»Als Team auftreten«

CAD CAM Interview

Bechtle PLM – Die Bechtle Gruppe verfügt über zwei auf CAD/PDM spezialisierte Unternehmen: SolidLine AG und Solidpro GmbH. Jetzt bündelt Bechtle deren Know-how mit weiteren Kompetenzen zu Bechtle PLM. von Ralf Steck

24. Mai 2012

Herr Ebing, was verbirgt sich hinter Bechtle PLM?

Wir haben nach der Integration in die Bechtle Gruppe die bei Bechtle bereits zuvor vorhandenen Kompetenzen analysiert und schnell gesehen, dass wir viele Berührungspunkte haben. CAD und PDM sind heute idealerweise keine Inseln in der Unternehmens-IT mehr. Vielmehr sind sie eng mit anderen Bereichen verknüpft. Und das stellt naturgemäß hohe Anforderungen an zukunftsfähige Lösungen. Wir haben bei Bechtle ein extrem breites Portfolio an Kompetenzen, beispielsweise in den Bereichen Enterprise Ressource Planning (ERP), Customer Relationship Management (CRM), Business Intelligence (BI), Dokumentenmanagementsysteme (DMS) oder auch im Security-Bereich. Dieses Spektrum haben wir unter dem Namen Bechtle PLM gebündelt und an den Markt gebracht.

Was umfasst Bechtle PLM?

Es geht um ein Beratungs- und Dienstleistungskonzept für den Mittelstand, das eine breite Palette von Software – aber auch Hardware – zu einer PLM-Gesamtlösung verknüpft. Dabei ist uns wichtig, dass dieses Konzept sehr flexibel ist. Wir passen das Angebot den Anforderungen und der aktuellen Situation des Kunden an. Man trifft ja in praktisch keinem Fall mehr auf die berühmte »grüne Wiese« und natürlich tauscht niemand mehr bestehende, gut laufende Werkzeuge aus, nur um eine bestimmte Softwarekombination implementieren zu können. Vielmehr schützen wir die Investitionen der Kunden, indem wir die neuen Komponenten in die vor Ort schon bestehende Softwareumgebung integrieren. Wir decken dabei den gesamten Prozess der Softwareimplementierung ab, von der Prozessanalyse über die Konzeption bis zur Realisierung.

Und welche Typen von Software gehören zum neuen Angebot?

Das Bechtle PLM-Angebot besteht aus drei Säulen. Die erste Säule namens Business umfasst ERP, CRM und BI-Software. Die zweite Säule – Produktentwicklung und -fertigung – beinhaltet Prozesse wie CAx, PDM, Simulation, Design- und Sales-Konfiguratoren sowie Dokumentation. Die dritte Säule, IT-Prozesse, umfasst unterstützende Technologien wie Dokumentenmanagement, Sharepoint, IT Security und Lizenzmanagement. Natürlich bieten wir auch direkte ERP-Integrationen an, beispielsweise zu SAP oder Microsoft Dynamics.

Was bringt die Bechtle Gruppe mit, was sie von anderen Anbietern oder regionalen Systemhäusern unterscheidet?

Zum einen hat Bechtle einen strukturellen Pluspunkt: Die Gruppe besteht aus gut 60 sehr flexiblen, regionalen Systemhäusern, die selbständig am Markt agieren und profitabel sind. Gleichzeitig bieten wir die Stabilität eines Konzerns, der über 5600 Mitarbeiter beschäftigt und im vergangenen Jahr einen Umsatz von zwei Milliarden Euro erzielte.

Zum anderen verfügen die Systemhäuser über hervorragende Kompetenzen vor Ort und bündeln spezielles Know-how zu IT-Themen wie Virtualisierung, Networking Solutions, Mobility oder Datenschutz und Datensicherheit in Competence Centern, die dem gesamten Unternehmen zur Verfügung stehen. Wir können also auch für jedes PLM-Projekt aus dieser Vielzahl von Spezialisten ein Team zusammenstellen, das genau die Kompetenzen mitbringt, die wir im konkreten Fall benötigen. Im Gegensatz zu den etablierten PLM-Anbietern decken wir nicht nur die technische Seite des Prozesses ab, sondern alle Aspekte bis hin zur Hardware. Auch das Thema IT-Sicherheit ist uns wichtig, denn viele Unternehmen verlieren durch Produktpiraterie und Wirtschaftsspionage viel Geld.

Worauf legen Sie den Schwerpunkt bei der Konzeption einer PLM-Lösung?

Eine gute Analogie sind Rohstoffe. Jedes produzierende Unternehmen benötigt Rohstoffe – entweder um sie zu verarbeiten oder als Energielieferant. Das Unternehmen, das am effizientesten mit diesen Rohstoffen umgeht, hat einen klaren Kostenvorteil. Information ist einer der wichtigsten Rohstoffe unserer Zeit. Die Quelle dazu steckt im Unternehmen selbst. Auch dieser Rohstoff muss optimal genutzt und verteilt werden. Wir legen großen Wert auf die enge Verzahnung aller für den Produktlebenszyklus relevanten Systeme, denn sehr oft kommunizieren Mitarbeiter und Abteilungen eines Unternehmens nicht richtig miteinander. Typischer Fall: Die Fertigung stellt erst beim Serienanlauf fest, dass ein Bauteil nicht zu fertigen ist, weil sie erst zu diesem späten Zeitpunkt in den Entwicklungsprozess eingebunden wurde. Wichtig ist uns aber auch die personenneutrale Gestaltung der Prozesse, so dass ein Prozess nicht zum Stillstand kommt, nur weil ein Mitarbeiter im Urlaub ist.

Welche handfesten Vorteile hat der Kunde daraus?

Unter anderem können in einer integrierten, optimal angepassten Entwicklungsumgebung Änderungen noch sehr spät im Prozess durchgeführt werden, ohne hohe Kosten zu verursachen. Das ist oft ein klarer Wettbewerbsvorteil, weil der Produzent seinen Kunden gegenüber bis zum Ende flexibel bleiben kann. Um ein erfolgreiches Produkt auf den Markt zu bringen, muss ein Unternehmen weit vor der Markteinführung die zu diesem Zeitpunkt aktuellen Trends vorausahnen, um keine »altbackenen« Ladenhüter zu produzieren. Instrumente aus dem Bechtle PLM-Portfolio wie Business Intelligence unterstützen solche Prozesse aktiv.

Und was sind Ihre Ziele bei der Kundenberatung?

Wir entwickeln gemeinsam mit den Kunden eine Zukunftsperspektive und eine PLM-Umgebung, die mit den steigenden Anforderungen wächst und damit auch nach Jahren noch modern und aktuell ist. Oft sind Flaschenhälse und Brüche im Prozess dafür verantwortlich, dass Mitarbeiter in große Stresssituationen geraten oder unnötig Überstunden leisten müssen. Wir schaffen durch optimale Prozesse Freiraum für Kernaufgaben und innovative Ideen. So sind die Mitarbeiter und damit das gesamte Unternehmen innovativer und produktiver – und haben dabei weniger Stress.

Herr Ebing, vielen Dank für das Gespräch.

Erschienen in Ausgabe: 04/2012