30 Jahre fest im Griff

Technik Maschinenelemente

Greiftechnik – 1983 war ein besonderes Jahr für die Handhabung, denn damals brachte Schunk den weltweit ersten standardisierten Industriegreifer auf den Markt. Seitdem sind viele Highlights hinzugekommen.

22. Juli 2013

Greifer sind einer der Eckpfeiler für jede automatisierte Fertigung und eine unverzichtbare Komponente vor allem in Roboteranwendungen. Eine Wiege der Greiftechnik liegt in Lauffen am Neckar. Dort sah Heinz-Dieter Schunk, geschäftsführender Gesellschafter von Schunk, 1983 die unbedingte Notwendigkeit, das Greifen komplett zu überdenken.

Bei den gerade aufkommenden Industrierobotern war ihm aufgefallen, wie klobig und schwerfällig die bis dahin stets individuell entwickelten Greifwerkzeuge an Robotern waren. Wegen der notwendigen Pneumatikleitungen gab es teils extreme Störkonturen. »Darum war mir klar, dass der Markt der Roboter und Handhabungssysteme Greifer braucht, die kompakter, leichter, präziser und möglichst auch kostengünstiger sind.«

Aus diesen Erwägungen trat Schunk neben dem Stammgeschäft der Spannlösungen in die Greiftechnik ein. Als Ausgangspunkt für eine 30-jährige Erfolgsgeschichte entstand die völlig neu konzipierte Schunk Industriehand. Heinz-Dieter Schunk erinnert sich: »Unsere Industriehand war ein Meilenstein in der Greiftechnik. Ich bin jetzt noch stolz auf unser Entwicklerteam von damals. Erstmals gab es einen standardisierten Industriegreifer mit integrierten Luftkanälen, der leichter war und deutlich weniger Störkonturen aufwies als alle bis dato am Markt existierenden Lösungen.« Abgestufte Baugrößen ermöglichten den Konstrukteuren schon damals eine gezielte Auslegung und damit besonders effiziente Lösungen.

Heute gelten die robusten, aber sehr präzisen Schunk-Greifer als Synonym für eine prozessstabile und effiziente Montage und Handhabung. Immer wieder hat das Unternehmen neue Impulse gesetzt, zum Beispiel 2000 mit der patentierten Vielzahnführung. Mit ihr konnten Module wie der Universalgreifer PGN-plus sehr kompakt bauen und zugleich schnell und präzise arbeiten.

Sechs Jahre später legte Schunk ein Programm für mobile Greifsysteme auf. Neben mechatronischen Schwenkeinheiten und Leichtbauarmen umfasst dieses auch die industrietaugliche Schunk Dextrous Hand SDH, eine feinfühlige Dreifingerhand, die eine Vielzahl von Greifszenarien ermöglicht und ihre Stärken vor allem in der Servicerobotik ausspielen kann. Aus den drei Fingern sind mittlerweile fünf geworden, und so kommt die neue 5-Finger-Hand in Größe, Form und Beweglichkeit ihrem menschlichen Vorbild verblüffend nahe.

Mechatronische Module

Im Jahr 2008 vereint Schunk im Langhub-Elektrogreifer LEG Leichtbau, Mechatronik und Modularität. 2011 legt das Unternehmen nach und bringt im Rahmen seiner Initiative »Mechatronik3« elektrisch angetriebene Module auf den Markt, darunter den laut Schunk weltweit leistungsdichtesten elektrischen Kleinteilegreifer EGP, den adaptierbaren Großhubgreifer EGA und den intelligenten und feinfühligen Parallelgreifer WSG.

Mit den jüngsten Entwicklungen reagiert Schunk auf den zunehmenden Wunsch der Anwender nach möglichst viel Flexibilität für ihre ganz spezielle und individuelle Anwendung.

Henrik A. Schunk, Sohn von Heinz-Dieter Schunk und seit 2006 ebenfalls geschäftsführender Gesellschafter, fasst zusammen: »Mit unseren mechatronischen Greifern ermöglichen wir völlig neue Anwendungen in der Greiftechnik. Mit ein und demselben Modul lassen sich vielfältige Greifszenarien realisieren. Unmittelbar nacheinander und ohne Umrüstzeiten können die leistungsdichten Module unterschiedlichste Teile handhaben.«

Schunks jüngste Mechatronikmodule sind dabei sehr leistungsdicht und feinfühlig zugleich. Bei jedem Griff werden Fingerposition und Greifkraft ganz individuell an das jeweilige Werkstück angepasst. Die erforderliche Sensorik, die Steuer- und Regelungstechnik sowie ein Webbrowser zur Kommunikation mit der übergeordneten Anlage und mit anderen Anlagenkomponenten sind bereits in die Greifer integriert. Über intuitiv bedienbare Programmieroberflächen kann der Anwender die Module einfach und ohne Installation zusätzlicher Software via Internet in Anlagen einbinden, steuern und warten.

Entwicklungssprünge

Angesichts dieser Flut an Features und der Anpassung an moderne Gegebenheiten und im Vergleich mit der Industriehand von 1983 wird deutlich, welche Entwicklungssprünge die Greiftechnik in den vergangenen 30 Jahren insgesamt gemacht hat: Aus einfachen mechanischen Komponenten wurden intelligente, kraftvolle und hocheffiziente Hightech-Module, die Anwendern flexible und eng miteinander verzahnte Handhabungsprozesse ermöglichen.

Mit über 10.000 Komponenten ist Schunk in der Welt der Greifmodule ein Big Player mit dem nach eigenen Angaben weltweit größten Standardprogramm. Dieses umfasst neben Greifern und Drehmodulen auch Linearachsen, Pick-&-Place-Einheiten und mobile Greifsysteme sowie vielfältiges und kompaktes Roboterzubehör.

Durch die zahlreichen Schnittmengen zum Spanntechnikprogramm können Anwender mit den Modulen von Schunk Synergien aus beiden Bereichen erschließen. mk

- 1983:Schunk Industriehand – erster standardisierter Industriegreifer.

- 2000: PGN-plus als erster Greifer mit patentierter Vielzahnführung.

- 2006: SDH – industrietaugliche 3-Finger-Hand.

- 2008: Langhub-Elektrogreifer LEG.

- 2010: Miniatur-Parallelgreifer MPG-plus.

- 2011: Elektrischer Kleinteilegreifer EGP.

- 2012: 5-Finger-Hand – Größe, Form und Be-weglichkeit nah an der Menschenhand.

- 2013: CGH – Leichtbaugreifer mit CFK-Gehäuse.

Erschienen in Ausgabe: 05/2013