Beim Thema Brücke scheiden sich die Geister der Gitarristen. Denn je nachdem, wie die Brücke den Impuls der Saiten auf das Instrument überträgt, verändert sich ihr individuelles Klangbild. Die einen schwören daher auf Messing, die anderen auf vernickeltes oder vergoldetes Aluminium. Nik Huber Guitars hat auf diesem sonst eher konservativen Markt nun etwas neues gewagt und in Zusammenarbeit mit Heraeus Amloy erstmals eine 3D-gedruckte Brücke aus amorphem Metall verbaut.

Amorphe Metalle entstehen durch das Schockfrosten von geschmolzenem Metall. Die Atome haben dabei keine Gelegenheit, ein kristallines Gitter zu bilden und erstarren ungeordnet (amorph). Das Material ist besonders elastisch, aber gleichzeitig hochfest. »Da amorphe Metalle deutlich elastischer als kristalline Werkstoffe sind, übertragen sie Schwingungen sehr gut«, erklärt Jürgen Wachter, Leiter der Geschäftseinheit Heraeus Amloy.

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»Daher ist das Material für besaitete Instrumente wie Gitarren optimal geeignet.« Neben ihrer Elastizität sind amorphe Metalle außerdem kratzfest und korrosionsbeständig. Im Gegensatz zu herkömmlichen Materialien verschleißt die Brücke aus amorphem Metall deshalb nicht und muss nicht ausgetauscht werden. Außerdem ist sie biokompatibel und damit im Gegensatz zu vernickelten Aluminiumbrücken auch für Allergiker geeignet.

Ungewöhnliche Materialien für besondere Instrumente

Nik Huber, Gründer und Inhaber von Nik Huber Guitars, baut seit 24 Jahren Gitarren, die weltbekannte Bands auf internationalen Bühnen begleiten. Zusammen mit seinem Team arbeitet er ständig daran, seine Produkte und deren Soundeigenschaften zu verbessern.

Dafür probiert er gerne neue Materialien wie besondere Hölzer oder Metalle aus. »Amorphe Metalle aus dem 3D-Drucker sind aufgrund ihrer einzigartigen Eigenschaften ein vielversprechendes Material für den Gitarrenbau«, sagt Huber. »Gerade in unserem konservativen Gitarrenmarkt ist es wichtig, offen zu sein für Weiterentwicklungen aber auch neue Materialien und Techniken.«

Brücke aus dem 3D-Drucker

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Heraeus Amloy hat die amorphe Brücke im 3D-Drucker gefertigt. Sie ist im Gegensatz zu herkömmlichen Brücken nicht massiv, sondern verfügt, wie auch die Regler, über eine bionische Struktur. Der 3D-Druck ermöglicht damit ein breites Feld an neuen Design- und Individualisierungsmöglichkeiten.

Neben der Optik beeinflusst die Wabenstruktur aber auch die Schwingungsdauer der Brücke, denn sie dämpft die Vibrationen weniger als geschlossene, massive Strukturen. Und das verändert die Soundeigenschaften.»Man könnte durch eine Veränderung der Strukturen im Inneren der Brücke auch den Klang anderer Metalle imitieren«, sagt Jürgen Wachter.

»Eine Brücke aus amorphem Metall würde dann zum Beispiel wie eine Brücke aus Messing klingen. Der Unterschied ist, dass sie durch ihre Elastizität den Klang länger hält, sich nicht abnutzt und auch nach Jahren noch wie neu aussieht.«