»Alle Pfade führen zusammen«

Interview

Parker – Wenn man eine Million Produkte im Portfolio hat wie Parker, fallen integrative Lösungen leicht. Wie genau das aussieht, berichten derGeschäftsführer Dr. Gerd Scheffel, zuständig für die gesamte Entwicklung, sowie der Produktmanager Achsregelung Dr. Roland Bublitz.

04. Juni 2013

Meine Herren, in Hannover standen integrierte Lösungen in der Mitte, das wurde auch am Standkonzept deutlich sichtbar. Was bedeutet dies für das Engineering bei Parker?

Scheffel: Wir haben das Exponat in der Mitte unseres Messeauftritts platziert, weil wir bei dieser integrierten Lösung alle Geschäftsbereiche von Parker wie Automatisierung, Antriebstechnik und Hydraulik zusammenbringen. Wir wollen zeigen, dass die vielen Pfade, die ein großer Konzern wie wir beschreitet, sich in einem Punkt wiederfinden können, wir also die Synergie im Hause nutzen – und das immer zum Wohle und im Sinne des Kunden. Das ist unsere Stärke und in der gezeigten Lösung kamen neben der Automatisierungstechnik Hydraulikkomponenten zum Einsatz wie zum Beispiel Axialkolbenpumpen und als Konstantpumpen mit Flügelzellen, auch in Verbindung mit Zylindern und Ventilen.

Also sehen Sie sich als Parker im Markt aufgestellt?

Scheffel: Ich denke, wir sind sehr gut aufgestellt. Mit umfassendem Know-how und einem einzigartigen Netzwerk an kompetenten Handelspartnern und eigenen Stores weltweit steht Parker seinen Kunden in allen Phasen eines Projektes zur Seite und garantiert individuelle und marktgerechte Systemlösungen auf dem höchsten Stand der Technik. Zentrale Anlaufstelle für Kunden in Deutschland ist unsere Vertriebs- und Service-Zentrale in Kaarst, die dafür sorgt, dass Produkte und Expertenwissen für jeden Bedarf umgehend verfügbar sind und der integrative Gedanke greift.

Würden Sie sich denn da auch unter dem Schlagwort Integrated Industry wiederfinden?

Scheffel: Industrie 4.0 ist ein weites Feld, das kann jeder Beteiligte für sich definieren. Was wir tun, ist Komponenten über ein Automatisierungssystem anzusteuern. Der eingesetzte Frequenzumrichter ist über ein entsprechendes Bussystem vernetzt und er bekommt Sollwerte über eine übergeordnete Steuerung. In vielen Fällen geschieht das noch über einen klassischen Feldbus, unsere neuen Steuerungen können das auch schon über Ethernet gewährleisten. Damit kann der Anwender die kompletten Vorteile einer integrierten Lösung nutzen, er kann Teleservices einbeziehen und über das Internet Befehle an die Komponenten geben.

Ein Teil von Industrie 4.0 ist die Simulation von Prozessen. Gibt es das bei Ihnen auch?

Scheffel: Durch unsere Softwaretools kann der Kunde heutzutage im Voraus genau ausrechnen, was er einsparen kann. Er kann das Payback berechnen und überlegen, ob eine solche Lösung passt und ob er investieren will oder nicht. Eine Lösung, wie wir sie in Hannover vorgestellt haben, hat sich meist nach einem Jahr amortisiert. Das Kuriose daran ist, dass der Maschinenhersteller die Innovationen bezahlt und der Betreiber spart. Die beiden Parteien müssen die Kosten dann tauschen.

Ab wann ist der Kunde in die Entwicklung eingebunden?

Scheffel: Wir animieren den Kunden, uns sehr früh in seine Prozesse einzubeziehen. Unsere Ingenieure müssen dessen Maschinenzyklen kennen, das sind die Eingaben, die wir als Parker vom Kunden benötigen. Er kann die Informationen entweder komplett zur Verfügung stellen, oder wir erarbeiten diese auch mit ihm zusammen. Wir haben so schon in der Planungsphase der Anlage die Möglichkeit, unser Know-how einzubringen, und aus den Erkenntnissen und Fakten daraus entwickeln wir aus unserem Baukasten eine maßgeschneiderte Lösung. Sehr oft können wir diese Lösung aber schon mit unseren Standardprodukten bestreiten, denn unsere Baukästen für die verschiedenen Bereiche sind sehr umfassend und vielfältig.

Einer ihrer Baukästen bildetet auch die Grundlage der in Hannover gezeigten integrierten Lösung?

