Alles drin

Spezial MDA

Integrierte Antriebstechnik – Wenn Motor, Verstärker, Elektronik und Sensoren in einem Gerät vereint sind, wird es dort zwar eng, aber der Anwender genießt viele Vorteile.

27. März 2013

In der Feuerzangenbowle stellt der Professor die Frage: »Wat is"n Dampfmaschin?« Analog könnte man sich das im Zusammenhang mit dem Schlagwort »Integrierte Antriebstechnik« vorstellen. Jan Tausend, Vertriebsleiter DACH beim dänischen Anbieter JVL, würde folgendermaßen darauf antworten: »Letztendlich ist das ein sehr kompaktes Gerät, bei dem Motor, Verstärker, Elektronik, Encoder und Sensoren in einem Gehäuse zusammengefasst sind, sodass der Anwender nur noch verkabeln muss.« Im Fehlerfall tauscht er einfach das komplette System aus und kann sicher sein, dass alles wieder funktioniert.

Dank all der integrierten Elemente kann der Schaltschrank im Unterschied zum Standard-Servosystem wesentlich schlanker ausfallen, lästige Motorzuleitungen zwischen Motor und Verstärker sind beim integrierten System nicht notwendig. »Alles ist gekapselt und das erübrigt jede Art von EMV-Filter«, sagt Tausend. »Und der Anwender braucht keine Klimatisierung, denn der Motor ist irgendwo draußen in der Maschine selbst montiert.« Darum kann er auch eine beliebige Anzahl von Motoren einfach zuschalten, da jeder alle wichtigen Bestandteile mit sich führt. »Er muss nur einmal von Schaltschrank zur Anlage verkabeln.« Durch diese Eigenschaften und die hohe Modularität des Systems wird er sehr flexibel.

Dazu hat JVL ein spezielles Anschlusssystem entwickelt. »Auf der Oberseite ist ein rundes Modul angebracht, das austauschbar ist und verschiedenen Erweiterungsmodulen Patz bietet. Das kann ein sogenanntes Kleinst-SPS-Modul für den Betrieb des Motors als Stand-Alone-System sein, ein D-Sub-Modul, eine Kabelverschraubung oder auch ein M12-Stecker.

Sehr flexibel anzubinden

Zur Kommunikation über unterschiedliche Feldbusse und Industrial Ethernet gibt es Serienmodule. »Unser Industrial Ethernet Modul etwa ist meiner Meinung nach sehr nützlich«, freut sich Jan Tausend. »Der Anwender steckt es einfach an den Servomotor an und dieser ist Ethernet-fähig.« Generell kann der Kunde über die von JVL entwickelte Nano-Funktionalität sehr einfach Parameter regeln und eigene Programme hinterlegen, zum Beispiel für Drücke, Farbstrahlen oder Dosierapplikationen. Er hat trotzdem noch Zugriff von außen und kann gleichzeitig Speicherplatz oder Leistung einer SPS reduzieren und Antriebstechnik dorthin auslagern, wo sie benötigt wird.

Wegen des großen »Anhängsels« ist der integrierte JVL-MAC-Motor für einige Applikationen nicht geeignet. »Für Highspeed Pick & Place etwa würde ich ihn nicht verwenden«, rät Jan Tausend. »Aufgrund des relativ großen und schweren Gehäuses würde er die meist empfindliche Kinematik in solchen Anwendungen beschädigen.« Aber für solche Anwendungen habe JVL den integrierten Servo auch nicht konstruiert. Zur Hannover Messe präsentiert JVL die standardmäßige Integration der bekannten SPS-Funktionalität in die Servomotoren ab 400 Watt aufwärts. »Damit kann der Anwender motor- oder anwendungsspezifische Programmteile direkt im Gerät in Realtime abarbeiten, ohne den Umweg über die SPS«, erklärt Jan Tausend. Außerdem neu ist die Funktion Safety-Top-Off (STO).

Erschienen in Ausgabe: 02/2013