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Spezial MDA

Antriebsregler – Die Inveor-Reihe von Kostal hat sich durchgesetzt und sorgt in vielen Anwendungen für hohe Wirtschaftlichkeit.

27. März 2013

Oft löst im Leben ein bestimmter Slogan sofort bestimmte Assoziationen aus und verbindet sich dauerhaft mit einem Produkt. Kostal Industrie Elektrik ist das mit ihrer Antriebsregler-Plattform Inveor und den Worten »Intelligent verbinden« gelungen. Markus Vetter, Leiter Marketing und Kommunikation: »Dahinter verbergen sich die Menschen, die das Unternehmen tragen, die Werte eines lokal verwurzelten Familienunternehmens, stabile Verbindungen mit unseren Partnern zum gegenseitigen Nutzen, qualitätsoffensives Denken, Zukunftsprogramme und nicht zuletzt ein Markenanspruch, der Ratio und Emotio zusammenbringen will.«

Der Inveor ist aus langjährigen Kundenverbindungen hervorgegangen, als einfache Komponente gestartet, spielt der Systemgedanke eine zunehmend größere Rolle.

Die Geburtsstunde des Inveors ist nicht konkret zu datieren. Laut Thomas Peters, Vertriebsleiter Antriebstechnik, war das Konzept 2007 präsentationsreif. »Wir haben viele Gespräche geführt mit potenziellen Kunden, Ideen weiterentwickelt und haben zu Beginn des Jahres 2010 erste Serienprodukte an unsere Kunden geliefert.«

Der Inveor ist also noch jung, aber schnell im Markt angekommen. Thomas Peters: »Aus unserer Erfahrung wussten wir um die zweischneidige Situation in der Branche. Einerseits gab es viele Anbieter, die große Serien fertigen, aber dadurch starr sind, und daneben die 100-prozentigen Kundenentwicklungen mit ihren hohen Initialkosten.«

Darum ging Kostal den Mittelweg: Der Inveor ist so konzipiert, dass er Synergieeffekte der Großserie nutzt, aber auch flexibel genug ist für kundenspezifische Anpassungen. »Das war von Beginn an unser Konzept und aus heutiger Sicht der richtige Weg.«

Grundsätzlich geht es darum, einen Motor in der Drehzahl zu regeln, und Kostal setzt dabei auf eine dezentrale Ausführung. »Als erste Zielbranche haben wir Pumpen und Lüfter evaluiert. Neue Normen erzeugen hier einen hohen Bedarf nach Drehzahlregelung, zudem herrschen oft widrige Umgebungsbedingungen, die der Inveor dank seines erweiterten Temperaturbereichs und der vibrationsfesten Ausführung spielend bewältigt«, erklärt Thomas Peters.

Auf der Applikationsseite kann der Kunde flexibel auf Anforderungen reagieren, etwa durch eine Soft-SPS, mit der sich eigene Bausteine programmieren lassen. Im Pumpen- und Lüftersektor sieht Thomas Peters einen Bereich, »der unsere Ressourcen gut auslastet«. Kostal strebt aber eine Ausweitung auf weitere Branchen an, vor allem den allgemeinen Maschinenbau.

Klare Fokussierung

»Als wir den Inveor aus der Taufe hoben, habe ich mich gefragt, ob man von einer solchen Plattform überhaupt leben kann«, erzählt Markus Vetter. »Das kann ich jetzt mit einem klaren Ja beantworten. Vielleicht lag das auch an der Road-Map, die wir erstellt haben, um Marktpotenziale vernünftig abzuschöpfen, sowie an der klaren Fokussierung.« Vielen behagt eine solche Einengung auf spezifische Branchen nicht, aber nur so konnten die vorhandenen Ressourcen bestmöglich zum Kundennutzen beitragen.

