstruktionen durch elektronische Komponenten zu ersetzen. Interessanterweise waren die ersten Produkte, die Becks Firma verließen, keine Steuerungen für Industrieanlagen, sondern elektronische Komponenten für Spielautomaten. »Ein Micro-Controller, der ein Display, einen Münzprüfer per Software angesteuert und diverse Eingängen und Ausgänge kontrolliert. Alles muss im Einklag funktionieren wie in einer richtigen Maschine«, so Schumacher.

Das läutete die erste Phase in der Unternehmensgeschichte ein. Gleichzeitig trieb Beck das Vorhaben weiter voran, möglichst viel PC-Technologie in Embedded-Systeme zuintegrieren, und gegen Ende der 80er-Jahre war die Entwicklung der ersten eigenen Steuerung, der PS1, abgeschlossen.

Die PS1 führt zum Erfolg

Auf der Hannover Messe 1992 wurde die modulare Steuerung auf der Hutschiene mit PC-Technologie, genauer gesagt mit einem 186er-Prozessor, MS-DOS Betriebssystem und Floppy-Laufwerk, der Öffentlichkeit vorgestellt. Es war ein voller Erfolg: »Platzhirsche wie Siemens, Möller oder Festo arbeiteten ebenfalls an dieser Technik und kamen an den Beck IPC-Stand, um zu sehen, wie ein so kleines Unternehmen es schaffen konnte, ein derart innovatives Produkt zu entwickeln«, erklärt Schumacher voller Stolz. Mit der 92er Hannover Messe begann die zweite Phase von Beck IPC: Nach den ersten zehn Jahre Spielautomaten folgten die zweiten gut zehn Jahre Industrieelektronik und PC-Technologie in der Industrie und Automatisierung.

Beck IPCs Produktpalette war zwar außerordentlich innovativ, der wirtschaftliche Erfolg ließ dennoch auf sich warten. »Wir hatten Echtzeitdatenübertragung via Ethernet von Anfang an in unseren Steuerun-gen, gleichzeitig bedienten wir aber eine sehr konservative Käuferklientel«, bekennt Schumacher. »Kurzum, der wirtschaftliche Erfolg wurde dadurch verhindert, dass Wilfried Beck gedanklich immer einen Schritt zu weit voraus war.« Das kleine Unternehmen beschäftigte damals rund 50 Mitarbeiter und hatte nicht die Marketingkraft eines Großunternehmens, um neue Technologien im Markt einzuführen. Was hätte sich da besser angeboten, als eine Kooperation mit einem namhaften Partner?

Brüder im Geiste

»Wilfried Beck und Kurt Stoll von Festo hatten denselben visionären Ansatz. Da hatten sich zwei gefunden, und so ist die Partnerschaft zwischen Beck und Festo zustande gekommen«, erinnert sich Schumacher. Ziel des Zusammenschusses war, neben der Mechanik auch die Elektronik voranzutreiben. Die Vision, die beide vor Augen hatten, hieß: Mechatronische Systeme.

Wilfried Beck hatte den Posten des Innovationsbeauftragten übernommen. Festo gab den eigenen Bereich Steuerungstechnik zwischenzeitlich auf und übertrug die Aufgabe an Beck IPC. Das gab natürlich Reibung. Nichtdestoweniger hatte die Zusammenarbeit insgesamt gut funktioniert. Die Technologie von Beck IPC ist über Festo verkauft worden. Die PS1 wurde ins Festo-Portfolio übernommen und vertrieben – über Festo weltweit und von Beck IPC in Deutschland. Weitere Produkte wurden mit Hilfe der Finanzkraft von Festo entwickelt, wie die erste PC-SPS unter 250 Euro im Jahr 1997. Allerdings ging im Laufe der Zeit die eigentliche Idee des Zusammenschlusses, die Mechatronik voranzutreiben, verloren. Die innovative Schaffenskraft, die sich die beiden Partner erhofften, hatte nicht funktioniert.

In der dritten Phase der Unternehmensgeschichte, ab 2001, wurde Beck IPC vollständig in Festo integriert. Der Weg von einem sehr ideengetriebenen, durch Wilfried Beck geführten, Unternehmen in den Festo-Konzernverbund war besiegelt. Obwohl die große Innovation ausgeblieben war, war die Ehe trotzdem nicht unfruchtbar. »Es sind vernünftige Produkte rausgekommen wie zum Beispiel die intelligente Ventilinsel von Festo oder der IPC@CHIP von Beck IPC«, fasst Schumacher die Festo-Zeit zusammen. Als im Jahr 2001 Wilfried Beck ausschied, um seine neue Firma Beck24.com zu gründen, wurde Beck IPC immer stärker in die Festo-Prozesse und hierarchischen Strukturen eingegliedert. Der neue Geschäftsführer Dr. Ansgar Kriwet übernahm Beck nicht mehr als strategische Innovationszelle, sondern als ganz normale Festo-Abteilung, aber immer noch als eigenständiges, räumlich getrenntes Unternehmen.

Zwischen 2001 und 2006 kristallisierte sich immer deutlicher heraus, dass die einst vereinbarte Kooperation am Ende nur noch eine Verdopplung der Kosten für Festo darstellte. Über die Zeit hatte sich Festo wieder eigenes Know-how in der Steuerungstechnik erworben und war auf die Kooperation mit Beck IPC auch nicht mehr angewiesen.

Bruch und Neubeginn

2006 entschied die Geschäftsleitung von Festo, dass Beck IPC wieder ein eigenständiges Unternehmen wird. Die Suche nach einem neuen Eigentümer begann, die erst im Februar 2009, mit dem Management-Buy-out der beiden heutigen Gesellschafter, ein Ende finden sollte. Beck IPC wurde restrukturiert. Von den vormals 60 Mitarbeitern konnten 38 , vor allem Entwickler, weiterbeschäftigt werden. Ein deutlicher Einschnitt – dafür hat Beck IPC heute die besten Prognosen, gegen Ende des Jahres ein positives Ergebnis zu erreichen. »Das Ziel, in den kommenden Monaten wird sein, unsere Embedded-Technologie, basierend auf dem bekannten IPC@CHIP weiter voran zutreiben. Immerhin stecken im kleinsten Steuerungschip am Markt über 15 Jahre Entwicklungs-Know-how«, visioniert Schumacher. Darüber hinaus wird Beck IPC Entwicklungsdienstleistungen für kundenspezifische Lösungen anbieten – sowohl auf Basis des IPC@CHIP als auch unabhängig davon.

Christoph Scholze

Zur Person

- Thomas Schumacher ist seit 2002 als technischer Leiter Mitglied der Geschäftsführung von Beck IPC und seit März 2009 einer der beiden neuen Gesellschafter des Unternehmens.

- 1992 schloss Schumacher erfolgreich das Studium zum Elektrotechniker ab, mit Schwerpunkt Automatisierungstechnik an der BA Mannheim. Seit dieser Zeit stand die Steuerungstechnik in seinem Fokus. Angefangen 1992 bei Klöckner Möller als Entwicklungsingenieur, wurde er dort im Jahr 2000 zum Gruppenleiter, bevor er dann in 2002 zur Firma Beck wechselte.

Erschienen in Ausgabe: 5-6/2009