Am Anfang war die Form

Branchentreff

wfb – Vor der Komponente kommen Form und Werkzeug. Nicht immer sind Konstrukteure in diese Vorgänge eingeweiht, Kenntnis darüber, wie eingesetzte Bauteile entstehen, stärkt aber das Verständnis für die gesamte Anlage. Die neue Messe WFB gibt Einblicke. von Michael Kleine

04. Mai 2012

Konstrukteure sind auf exakte Maße angewiesen. Dabei verlassen sie sich in der Regel auf die Lieferanten der jeweiligen Komponente. Es geht aber auch noch einen Schritt zurück, nämlich zur Form, aus denen die Komponenten entstehen. Hier werden die Grundlagen gelegt für exakte Bauteile, die dann zuverlässig in Maschinen und Anlagen arbeiten.

Mit dem Werkzeug- und Formenbau befasst sich die neue Hanser-Messe WFB am 13. und 14. Juni 2012 in Augsburg. Es ist eine Premiere, auch für Veranstalter Hanser. Projektleiterin Petra Ziegler: »Wir setzen mit dem Konzept der Messe bewusst auf das Interesse der Branche an regionalen Ressourcen. Kurze Wege und räumliche Nähe steigern die Effizienz und beschleunigen viele Abläufe, auch in der Kommunikation. Darum haben wir als Ort das moderne Messezentrum in Augsburg gewählt, weil es zentral im süddeutschen Markt der Werkzeug- und Formenbauer liegt.« Damit liegen die Formen- und Werkzeugbauer mit dem Gros der Komponentenhersteller auf einer Wellenlänge. Auch hier gibt es eine Massierung in Süddeutschland.

Standort und Messekonzept der WFB kommen bei den Ausstellern offensichtlich gut an: Nicht ganz drei Wochen vor Fristende haben bereits mehr als 100 Aussteller ihre Teilnahme gebucht. Petra Ziegler: „Die Messe weckt als Präsentationsplattform das Interesse zahlreicher Unternehmen. Unter den Ausstellern sind namhafte Unternehmen und Global Player der Branche, für die der regionale Charakter der Veranstaltung und das damit verbundene Geschäft vor Ort einen extrem hohen Stellenwert haben. 10.000 Eintrittsgutscheine sind bereits bestellt worden. Diese Resonanz lässt auf einen großen Besucherzustrom schließen.«

Im Mittelpunkt stehen aber die Produkte und Leistungen. Der österreichische Normalienspezialist Meusburger zum Beispiel erweitert sein Produktsortiment um qualitativ hochwertige Zerspanungswerkzeuge. »Wir sehen uns als zuverlässigen Partner für den Werkzeug- und Formenbau und passen Sortiment und Service darum laufend an die Bedürfnisse unserer Kunden an. Diese profitieren von unserer langjährigen Erfahrung in der Bearbeitung von Stahl«, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Guntram Meusburger. Fräser, Bohrer, Gewindewerkzeuge und Reibahlen sind genau auf die Anforderungen der Werkzeugmacher und Formenbauer abgestimmt.

Handfeste Produkte bietet auch Schmelzmetall und zwar aus dem Bereich der Werkstoffe. Deren Hovadur-K-Legierungen sind in Kunststoffformen seit Langem etabliert, die optimale Temperierung des Werkzeugs steht dabei im Mittelpunkt. Eine neue Variante ist jetzt noch leistungsfähiger. Auf diese Weise ist es möglich, Formeinsätze mit konturnaher Kühlung herzustellen. Dank der Hovatop-Beschichtung mit Hartstoffpartikeln sind Werkzeuge viel verschleißärmer. So können sie über den gesamten Lebenszyklus unbeanstandet funktionieren. Unterschiedliche Schichthöhen bis zu 200 Mikrometer an einem Bauteil sind möglich.

Kernkompetenz des Lohnfertigers Fuhrmann ist das Draht- und Startlocherodieren. »Wir überzeugen unsere Kunden durch Qualität, Schnelligkeit und Flexibilität. Mit zehn Drahterodiermaschinen arbeiten wir in drei Schichten, bei Bedarf auch über Nacht«, sagt Firmenchef Michael Fuhrmann. Das Unternehmen aus dem Innviertel verarbeitet Höhen bis 500 Millimeter bei einem Gewicht von bis zu zwei Tonnen, in konischer Bearbeitung bis 50 Grad je Seite oder als Dünndraht ab 0,07 Millimeter Durchmesser. Durch moderne Maschinen in klimatisierter Produktion und qualifizierte Fachkräfte strebt Fuhrmann eine sehr hohe Präzision an.

Ein anderer wichtiger Bereich auf der WFB sind Softwarelösungen. Die Software 3D-CAD/CAM ZW3D zum Beispiel ist laut Distributor Encee etabliert, effizient und kostengünstig und vereint Funktionen für hybrides Modellieren, einen wissensbasierten Formenaufbau und die NC-Programmierung von 2- bis 5-Achs-Maschinen in einer nahtlos integrierten Umgebung. Vor allem KMU sollen durch den geringen Implementationsaufwand profitieren. Der eigene Hybrid-Kernel ermöglicht es, gleichzeitig mit Drahtmodellen, Volumen- und Freiformflächen zu arbeiten. Direktschnittstellen zu allen wichtigen CAD-Systemen sichern den Datenaustausch und fördern die Zusammenarbeit in Lieferketten.

Immer die Ideallinie für Werkzeug, Bauteil und Prozess findet der Anwender mit der Simulationssoftware Varimos von Simcon. Der Konstrukteur kann Werkzeug und Spritzgießprozess systematisch auf Toleranzen, Bombierung oder Zykluszeit hin optimieren. Nur so erreicht er die notwendige Qualität der mit dem Werkzeug hergestellten Produkte. Varimos ist in der Lage, das Spannungsfeld zwischen konkurrierenden Qualitätsmerkmalen und äußeren Einflüssen zu optimieren. Auch sich widersprechende Anforderungen wie kürzere Zykluszeiten bei gleichzeitig optimiertem Verzug sind kein Problem mehr.

Der Werkzeugbauer erhält eine zielgerichtete Vorgabe für die Vorhaltung des Werkzeugs, damit bereits beim Prüfen der ersten Muster die maximale Maßhaltigkeit des Bauteils erreicht wird. Nur so kann eine Anlage reibungslos arbeiten, nur so erhält der Konstrukteur zuverlässige Komponenten.

Auf einen Blick

-Neue Fachmesse für den Werkzeug- und Formenbau vom Verlag Carl Hanser.

-Veranstaltungsort: Messezentrum Augsburg.

-Regionale Ausrichtung auf den süddeutschen Raum als ein Zentrum der Branche.

-Branchenspezifische Ausrichtung entlang der Prozesskette des Werkzeug- und Formenbaus.

-Kostenlose Vorträge und Workshops im Forum PraxisNah zu aktuellen, branchenspezifischen Themen, vorgetragen von Praktikern und Kennern der Branche.

-Öffnungszeiten: 13. Juni 2012: 9:00 bis 18:00 Uhr, 14. Juni 2012: 9:00 bis 17:00 Uhr.

-Tageskarte: 15 Euro, Dauerkarte: 25 Euro.

Erschienen in Ausgabe: 03/2012