Alles macht die App!

Trendthema

Apps – Viele Maschinenbauer machen sich Entwicklungen aus dem Entertainment-Sektor zunutze. Apps zum Beispiel gibt es jetzt auch für Fernwartung oder Konfiguration.

13. November 2012

Teenager können nicht mehr ohne sie leben, das Wetter wird über sie verbreitet, Fahrkarten kommen über sie an jedem Ort der Welt aus dem System oder sie simulieren ein Bierglas beim Austrinken: Die Rede ist von so genannten »Applications«, kurz Apps genannt.

Aber Apps verbreiten sich rasend schnell nicht nur in Alltag und Freizeit der Menschen, sie drängen auch mit Macht in die Industrie. Vermehrt kommen Unternehmen aus Maschinenbau und Automatisierung mit solchen Programmen auf den Markt.

Unterstützt wird dieser Trend durch immer leistungsfähige Endgeräte: Moderne Smartphones wie das I-Phone oder Tablet-PCs wie das I-Pad bieten eine ansprechende Darstellung und eine stabile und schnelle Übertragung und arbeiten so viel komfortabler als noch vor wenigen Jahren. Apple als führender Anbieter hat bereits 160 Millionen Geräte unters Volk gebracht, 350.000 Apps liegen derzeit im App-Store zum Download bereit. Und das haben die Nutzer bis jetzt schon mehr als 10 Milliarden Mal getan.

Alles im Auge

Als ein Haupteinsatzgebiet erleichtern Apps die Überwachung von Maschinen und Anlagen. Mit dem mobilen Maschineninformationssystem Variotab von Sitec zum Beispiel hat der Anwender seine Maschinen und Anlagen jederzeit zu 100 Prozent im Blick. Variotab zeigt ihm Betriebszustand, Auslastung, Ausbringung oder Störungen an, und er kann schnell und gezielt reagieren.

Ausschlaggebend für die Entwicklung solcher Apps sind häufig die Wünsche von Instandhaltern, Schichtleitern und Bedienern bei den Kunden. Diese wollen nicht mehr bei jedem Störfall in den Betrieb kommen müssen, und das sogar am Wochenende. Darum suchen sie ein mobiles Überwachungstool für die laufende Produktion.

Das hat auch die Softwareentwickler von Sitec aus Chemnitz inspiriert, und sie haben ein solches Werkzeug geschaffen, das auf Basis kostengünstiger und leicht nachrüstbarer Hardware individuell einzusetzen ist. Dank Variotab lassen sich die Stillstandszeiten von Produktionslinien senken, weil sofort die richtige Person benachrichtigt wird, die den Fehler schnell beheben kann.

Für unterschiedliche Anforderungen bietet Sitec die App in den Varianten Basic und Pro an. Die Basic-Version informiert aktuell über Betriebszustände auch mit Alarmierungsfunktion sowie über Leistung, Effektivität, Qualität und Taktzeit. Weiterführende Informationen wie Messwertverläufe, Qualitätsanalysen, Fehlerbetrachtungen oder auch Kennzahlen stellt Variotab Pro zur Verfügung. Als Betriebssystem für die App hat sich Sitec hat für Android entschieden, auf Wunsch vermittelt der Hersteller sogar das passende Endgerät.

Physisch und digital

Eine Schleife mehr vollzieht der japanische Signalgerätehersteller Patlite. Er hat das Netzwerküberwachungsgerät NHL in Form einer Signalsäule entwickelt, das sich überall im Büro oder in der Privatwohnung aufstellen lässt. Für mehr Mobilität gibt es für das NHL zusätzlich eine App fürs I-Phone, die den Zustand des Gerätes jederzeit anzeigt und über die der Anwender auf Fehlfunktionen reagieren kann.

Eingesetzt als Gerätemonitor überwacht das NHL, ob sämtliche Netzwerkkomponenten verbunden sind. Dazu spricht es fortlaufend bis zu 24 Geräte an und warnt den Administrator mit einem Licht-Ton-Signal, falls eine Antwort ausfällt. Ebenso zeigt der NHL-Turm die von Routern, Druckern oder Switches im Fall einer Fehlfunktion erzeugten Mitteilungen als Licht-Ton-Signal an.

Zudem kann er auch zur Überwachung wichtiger Hintergrundanwendungen dienen. Auf Wunsch verschickt er eine E-Mail mit bis zu acht Ereignissen. Der Anwender kann Titel und Text der Nachrichten für bestimmte Ereignisse im Voraus programmieren.

