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Findling – Auch nach 100 Jahren in dritter Generation engagiert sich Findling sehr intensiv im Bereich der Wälzlager, und der Weg ist noch lange nicht zu Ende.

19. Juni 2019
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Mit drei Generationen 100 Jahre Firmengeschichte feiern – das zeigt die hohe Konstanz in der Familie und im Umgang mit Wälzlagern. (© Findling)

von Michael Kleine

Was für ein Fest! Der Jubiläumstag bei Findling Wälzlager in Karlsruhe war ein voller Erfolg, mit großem Einsatz aller Mitarbeiter gestaltet und mit viel Schwung in großem Stil gefeiert. »Phänomenal, ich fand das alles super«, sagt der aktuelle Geschäftsführer Klaus Findling, lediglich die Nummer drei in 100 Jahren. »Solch ein Jubiläum feiert man schließlich nur einmal, es ist Verantwortung und Erfüllung zugleich.« Man spürt die Leidenschaft für Wälzlager, für die Familie, für das Unternehmen. »Die Familie bedeutet Ausgleich zum Geschäftsalltag«, sagt Findling. »Andererseits ist auch unser Unternehmen ganz klar ein Familienmitglied.« Tradition und Werte spielen eine große Rolle, sie dürften aber nicht zum Selbstzweck werden. »Man muss bestehende Werte immer wieder überdenken und den Mut haben, Dinge dann auch anders zu machen.«

Dieser Leitsatz zieht sich durch die Geschichte des Wälzlagerspezialisten, in jeder Generation hat sich das Gespür für die Bedürfnisse des Marktes in steigendem Tempo weiterentwickelt: 1919 startete Franz Anton Findling seine Selbstständigkeit mit dem Handel von Artikeln für das boomende Zeitalter der Elektrifizierung. Doch schnell nahm der gelernte Schriftsetzer die Wälzlager mit in sein Sortiment auf. Er, seine Familie und das noch junge Unternehmen mussten dabei schwere Zeiten durchleben, aus dem zerbombten Berlin floh Franz Anton Findling in seine Heimatstadt Ettlingen und baute dort eine eigene Fertigung für Axialrillenkugellager auf. Der Grundstein für die weitere, internationale Ausrichtung des Unternehmens war gelegt.

Von der Fertigung zum Handel

1963 übernahm der Sohn Klaus-Peter Findling, nach dem Tod des Vaters, mit 25 Jahren das Unternehmen. Er hatte aber eher kaufmännisches Interesse und sah seine Zukunft im Import von japanischen Wälzlagern. Also verkaufte er kurzerhand Maschinenpark und Rohmaterialien und finanzierte so den Auf- und Ausbau seines Großhandels. »Mein Vater hat bereits Anfang der 60er-Jahre das Potenzial der japanischen Wälzlagerindustrie erkannt und mit seiner Vision Pionierarbeit geleistet«, erzählt Klaus Findling. Nach und nach kamen viele bekannte asiatische Hersteller von Kugellagern, Nadellagern oder Pendelrollenlagern ins Programm. »Mein Vater reiste dazu in den 70er-Jahren mit seiner Frau an der Seite quer durch Asien und erschloss Einkaufsquellen weltweit. Das war ungewöhnlich, aber sehr erfolgreich und dem Markt immer einen Schritt voraus.«

2001 kam dann die Zeit des jetzigen Chefs. Der führte sich mit der von ihm entwickelten ABEG-Methode bestens ein. Klaus Findling wollte es damit seinen Kunden einfacher machen, das technisch wie wirtschaftlich optimale Produkt aus dem umfangreichen Sortiment bestimmen zu können. Mit den vier Leistungsklassen Premium, Supra, Eco und EasyRoll gibt es eine transparente und berechenbare und wirtschaftliche Entscheidungsgrundlage. Basis dafür ist das große Fachwissen bei Produkten, Herstellungstechniken, Technologien und Produktionsprozessen.

Die langjährige Erfahrung im globalen Einkauf von Wälzlagern war Grundlage, das globale Procurement als eine ausgelagerte Dienstleistung anzubieten. »Dieses Angebot wurde und wird gerne wahrgenommen. Wir übernehmen für unsere Kunden unter anderem die Auditierung von Wälzlagerlieferanten und beraten bei logistischen und fachlichen Aspekten der Serienbelieferung«, sagt Klaus Findling. »Dieser Erfolg bestärkte uns in der Strategie, unseren Kunden nach und nach einen 360-Grad-Service rund um die Wälzlagerbeschaffung anzubieten.« Basierend auf der Erfahrung und dem Produktwissen aus Tausenden Kundenanforderungen bieten die Experten aus Karlsruhe den Kunden heute ein einzigartiges Dienstleistungsportfolio, das von der anwendungstechnischen Beratung, der Schadensanalyse und Lebensdauertests bis hin zu herstellerunabhängigen Schulungen reicht. Mit einer eigenen Fertigung für sonderbefettete und modifizierte Wälzlager lassen sich komplexe Kundenanforderungen flexibel und zeitnah umsetzen.

»Die Beratung unserer Kunden nach der ABEG-Methode ist unser Alleinstellungsmerkmal. ABEG ist das Baby, das ich zum Erfolg führen will und dazu finde ich immer neue Ansätze. Es braucht einen klaren Fokus, und wir sind unserer Linie treu, über viele, viele Jahre hinweg und das nicht willkürlich.« Er sieht es als ein Privileg an, dass er schon mit 30 Jahren eine Firma leiten durfte und dass er die Chance bekam, vorher eine umfassende Bildung zu genießen. »Das eine ist das Wollen, das andere aber das Können und daraus etwas zu schaffen, neue Ideen zu verwirklichen und eigene Fußstapfen zu hinterlassen.«

Für alles das richtige Produkt

Das Portfolio von Findling Wälzlager umfasst über 35.000 unterschiedliche Lagertypen in unzähligen Ausführungen und Werkstoffkombinationen für ebenso viele Anwendungsszenarien mit vielfältigen Anforderungen. Für spezielle Anwendungen bei extremen Betriebsbedingungen bietet Findling das Spezialsortiment ABEG eXtreme, das für besondere Einsätze hinsichtlich Temperatur, Reinigung, Schwerlast oder hohe Drehzahlen optimiert ist. Das umfangreiche Sortiment geht bei Findling Wälzlager mit garantierter Verfügbarkeit, einer hervorragenden Lieferperformance, effizienten Logistikkonzepten sowie einer intensiven Beratung und Schulung einher.

Erklärtes Ziel ist, das Geschäft global auszubauen. »Wir wollen auch in der Zukunft mit offenen Augen durch die Welt laufen und alle Eindrücke und Einflüsse wahrnehmen, hören, was der Markt will.« Auf keinen Fall will Klaus Findling stehen bleiben, sondern permanent nachfragen und nachdenken. Was wollen die Kunden? »Problemstellungen sind für mich ein Anreiz, um morgen früh wieder aufzustehen und diese in Angriff zu nehmen und zu lösen. Das ist meine Motivation, daraus ziehe ich meine Kraft«, schließt der Geschäftsführer. T

Infobox

Auf einen Blick

Erschienen in Ausgabe: 05/2019
Seite: 26 bis 27