Alles doppelt

Leitwerke - Müll fällt in unserer Gesellschaft in riesigen Mengen an, und wir wissen nicht wohin damit. Eine umweltfreundliche Art der Verwertung ist die Gewinnung von Energie aus Müll - zum Beispiel im Müllkraftwerk Schwandorf. Dort leistet seit kurzem eine Prozessleittechnik aus Australien ihren Dienst.

08. November 2005

Das Kraftwerk gehört zu den modernsten Anlagen seiner Art. Als jüngste Maßnahme erhielt die Schaltwarte im vergangenen Jahr aktuelle Hard- und Software. Das Bedienen und Beobachten läuft jetzt mit dem PC-basierten Prozessleitsystem CitectScada über Windows XP und die Kommunikation zwischen Citect und den SPS über das OPC-Protokoll. Projektleiter Johann Schießl: „Nach dem ersten Versuch 1995, damals bei der Fernwärmeauskopplung, und positiven Erfahrungen damit haben wir in Schwandorf die Zahl der mit CitectSCADA visualisierten Anlagen kontinuierlich erhöht. Heute werden bei uns zehn speicherprogrammierbare Steuerungen vom Typ S5 und S7 mit der SCADA-Software bedient und beobachtet.“

Es bestand eine generelle Skepsis gegenüber sehr teuren, hoch spezialisierten Kraftwerkleitsystemen. „Mit seinen redundanten Strukturen in fehlertoleranter Architektur wusste CitectSCADA uns aber schnell zu überzeugen“, so Schießl. Das Prinzip, wichtige Komponenten paarweise bereitzuhalten, minimiert die Wirkung von Fehlern. Im Ernstfall erkennt das System ausgefallene Komponenten, schaltet sie ab, rekonfiguriert sich selbst und überträgt die Funktion des ausgefallenen Geräts auf den kongruenten Partner oder andere Elemente mit ähnlicher Arbeitsweise. Das Alarmsystem meldet die Störung unverzüglich weiter, um das System schnell zu reparieren.

Aufgrund seiner Architektur ist das Programm problemlos skalierbar - von der kleinen MMI-Station bis hin zur komplexen Netzwerk-Applikation. Denn die fünf prinzipiellen SCADA-Funktionen - Prozessvisualisierung, Alarmhandling, Trendverarbeitung und SPC, Reportierung, I/O- und Datenbank-Interface - sind innerhalb des Programms als unabhängige Tasks ausgeführt. Die Anwendung ist nicht in einzelne Module aufgeteilt, sondern beinhaltet alle wichtigen SCADA-Funktionen standardmäßig.

Vorteile des offenen Programms

„Neben der individuellen Skalierbarkeit profitierten wir im Müllkraftwerk auch von der Offenheit des Programms, besonders wenn es um mögliche Erweiterungen des bestehenden Konzepts geht“, beschreibt der Projektleiter die Vorteile von CitectSCADA aus seiner Sicht. „So konnten wir die meisten Systemerweiterungen vom ersten Citect-Bedienplatz bis zum heutigen Funktionsumfang selbst realisieren.“

Mit dem Programm lassen sich fast alle Parametrierungen ohne tiefer gehende Programmierkenntnisse eigenhändig durchführen. Spezielle Probleme löst das Team mit Cicode, der Citect-eigenen Programmiersprache. Ihre Funktionen sind speziell auf die Anforderungen eines SCADA-Systems abgestimmt. Für eine einfache Anbindung an Fremdkomponenten und Third-Party-Anwendungen sorgen neben dem mittlerweile etablierten Kommunikationsstandard OPC auch die ActiveX-Technologie; beide Standards werden von Citect unterstützt.

„Mit der Supportunterstützung von Citect sind wir ebenfalls sehr zufrieden. Wann immer wir Hilfe brauchen, erhalten wir kompetente Unterstützung, auch Online, wobei wir uns da allerdings erst an den Online-Support in englischer Sprache gewöhnen mussten“, räumt Schießl ein. Sein Fazit: „Mit der Modernisierung der Hard- und Software erhält unser Leitwerk ein erweiterbares und zukunftssicheres System.“ Für die Herausforderungen der Zukunft sei das Kraftwerk somit bestens gerüstet - zumal CitectSCADA nachweislich auch große Netzwerkanwendungen meistern könne.

Johann Schießl, Müllkraftwerk Schwandorf

Kornelia Kirchner,Citect Software

Erschienen in Ausgabe: 02/2005