Bublitz: Ja. Im Pumpensektor verfolgen wir nicht nur eine Technologie, wir bieten nicht nur eine Variante einer Pumpenart an. Wir haben vielmehr die Möglichkeit, aus einem sehr großen Baukasten die geeigneten Komponenten für die Applikation des Kunden zu finden. Es gibt nicht die eine Lösung für alle Anwendungen, unser Exponat bezog sich zum Beispiel nur auf den Bereich Pressen, für Kunststoffmaschinen gibt es wieder andere Lösungen, die besser passen, das Gleiche gilt für den Druckgussmarkt. Absolut wichtig ist, immer die Gegebenheiten in der jeweiligen Applikation ganz genau zu analysieren. Dafür haben wir auch eine entsprechende Software entwickelt, mit der der Kunde die exakt passende Komponente aussuchen kann.

In Hannover haben wir den Pressenbereich unseres Baukastens Drive Control Pump Concept präsentiert. Eine solche Lösung ist energetisch noch einmal deutlich günstiger als eine normale drehzahlgeregelte Konstantpumpe. Der Schwerpunkt der integrierten Lösungen von Parker ist auf jeden Fall die Einsparung von Energie, das ist unser Leitmotiv. Zum zweiten wollen wir zeigen, dass sich durch die intelligente Ausnutzung der Komponenten die Investitionskosten reduzieren lassen.

Was für Einsparungen sind mit dem System konkret möglich?

Bublitz: Wenn wir unser integriertes System mit einer klassischen Pumpe vergleichen, die mit einer konstanten Drehzahl dreht, aber schon druckgeregelt ist, sparen wir 44 Prozent Energie ein. Gegenüber einer Lösung mit Konstantpumpe, die momentan im Markt stark propagiert wird, sparen wir durch unsere Lösung mit zwei Pumpen noch einmal 35 Prozent ein.

Parker zeigt, dass es nicht ausreichend ist, einfach nur mit einem Konzept in den Markt zu gehen, sondern dass es wichtig ist, sich immer genau die Anwendung anzuschauen. Besonders, wenn es in einer Anwendung notwendig ist, den Druck zu halten, zum Beispiel um viel Kraft in einer Presse aufzubringen, macht es Sinn, Doppelpumpensysteme einzusetzen.

Was passiert in den einzelnen Phasen ihrer integrierten Pumpenlösung?

Bublitz: Die Besonderheit hier ist, dass wir einen Zyklus halten können, in dem wir über längere Zeit eine Presskraft konstant zur Verfügung stellen. Wir verändern dabei die Drehzahl des Motors und die Geschwindigkeit der Pumpe im aktiven Zyklus. So treten die geringsten Verluste auf. Wird kein Druck oder kein Volumenstrom benötigt, schalten wir den Motor komplett aus.

Eine Nebenachse, die Hilfsfunktionen in der Anlage ausführt, benötigt nicht viel Kraft und viel Ölmenge, darum fahren wir sie mit geringem Druck und relativ geringer Pumpendrehzahl. Gleichzeitig kann der hohe Druck für die Presskraft mit der zweiten Pumpe aufrecht erhalten werden.

Für die Verfahrbewegung des großen Hauptzylinders benötigen wir viel Öl und darum schalten wir die beiden Pumpen zusammen. Der Motor dreht relativ hoch und nach dem Vorgang geht die Drehzahl wieder hinunter. Mit der Parker-Lösung ist das mit einer Pumpe möglich, wir können die Kraft halten ohne zusätzliche Komponenten. Die Ölmenge wird jeweils gezielt zu den Verbrauchern geleitet und diese fahren ein oder aus.

Insgesamt ist die Maschine also intelligent und sie kann sich immer selbst kontrollieren und Zustände melden?

Bublitz: Die Maschinensteuerung legt genau im richtigen Moment fest, wie viel Energie abgegeben wird. Es gibt Regelkreise, die dafür sorgen, dass die einzelnen Komponenten in einer Anlage möglichst effektiv angesteuert werden. Ziel ist, immer im optimalen Arbeitspunkt zu bleiben.

Vitae

Dr.-Ing. Gerd Scheffel

Dr.-Ing. Roland Bublitz

- ist für das Engineering der Parker Hydraulics Group Europa für anwendungsspezifische Lösungen im Industriemarkt zuständig.

-ist bei der Parker Hydraulic Controls Division für geregelte hydraulische Antriebe verantwortlich.

Erschienen in Ausgabe: 04/2013