Alles im Fluss

Groschopp optimiert seine Getriebefertigung

24. August 2011

One Piece Flow in der Fertigungsorganisation und Kanban in der Bevorratung sind die gängigen Schlagworte, mit denen sich eine neue Strategie bei Groschopp beschreiben lässt. Die Umstrukturierung, die laut Rolf Hinrichsen, Geschäftsführer der Groschopp Vertriebsgesellschaft, dem Unternehmen und den Kunden gleichermaßen nützt, zeigt, dass auch mit kleinen Schritten enorme Effekte zu erzielen sind.

Wie viele Neuerungen wurde auch die in der Getriebefertigung bei Groschopp dadurch angestoßen, dass ein unglücklicher Umstand besonders störend auffiel. Beim Viersener Hersteller von Elektromotoren und Getrieben ergab sich durch die große Variantenvielfalt der Getriebe ein hoher Lagerbestand. Und dies ist nicht nur platz- und kapitalintensiv, sondern meist hat man laut Hinrichsen „dann doch die benötigten Getriebe gerade nicht auf Lager“. Die Lösung, die seit einigen Monaten auf einer neuen Fertigungsfläche praktiziert wird, sieht so aus, dass die einzelnen Bestandteile der Getriebe an den Montageplätzen vorrätig sind und der einzelne Mitarbeiter das Getriebe komplett in der gewünschten Ausführung montiert. Bei den bewährten Schneckengetrieben der Serie VE31 bietet sich diese Vorgehensweise besonders an, da sie modular aufgebaut sind. Die Gehäuse wurden standardisiert, damit sie für alle Ausführungen passen. Mit den Gehäusen und Deckeln wird dann die gewünschte Übersetzung kombiniert, die der Hauptgrund für die große Variantenvielfalt ist. Dass alle nötigen Teile nach dem Kanban-Prinzip der bedarfsgerechten Bevorratung in ausreichender Menge am Platz sind, liegt ebenso wie die Montage in der Verantwortung der einzelnen Mitarbeiter.

Ein Beispiel veranschaulicht die Vorteile dieses Prinzips: Pro Getriebe werden etwa 30 bis 50 g Fett benötigt. Diese Größe taucht in keiner Beschaffungsplanung so auf, sondern das Fett ist in größeren Gebinden vorhanden. Nur die Personen, die das Fett entnehmen, können rechtzeitig reagieren und nachbestellen, sobald neues benötigt wird. Nun befindet sich an jedem Montageplatz bzw. in jeder One-Piece-Flow-Einheit ein Gefäß mit Fett und die Nachbestellung wird an der richtigen Stelle ausgelöst, wenn der Bedarf erkannt wird.

One Piece Flow eignet sich für Produkte, die mit relativ wenigen Fertigungsschritten zu erstellen sind, und von denen es viele Varianten gibt, die teilweise nur in kleinen Losgrößen benötigt werden. Jeder Mitarbeiter kann alle erforderlichen Schritte ausführen und begleitet das Produkt bis zur Übergabe an die nächste Station. Produktionsschwankungen und Variantenumstellungen lassen sich mit dieser Fertigungsorganisation ohne Zeitverluste auffangen. Die klar definierte Verantwortung spiegelt sich in der Produktqualität und in der Produktivität der Fertigung wider. Das Ziel ist eine Verkürzung der Lieferzeit auf wenige Tage für die so produzierten Getriebe.