Alles vernetzt

Trend

Integrated industry – Als Beitrag zur Industrie 4.0 setzt die Hannover Messe auf »Integrated Industry«. Diese zunehmende Vernetzung aller Segmente der Industrie wird sich überall auf der Messe widerspiegeln.

27. März 2013

Schon länger kündigt sich in der industriellen Entwicklung eine neue Revolution an. Sie ist nicht so laut und dramatisch wie andere vor ihr, wird aber grundlegende Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft haben. Die Rede ist von der Vernetzung der verschiedenen Industriedisziplinen durch den Vormarsch des Internets – oder Industrie 4.0, wie es die Bundesregierung getauft hat.

Auf der Hannover Messe findet sich dieser Ansatz im Leitthema »Integrated Industry« wieder. »Maschinen, Anlagen, Werkstücke und Bauteile werden künftig Daten und Informationen in Echtzeit austauschen. Hierdurch wird es in Produktion und Logistik einen Schub für Effizienz, Sicherheit und Ressourcenschonung geben«, sagt dazu Dr. Jochen Köckler, Vorstand der Deutschen Messe AG. Neben der technischen und elektronischen Vernetzung fordere Integrated Industry aber auch alle Teilbereiche der Industrie heraus, unternehmens- und branchenübergreifend zusammenzuarbeiten.

»Es gilt, die Kommunikationswege zu verkürzen und die Zusammenarbeit effizienter zu gestalten. Wie Menschen in Betrieben und darüber hinaus das umsetzen können, ist der erste Baustein der Integration. Unternehmen werden künftig Kooperationen mit anderen Branchen eingehen und damit über den eigenen Tellerrand hinausschauen.«

Dies eröffnet auch Chancen auf wirtschaftliches Wachstum durch Produktivitätssteigerungen. Wie Köckler gehen viele Wirtschaftsexperten davon aus, dass der Grad der Vernetzung der Industrie entscheidender Erfolgsfaktor im internationalen Wettbewerb der Unternehmen und der Volkswirtschaften sein wird.

Die Integration aller Systeme funktioniert nicht ohne den grundlegenden Umbau von Produktionsprozessen. Einiges ist denkbar, klingt aber teils noch sehr nach Zukunftsmusik: Intelligente Werkstoffe teilen Maschinen mit, wie und in welcher Form sie bearbeitet werden wollen.

Das digitale Produktgedächtnis erlaubt eine lückenlose Dokumentation über den gesamten Lebenszyklus eines Bauteils. Wartung oder Instandsetzung werden von den Bauteilen selbst initiiert. Intelligente Komponenten in hochkomplexen Anlagen melden an Monitoring-Systeme selbstständig Fehler und stoßen so in Sekundenschnelle die notwendigen Schritte an, etwa um weitere Schäden in der Anlage zu vermeiden und die Reparatur zu veranlassen.

Ohne das Internet würde die Revolution der Integrated Industry aber ein zaghafter Hauch bleiben. Nur durch die schon jetzt unvorstellbar hohe Anzahl identifizierbarer Maschinen, Werkstücke und Bauteile im World Wide Web besteht eine realistische Grundlage für die flächendeckende Vernetzung. In weniger als zehn Jahren sollen schon mehr als 50 Milliarden Geräte miteinander kommunizieren können.

In der Car-to-Car-Kommunikation etwa gibt es bereits einzelne Produkte, die diese technischen Möglichkeiten ausschöpfen. Dr. Jochen Köckler sieht es aber als großes Thema der Industrie an und als Herausforderung, vor allem an den Schnittstellen der einzelnen industriellen Teildisziplinen flächendeckend eine erhebliche Innovationsdynamik entstehen zu lassen.

Ansätze überall

Direkt sichtbar soll diese Dynamik auf der Hannover Messe 2013 sein. Die Voraussetzungen dazu sind nach Angaben des Veranstalters gut, schließlich sei die Hannover Messe die internationale Plattform für die technischen Lösungen in der Industrie von morgen. »Das Konzept mit elf Leitmessen unter einem Dach bietet Fachbesuchern eine ideale Möglichkeit, sich zu spezifischen Themen der einzelnen Industriebereiche und deren zunehmender Vernetzung untereinander zu informieren. Aufgrund dieser tiefgreifenden Änderungen ist der Besuch der Hannover Messe 2013 für Investoren und Entscheider aus der industriellen Produktion ein Muss«, ergänzt Köckler.

