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Branchentreff

Smart monitoring – Viele aktuelle Neuheiten zur Hannover Messe lassen sich ganz griffig unter dem Motto »Smart Monitoring« vereinen. Dabei geht es um Sicherheit genauso wie um intelligente Produktion und vorausschauendes Handeln. Zusammengestellt von Michael Kleine

07. März 2017

Es war nicht zu übersehen: Auf dem Preview zur Hannover Messe gingen gleich mehrere Produkte und Lösungen in Richtung Intelligenz, Diagnose und Überwachung. Bei Aventics steht sogar das eher traditionelle Umfeld der Pneumatik auf dem Prüfstand: Das Unternehmen präsentiert den Smart Pneumatics Monitor (SPM), der vorausschauend Anlagenzustand und Verschleiß erkennt. Ohne Umweg über die Maschinensteuerung sendet er vorverarbeitete Zustandsmeldungen an definierte Mitarbeiter und übergeordnete IT-Systeme. Diese Informationen verringern das Risiko von Maschinenstillstand und senken die Betriebskosten nachhaltig.

»Die Pneumatik erschließt mit der Digitalisierung eine neue Stufe der Produktivität und Wirtschaftlichkeit«, bekräftigt Paul Cleaver, CEO von Aventics. Das beginnt schon bei der Auswahl und der Konfiguration von Komponenten in der Konstruktionsphase. Über die Online-Konfigurationstools von Aventics wählen Anwender auch gleich das passende Zubehör aus.

Der SPM wertet mit eigener Intelligenz Sensorsignale aus und leitet daraus zuverlässig Zustandsinformationen ab. Um etwa den Verschleiß eines Stoßdämpfers zu überwachen, misst das System über die Endschaltersignale den zeitlichen Verlauf der Dämpfung. Spezielle Algorithmen werten diese Daten aus und stellen die daraus gewonnenen Informationen bereit. Zur Inbetriebnahme verknüpfen Anwender auf einer grafischen Oberfläche einfach per Drag & Drop die zu beobachtenden Komponenten.

Durch das Markieren der Kolbenstange mit einem neu entwickelten Strichcode und die Integration eines optoelektronischen Sensors in den Zylinderkopf, ermöglicht der Absolutpositionssensor Intellinder von Parker permanentes Feedback hinsichtlich der Zylinderstellung. Er unterstützt in vielen Anwendungen mit Funktionen wie elektronischer Dämpfung, Lastüberwachung, automatischem Lasthalten oder Positionierung. Das gilt auch für sicherheitskritische Anwendungen. Noch mehr Sicherheit ergibt sich, wenn zwei oder mehr Intellinder-Sensoren im Zylinderkopf integriert werden.

Mit Intellinder ausgerüstete Hydraulikzylinder werden vollständig montiert und getestet ausgeliefert. Sobald der Zylinder installiert und an das Hydrauliksystem angeschlossen ist, kann die Installation schnell und einfach abgeschlossen werden – mittels eines einzigen elektrischen Anschlusses an die Steuereinheit.

Kein Stillstand dank KI

Um Künstliche Intelligenz (KI) geht es bei Bosch Rexroth. Aber damit sind keine fiesen Killer gemeint, sondern Systeme gegen ungeplanten Maschinenstillstand. Schon heute greifen zum Beispiel Handys auf KI zurück. Auch die Industrie erkennt zunehmend dessen Potenzial für Machine Learning. So können durch konkrete Vorhersagen Anlagen punktgenau gewartet werden, bevor die Maschine zum Stillstand kommt. Etablierte Prozesse lassen sich schlanker gestalten.

Die Grundlage heißt immer Daten sammeln. »Doch das allein bringt nichts«, sagt Dr. Steffen Haack, Mitglied des Vorstands bei Bosch Rexroth. »Vielmehr sind die Daten Voraussetzung um wertvolle Informationen zu gewinnen, die Mehrwert schaffen. Das gelingt, indem man Daten intelligent miteinander verknüpft, analysiert und die richtigen Schlussfolgerungen zieht – und das möglichst umfassend und schnell.«

Tobias Gaukstern ist Head of Industrial Analytics bei Weidmüller. »Mit dieser Disziplin können unsere Kunden unter Einsatz von Verfahren der künstlichen Intelligenz einen konkreten Mehrwert aus ihren Daten generieren. Unser plattformunabhängiger Ansatz lässt sich innerhalb nahezu jeder Cloud-Lösung realisieren.«

Es geht immer darum, die vorhandenen Daten noch besser zu nutzen, etwa um Produkte optimaler zu entwickeln, Prozesse zu optimieren oder neue datengetriebene Services auf den Markt zu bringen. Diese Rohdaten müssen letztendlich in geschäftsrelevantes Wissen überführt und unternehmerisch genutzt werden. Ein Mehrwert entsteht erst, wenn die Analyseergebnisse vor dem Hintergrund der konkreten Applikation interpretiert werden und sich geschäftsrelevante Schlüsse ableiten lassen. Dazu bietet Weidmüller das Feature Engineering, also die Identifikation der genannten relevanten Zusammenhänge in den Rohdaten. »Das hört sich einfach an«, sagt Gaukstern, »ist aber ein komplexes Verfahren, in das wir viel Aufwand investiert haben.«

Virtuelles Lernen

Ein immer beliebteres Werkzeug ist die virtuelle Realität (VR). Bei Lenze ist dies alles andere als Computerspielerei, sondern Maschinenbau mit einem virtuellen Zwilling. Das Potenzial liege vor allem darin, immer komplexere Automatisierungszusammenhänge leichter zu beherrschen. Bringen Simulationsverfahren und 3D-Modelle am Bildschirm zwar erste tiefergehende Erkenntnisse für Zusammenhänge, fehlt dabei immer noch der wichtigste Schritt: und zwar das Erleben.

Wenn bei der Projektierung die virtuelle Realität genutzt wird, haben Entwickler die Chance, durch den mit dem Lenze-System erzeugten digitalen Zwilling zu erleben, wie sich veränderte Einstellungen in der VR-Welt ganz real auswirken.

Auf diese Weise lassen sich Programmierungen frei von Risiken testen und optimieren. Lenze sieht hier auch einen deutlichen Gewinn an Sicherheit. Für ein intensives Training der Mitarbeiter lassen sich mit einer VR-Brille komplexe Anwendungen sehr gut und hochauflösend darstellen. Entsprechend einfach und anschaulich lässt sich das realitätsgetreue Lernumfeld erleben.

Mit der Projektstudie Multi-Line-Scanner präsentiert Pepperl + Fuchs einen neuartigen Ansatz bei Laserscannern. Sie arbeitet nicht nur mit einer Laserlinie, sondern mit mehreren parallel. So lässt sich eine Vielzahl von Scan-Anwendungen mit nur einem Gerät effizient und wirtschaftlich lösen.

Der Anwender kann Objekte im Erfassungsbereich beider Scanebenen sicherer detektieren und wertvolle Informationen wie die Winkellage ohne weiteren Sensor gewinnen. Einsatzgebiete sind Lager- und Fördertechnik, Maschinenbau oder Verpackungstechnik.

Erschienen in Ausgabe: 02/2017