Ein drittes Beispiel ist das Dokumentationssystem Livedok von Rösberg aus Karlsruhe. Es wurde speziell für die Prozesse und Belange der Betriebsbetreuung entwickelt und unterstützt die Dokumentation einer Anlage von »der Wiege bis zur Bahre«. In der ganz neuen Version arbeitet das System mit allen branchenüblichen ERP- oder Datenmanagementsystemen zusammen. Es bedient sich gezielt aus allen vorhandenen Quellen und eignet sich für den mobilen Zugriff über Apple- und Android-Endgeräte.

Konzipiert als »Real-Time-As-Built-Documentation« stellt Livedok alle Informationen in Echtzeit zur Verfügung; Die Anlagendokumentation entspricht damit dem realen Zustand der gebauten Anlage.

Das System von Rösberg begleitet den kompletten Lebenszyklus der Dokumentation, beginnend bei der Erstellung über die komfortable Benutzung bis hin zur Revision der geänderten Dokumente. Es verarbeitet alle gängigen Formate, kann also Grundrisse, Lagepläne, Verfahrensfließbilder und PLT-Stellenlisten ebenso handhaben wie Bedienvorschriften, Prüfanforderungen und Wartungsanleitungen.

Alle Berechtigten haben jederzeit Zugriff auf die aktuellsten Informationen; Änderungen lassen sich auf diese Weise einfach durchführen und jederzeit nachverfolgen.

Eine ganz andere Aufgabe der Apps kann die Verbreitung von Informationen sein. Für Unternehmen bedeutet das eine willkommene Ausweitung der Vertriebsaktivitäten. Die SKF Economos Deutschland GmbH ist schon vor einem Jahr mit der kostenlosen Dichtungstechnik-App auf den Markt gekommen. Mit ihr, so der Hersteller, kann sich der Anwender erstmals in diesem Sektor mobil und einfach per I-Phone, I-Pod touch und I-Pad sowie Android-Smartphones über maßgeschneiderte Dichtungslösungen, Kunststoffbauteile sowie Zylinderservices informieren.

Die App unterstützt den Anwender darüber hinaus bei der Auswahl von Baugruppen oder auch optimal geeigneter Werkstoffe wie PA, POM, PET oder PEEK, die gefräst, gedreht oder kombiniert realisiert werden können. So gelangt der Interessent schnell zu seinem individuellen Dichtungsprofil, passend zum Einbauraum.

»Unsere Vision lautet: SKF-Wissen bewegt die Welt. Und diese Welt wird immer mobiler«, sagt SKF-Konzernchef Tom Johnstone zu den Vorstößen im App-Bereich. »Wir nutzen daher die aktuellen Technologien, um unseren Kunden und Geschäftspartnern aber auch Studenten unser spezielles Fachwissen gezielt zur Verfügung zu stellen.«

Die Nutzung mobiler Geräte steige rasant und werde für viele Menschen zu einem immer wichtigeren Hilfsmittel. »Durch unsere Apps können unsere Partner schneller genau die Antworten finden, die sie brauchen.«

In die Welt der Ultraschallsensoren eintauchen kann der User mit der neuen App von Microsonic. »Die App stellt detaillierte Sensorinformationen und die jeweiligen Bedienungsanleitungen zur Verfügung und hilft, den passenden Ultraschallsensor für eine bestimmte Anwendung zu finden«, erklärt Vera Hoxha, Marketingleiterin von Microsonic. Dabei hilft die Sensorsuche: Anhand der Kriterien Sensorfamilie, Ausgang, Betriebstastweite, Bauform, Betriebsart und -funktion sowie Spezialausführung sei es nicht schwer, einen Sensor auszuwählen. Um die App zu nutzen, ist keine Internetverbindung nötig.

»Unsere App umfasst den gesamten Produktkatalog von Microsonic einschließlich der Datenblätter und ist übersichtlich in sechs Bereiche gegliedert«, fährt Hoxha fort. »Neben der Sensorsuche gibt es die Sensorfamilien mit den zugehörigen Modellen, Informationen über Microsonic, News, Favoriten und den Bereich Einstellungen.«

Auf einen Blick

Apps im Maschinenbau

-Der große Trend aus dem Alltag hat Einzug in alle Bereiche der Industrie gehalten.

-Apps sind eine elegante Methode, um den Betriebszustand von Maschinen und Anlagen jederzeit zu überwachen – inklusive der sofortigen Alarmierung des Bedieners.

-Mit Apps können Unternehmen zudem auch ihr Angebot übersichtlich und mobil darstellen.

Erschienen in Ausgabe: 08/2012