Alle Leitmessen sollen darum Ansätze der Integrated Industry zeigen. Auf der Industrial Automation stehen dabei Embedded Systems und Smart Production im Vordergrund. Intelligente Produktionssysteme, die sogar geografisch verteilt sein können, machen das Leitthema erlebbar. Auf der Motion, Drive & Automation verschmelzen Industrieautomation und Antriebstechnik immer mehr, die Anbieter setzen auf komplette Automationslösungen. Auf der Wind wird gezeigt, wie integrierte Systeme mit moderner Wartung und Steuerung die Energiewende bei Windkraftanlagen meistern. Soll sich die Elektromobilität durchsetzen, ist es geradezu zwingend, dass unterschiedliche Industriebereiche übergreifend zusammenarbeiten – so präsentiert auf der MobiliTec. Am deutlichsten wird das Potenzial von Integrated Industry aber auf der Digital Factory. Dort geht es schwerpunktmäßig um Prozessintegration und interdisziplinäre Produktentwicklung.

Die Integration lebt

Industrial Industry zeigt sich also bereits in Produkten und Lösungen. Abas stellt dazu ein ERP-Bedienkonzept auf Basis ihrer Business Apps vor. Es bereitet Informationen aus verschiedenen internen und externen Quellen logisch auf und stellt sie in einer rollenbasierten Übersicht zur Verfügung. So kann jeder Nutzer von ERP-Software seine eigenen Anforderungen in Bezug auf benötigte Informationen und Funktionen individuell gestalten. Dies geht auch übers Smartphone oder Tablet.

Für MPDV werden Manufacturing-Execution-Systeme auf dem Weg zur Integrated Industry eine zentrale Stellung dabei einnehmen. In Anklang an Industrie 4.0 spricht das Unternehmen darum vom Zukunftskonzept MES 4.0. Ein modularer Aufbau gehört dabei mittlerweile zum Standard. Themen wie Echtzeitfähigkeit, ressourcenübergreifendes Datenhandling, horizontale Integration und Interoperabilität gewinnen an Bedeutung. MES 4.0 unterstützt die moderne Fertigung bei der Produktivitätssteigerung und erhöht damit die Wettbewerbsfähigkeit der Industrieunternehmen.

MPDV agiert aber auch sehr real und präsentiert die neue Maschinenschnittstelle Universal Machine Connectivity for MES (UMCM), mit der sich die meisten Maschinen einfach an ein MES-System anbinden lassen. Der verstärkte Einsatz mobiler MES-Komponenten hilft dabei, Prozesse smarter abzubilden und alltägliche Aufgaben in der Fertigung effizienter zu bewältigen.

Das Messethema zum eigenen Leitthema auf dem Stand erhoben hat die Harting Technologiegruppe. Die Integrated Industry wird in Halle 11 unmittelbar zum Leben erweckt und zwar durch einen live betriebenen Demonstrator für das Thema »Auto-ID Solutions for Integrated Industry«. Dieser Demonstrator stellt ein intelligentes Fabrikationssystem der Zukunft dar und bildet ein Live-Szenario von der Bestellung über die Produktion bis hin zur Auslieferung an den Kunden ab. Dabei werden die aus dem RFID-Transponder ausgelesenen Daten zunächst über die HaVIS-Middleware verdichtet und gefiltert, anschließend über die SAP Auto-ID-Infrastructure weiterverarbeitet und gebucht. Notwendige Folgeaktivitäten werden abgeleitet und an die verbundenen Systeme übermittelt. Dazu liest der Transponder nicht nur Daten aus, es werden auch Daten in ihn zurück geschrieben. So lassen sich Folgeaktivitäten im Materialfluss oder in der Fertigungssteuerung initiieren. »Mit unserer neu gegründeten Gesellschaft, der Harting IT System Integration, bieten wir unseren Kunden Auto-ID-Lösungen aus einer Hand«, erklärt Geschäftsführer Claus Hilger. »Der Hauptfokus liegt dabei auf RFID, für deren Umsetzung abgestimmte Kompetenzen notwendig sind.« Darüber hinaus zeigt Harting eine große Anzahl von Lösungen und Technologien, darunter etliche Neuheiten, die sich reibungslos in integrierte Konzepte einfügen können.

Auf einen Blick

- Vernetzung aller Bereiche der Industrie.

- Neue Arten der Zusammenarbeit zwischen Menschen, Unternehmen und Branchen.

- Das Konzept findet sich in allen elf Leitmessen der HMI in eigener Ausprägung wieder.

- Konkrete Produkte und Lösungen bereits zu sehen.

Erschienen in Ausgabe: 02/2013