50-mal verschleissfester

CAD CAM

3D-Druck – Igus ist über seine Filamente inzwischen sehr intensiv in den 3D-Druck eingestiegen. Näheres berichtet Tom Krause, Produktmanager für das Iglidur Tribo-Filament, der sich bei den Kölnern um diesen zukunftsträchtigen Bereich kümmert.

18. März 2016

Herr Krause, welches Potenzial sieht Igus generell in der 3D-Drucktechnik?

Die additive Fertigung setzt in der Industrie neue Maßstäbe, was die Freiheit in der Konstruktion betrifft, da durch diesen »Schicht-für-Schicht-Aufbau« keine Werkzeuge benötigt werden. Das macht das 3D-Drucken zu einer kostengünstigen Herstellungsmethode und verkürzt den Zeitraum bis zur Produktionsreife. Daher passt der 3D-Druck sehr gut zu dem, was wir mit unserem Leitspruch »plastics for longer life« ausdrücken: nämlich technische Verbesserungen mit Hochleistungskunststoffen zu erzielen und Kosten beim Kunden zu senken.

Das Potenzial des 3D-Drucks wird allerdings erst dann voll ausgeschöpft, wenn ein Umdenken vom bisherigen fertigungsgerechten zum funktionsgerechten Konstruieren stattfindet, beispielsweise indem Baugruppen zu einem Teil vereinigt werden und so Montagearbeiten entfallen.

In welchen Bereichen kann Igus seine Stärken ausspielen, und wo liegen die Grenzen?

Unsere generelle Stärke liegt in schmier- und wartungsfreien Tribo-Kunststoffen für bewegte Anwendungen, das was bei Igus Motion Plastics heißt. In ausgiebigen Tests in unserem 2.750 Quadratmeter großen Testlabor konnten wir zeigen, dass aus unserem Tribo-Filament gedruckte Teile bis zu 50-mal verschleißfester sind als Standard-Materialien für den 3D-Druck und diese es in der Verschleißfestigkeit sogar mit gespritzten Teilen aufnehmen können.

Und diese günstige Eigenschaft ist eben auch die wichtige Abgrenzung zu den Standardmaterialien, die auf dem Markt deutlich günstiger und für viele Applikationen durchaus passend sind. Wenn Reibung und Verschleiß optimiert werden sollen, dann sind Tribo-Werkstoffe unserer Meinung nach eindeutig die bessere Wahl.

Könnte Igus seine Motion-Plastics-Bauteile irgendwann auch in Serie per 3D-Druck herstellen? In welchen Bereichen wäre das sinnvoll? In welchem Rahmen erfolgt die Produktion schon auf diese Weise?

Gerade wenn es um die Herstellung von Prototypen oder Kleinserien aus den Iglidur-Hochleistungspolymeren geht, ist der 3D-Druck bereits heute schon bei Igus im Einsatz. Mit unserem 3D-Druckservice können Kunden in wenigen Klicks solche Verschleißbauteile ganz einfach bestellen: Dazu ziehen sie auf der Internetseite www.igus.de/3DDruckservice die Daten im STL-Format per Drag and Drop ins Browserfenster, legen die verwendete Maßeinheit fest und wählen anschließend das gewünschte Iglidur-Material aus. Nach der Weiterleitung in den Warenkorb haben Benutzer des 3D-Druckservices die Möglichkeit auszuwählen, ob sie die Verschleißbauteile direkt bestellen oder zunächst ein offizielles Angebot anfordern wollen.

Bei Teilen in höheren Stückzahlen ist jedoch in der Regel das Spritzgussverfahren günstiger. Die Entwicklung der 3D-Drucker bleibt jedoch nicht stehen, die Geschwindigkeiten nehmen weiter zu, zum Beispiel durch den Einsatz von mehreren Druckköpfen und Lasern in einem Bauraum oder durch eine Flächenbelichtung anstatt einer punktuellen Belichtung mit einem Laser. Daher werden sich zunehmend auch größere Mengen im 3D-Druck rechnen.

Baut Igus vielleicht auch bald seinen eigenen 3D-Drucker?

Anstatt einen eigenen 3D-Drucker anzubieten, wollen wir Konstrukteuren mit unseren Motion Plastics die Mittel an die Hand geben, ihre eigenen Ideen zu realisieren. Schon heute findet sich in vielen Bauplänen und Bausätzen von 3D-Druckern schmier- und wartungsfreie Komponenten und Technologien von Igus. Sie tragen dazu bei, das Druckergebnis zu optimieren und gleichzeitig die Kosten zu senken.

Zu den meistverwendeten Komponenten in der 3D-Druck-Technik zählen beispielsweise Lineargleitlager und Linearführungen aus dem Drylin-Sortiment sowie Readychain-Energiekettensysteme. Dabei handelt es sich um spezielle maßgeschneiderte und einbaufertige Leitungen für die Bewegung in Energieketten.

Wieviel Aufwand steckt Igus in die Geometrie und Architektur von 3D-gedruckten Bauteilen? Welche Rolle spielen Schlagworte wie Leichtbau oder Nachhaltigkeit?

Der Vorteil 3D-gedruckter Bauteile ist wie bereits gesagt ein hohes Maß an Freiheit in der Konstruktion. Es gibt dabei viele Materialien, die inzwischen im 3D-Druck verwendet werden.

Wenn wir uns dabei auf den Kunststoff fokussieren und hier insbesondere auf die Hochleistungskunststoffe für bewegte Anwendungen, dann sparen diese im Vergleich zu metallischen Lösungen nicht nur Gewicht, sondern auch durch die inkorporierte Schmierung ein hohes Maß an externen Schmiermitteln ein.

Wo sehen Sie die Technologie des 3d-Drucks in fünf Jahren?

Aufgrund des hohen Potenzials wird sich die additive Fertigung schnell weiterentwickeln und die klassischen Herstellungsverfahren bei kleinen Losgrößen in zunehmendem Maße ablösen.

Viel Potenzial steckt auch noch in hybriden Verfahren, bei denen das Bauteil formnah gedruckt wird und dann wichtige Funktionsflächen überarbeitet werden. Auf diese Weise ist es möglich, Bauteile kostengünstig und hochpräzise zu fertigen.

Hintergrund - 3D-Druckservice

- Mit der neuen Bestellseite des 3D-Druckservice von Igus können Kunden ihre gedruckten Kunststoffteile noch einfacher bestellen. Mit nur wenigen Klicks können Anwender CAD-Dateien hochladen, das richtige Material wählen, Preise einsehen und die Produkte gleich auf der Webseite bestellen.

- Zur Hannover Messe 2016 wird das Online-Tool international verfügbar sein, wodurch Anwender auf der ganzen Welt Motion Plastics schnell und kostengünstig geliefert bekommen.

Erschienen in Ausgabe: 02/2016