Eine wichtige Rolle bei der Etablierung im Markt spielen die Applikationsingenieure, denn die Applikation steht bei Kostal im Vordergrund. Thomas Peters: »Hierdurch differenzieren wir uns am Markt, denn so stärken wir unsere Partnerschaften, für die wir uns bewusst entschieden haben. Darum ist in der Regel immer ein Applikationsingenieur dabei, der den Kunden in allen technischen Belangen betreut.«

Dazu gehört auch die Abstimmung des Inveor mit dem vom Kunden gewünschten Motor, meint Produktmanager Thomas Grützmacher: »So können wir den Kunden dabei beraten, ob er für seine Applikation noch einen IE2-Motor plus Antriebsregler oder direkt einen IE3-Motor einsetzt. In beiden Fällen würde der Kunde die IE3-Norm erfüllen, die ab 2015 greift, und da heißt es, zukunftssicher aufzutreten. Mit dem Inveor kann er dabei auch seine IE2-Motorenpalette länger einsetzen und erhält Planungssicherheit bei überschaubarem Preisgefüge.«

Unterstützend wirkt auch der einfache Aufbau mit Leistungs- und Steuerelektronik. Der Inveor bildet zudem Peripheriegeräte wie Motorschütze und kleine Logiken mit ab, der Kunde kann sich diese zusätzlichen Komponenten sparen. Es ist möglich, externe Signale mit einzulesen und diese über ein angeschlossenes Feldbussystem direkt in die übergeordnete Steuerung weiterzugeben. So erhöht sich der Automatisierungsgrad.

Für alle Motoren geeignet

Ganz entscheidend beim Inveor ist die völlige Freiheit bei der Wahl des Motors. »Dank unseres flexiblen Adaptionskonzeptes sind wir da absolut unabhängig«, sagt Thomas Grützmacher, »und dadurch ist der Inveor für eine Vielzahl von Anwendungen geeignet.« Auf diese Weise kann Kostal den Antriebsregler intelligent und energieeffizient mit dem jeweiligen Motor verbinden. Aktuell reicht das Spektrum des Inveors von 0,37 bis 22 Kilowatt. Laut Thomas Grützmacher können nicht viele Anbieter am Markt diesen Leistungsbereich abdecken. Kostal arbeitet grundsätzlich mit einer feldorientierten Regelung für die Pumpen sowie einer intelligenten Flussabsenkung, um den Motor immer im optimalen Wirkungsgrad zu betreiben.

Zur übergreifenden Kommunikation gibt es eine RS485-Schnittstelle, die per USB direkt zu einer PC-Software weiterleitet, über die der Anwender sein Gerät komfortabel parametrieren kann. Darüber hinaus gibt es über die gleiche Schnittstelle ein intuitives Handbediengerät mit Klartextanzeige. »Wir können den Regler optional mit verschiedenen Feldbussystemen bestücken, um ihn in eine Anlage einzubinden«, erklärt Thomas Peters. »Weit verbreitet sind Profibus und CANopen, aber immer wichtiger werden Ethernet-basierte Feldbussysteme. Als erstes haben wir jetzt Ethercat umgesetzt, weitere dieser Kommunikationsmöglichkeiten werden folgen.« Hier verfügt die Inveor-Plattform über vielfältige Optionen, da die Applikationskarte leicht mit Feldbusmodulen bestückte werden kann.

Beim Stichwort Skalierbarkeit verweist Kostal auf ihre Bediensoftware, die bewusst einfach gehalten ist. »Wir haben eine Methode gefunden, die für uns essenziellen Motordaten geschickt zu gruppieren und zwar nach Anwendung«, erklärt Thomas Grützmacher. Zudem stelle der Inveor eine über sämtliche Leistungsklassen hinweg durchgängige Plattform mit nahezu identischer Hardware und Software dar.

Seit Kurzem hat Kostal Industrie Elektrik ihren Inveor um zwei Neuheiten bereichert: Zum einen gibt es jetzt eine Folientastatur, mit der der Kunde Einstellungen direkt am Gerät vornehmen kann. So benötigt er für die Wahl von gewissen Basisparametern, wie etwa der Drehzahl, weder Handbediengerät noch die PC-Software.

Zum anderen umfasst der Antriebsregler jetzt auch eine Flüssigkeitskühlung für Anwendungen in grob verschmutzten Umgebungen. Dadurch können sich die Kühlrippen nicht zusetzen, das ist wichtig zum Beispiel in der Textilindustrie.

- Gründung 1995 durch Helmut Kostal.

- Konzentration auf Leistungen außerhalb des Automobilsektors, mit dem Ziel, Know-how von dort auf andere Märkte zu übertragen.

- Zweites starkes Standbein in der Industrie. Hauptbetätigungsfelder Antriebstechnik und Photovoltaik.

- Derzeit rund 500 Mitarbeiter.

- Neues Werk in Hagen seit Anfang 2013.

Erschienen in Ausgabe: 02/2013