3Yourmind launcht MES-Software für die Additive Fertigung

Der Berliner Softwareanbieter 3Yourmind hat eine neue Software entwickelt, die die additive Fertigung automatisieren soll. Bei der Entwicklung wurden bereits früh namhafte 3D-Druck-Anbieter eingebunden.

06. Mai 2019

Mit der neuen Produktionssoftware Agile Manufacturing Execution System (MES) will das Start up aus Berlin einen Meilenstein setzen. Die Anwendung, so heißt es, erhöht die Transparenz und beschleunigt den Informationsfluss in der gesamten additiven Fertigung durch eine datengetriebene Produktionsoptimierung. Die Entwicklung der Software erfolgte mit einer neuen Methode, dem Early Access-Programm. Dabei wurden die nach eigenen Angaben größten und erfolgreichsten Namen in der additiven Fertigung eingebunden, um eine sofortige Rückmeldung von der Kundenseite zur Verbesserung im Prozess zu erhalten und zeitintensive Entwicklungsintervalle zu vermeiden. Teilnehmer am Early Access-Programm waren z.B. Voestalpine, Eckhart, EOS und Tenco.

»Unser Programmierteam als auch unsere Kunden haben voller Motivation an diesem Programm mitgemacht. Beiden Seiten war von Anfang an bewusst, dass die Anforderungen direkt in die Praxis einfließen würden. Beide Parteien konnten miteinander einen großen Einfluss auf die Gestaltung der Produktionsanforderungen nehmen«, stellt Daniel Burckhardt, Agile MES Entwicklungsleiter bei 3Yourmind fest.

Die Teilnehmer wurden gezielt ausgewählt. Es galt ein breites Spektrum unterschiedlicher Anwendungsszenarien abzubilden und sicherzustellen, dass 3Yourmind eine universelle Lösung entwickelt. Am Anfang stand die große Vision. Anschließend entstanden Wege für die serielle additive Fertigung. Zum Schluss folgte die Detailarbeit, um die richtigen Bedürfnisse in der täglichen Produktion abzubilden.

Bauteilübergabe birgt die meisten Fehler

Als Einstieg wurden die Kernfunktionen bestimmt, welche auf Anfragen aus der Produktion stammten. Gemeinsam beurteilten die 3Yourmind-Kunden und das Produktteam die vorhandenen Funktionen. Sie bewerteten den potenziellen Nutzen, indem sie die Funktionalität gegenüber der erforderlichen Entwicklungszeit erhöhten. Sehr schnell stellten sie fest, dass die vernetzte Planung von benutzerdefinierten Workflows über die gesamte Nachbearbeitungskette die höchste Priorität hatte. Die »Bauteilübergabe« in der gesamten Produktion war der Ort mit den meisten Fehlern und der größten Komplexität. Eine klare Nachverfolgungsdokumentation bot somit den größtmöglichen Nutzen, die Qualitätskontrolle nachgelagert hinzuzufügen. Die Verbesserung der Erstellung und Zuordnung von Workflows stand im Mittelpunkt der ersten Hälfte des Early-Access-Programms. Mit verschiedenen Eingabemethoden wurde die Genauigkeit der Terminplanung und die Zeitschätzung in zweiwöchigen Entwicklungszyklen getestet. Am Umplanungsmodul wurden Verbesserungen vorgenommen. In diesem Zusammenhang erfuhren die Abgleichauftragsfristen, Maschinenkapazität und Materialauswahl weitere Anpassungen.

Das hohe Niveau der detaillierten Nachverfolgungsdokumentation führte nach eigenen Angaben sofort zu hohen Qualitätsstandards. Gleichzeitig konnte der Zeitaufwand der täglichen Arbeitsplanung reduziert werden. Ein Nebeneffekt: Die Produktionsstätte kann auf dasselbe 3D-Repository zugreifen, welche die Teileanforderungen und die Kommunikation zwischen den Benutzern und den Fertigungsingenieuren organisiert. Denn 3Yourmind stellt bereits einen an die Kundenbestellungen gebundenen digitalen Teilebestand bereit.

Tom Castermans, Gründer und Inhaber von Tenco DDM zeigt sich begeistert: »Das Agile MES bringt uns voran. Wir optimieren unseren Workflow und erzielen eine höhere Maschineneffizienz. Parallel konnten wir unseren Papier-Workflow minimieren: Das System gibt jedem Bediener die Möglichkeit, alle erforderlichen Daten zu überprüfen, die richtigen Schritte in der Nachbearbeitung auszuwählen und sicherzustellen, dass alle Teile auf die richtige Weise fertiggestellt sind«.

Automatisch generierte Listen sparen Zeit

Der nächste Entwicklungsschritt galt der Konnektivität der Maschine, der Dokumentation der Produktionsparameter sowie der Bewertung, damit die Qualitätssicherung im Arbeitsablauf automatisch integriert ist. Diese Anforderung ist insbesondere wichtig für Servicebüros im medizinischen Sektor und Luftfahrtanwendungen. Innerhalb von sechs Wochen wurde in Zusammenarbeit mit den Kunden eine Lösung bereitgestellt und im Feld getestet. Die automatisch generierten Listen sparen zum Zeitpunkt der Planung enorm viel Zeit. Sie helfen vor allem bei der Qualitätssicherung, indem sie eine vordefinierte Dokumentation erstellen, die an die Produktionsauswahl zum Zeitpunkt der Bestellung oder der Zuordnung zu einem benutzerdefinierten Workflow gebunden ist.

»Für Agile Manufacturing muss das Agile MES sowohl Get- als auch Push-Daten von allen großen AM-Maschinen und Nachbearbeitungssystemen erhalten. Wir integrieren bereits die Daten verschiedener Hersteller in unsere Software und erwarten, dass wir alle großen Maschinen unterstützen. Durch den Empfang und die Verarbeitung von Maschinendaten können wir, die für die Qualitätssicherung erforderliche Dokumentation bereitstellen und die Wiederholgenauigkeit der additiven Fertigung erhöhen. Die direkte Weitergabe von Daten an Maschinen ist der Schlüssel zur Automatisierung der Produktion«, ist Stephan Kühr, Geschäftsführer von 3Yourmind fest überzeugt.