»An der Zukunft mitwirken«

Interview

Micro-Epsilon – Die Söhne von Karl Wisspeintner, der Micro-Epsilon zu einem führenden Sensorikhersteller formte, treten jetzt offiziell in das Unternehmen ein. Dr. Thomas und Dr. Alexander Wisspeintner erzählen, was den Ausschlag gab und was sie erreichen möchten.

14. April 2015

An der TU München studierte ich Elektro- und Informationstechnik mit Schwerpunkt Mechatronik. Anschließend konnte ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut IAIS St. Augustin wertvolle Erfahrungen auf dem Gebiet der Elektrotechnik sammeln. Während dieser Zeit promovierte ich an der FU Berlin zum Thema »Autonome Robotik und Sensorik«. Dies alles bildete eine fundierte Basis für meine Aufgaben bei Micro-Epsilon.

Wann fiel der Entschluss, in die Firma, die Ihr Vater über 30 Jahre maßgeblich geprägt hat, einzusteigen?

Schon während meiner Kindheit war das Unternehmen meines Vaters allgegenwärtig. Natürlich war es auch sein großer Wunsch, dass seine Söhne eines Tages in seine Fußstapfen treten. Die endgültige Entscheidung, diese Verantwortung zu übernehmen und das Unternehmen maßgeblich zu lenken und weiterzuentwickeln, traf ich während meines Studiums.

Wie möchten Sie Micro-Epsilon voranbringen?

Das Alleinstellungsmerkmal von Micro-Epsilon ist sicherlich die technologische Vielfalt. Das Unternehmen bietet ein großes Spektrum an präzisen Sensoren, das in seiner Breite und Tiefe einzigartig ist. Durch die Konstellation in der Unternehmensgruppe bieten sich Kompetenzen und Kapazitäten, mit denen wir den Anforderungen der fortschreitenden Internationalisierung gerecht werden.

So wollen wir unsere Produkte und das Applikations-Know-how noch schneller ins Ausland bringen, was wir zum Beispiel in unseren neu gegründeten Tochterunternehmen in Schweden und Indien umsetzen.

Wie präsentiert sich Micro-Epsilon generell auf dem Markt?

Mehr Präzision – das ist unser Slogan und beschreibt unser Produktprogramm, das präzise Sensoren und Messsysteme umfasst. Wir bieten die beste Lösung aus einer Vielzahl an Messverfahren aus einer Hand. Unsere Kunden haben die Möglichkeit, aus einem umfangreichen Katalog-Portfolio zu wählen oder auf spezifisch entwickelte Sensorlösungen zurückzugreifen.

Diese Lösungskompetenz konnten wir in zahlreichen Branchen beweisen, sowohl im Einzelstück als auch in Großserien.

Wo sehen Sie die Schwerpunkte in der Entwicklung des Micro-Epsilon Produktportfolios?

Innovationen und Weiterentwicklungen sind seit jeher ein elementarer Bestandteil unserer Unternehmensstrategie.

Im Fokus stehen dabei Smart-Sensor-Konzepte: Miniaturisierung, Intelligenz, Schnittstellen-Standards, Langlebigkeit und Benutzerfreundlichkeit, wobei die hohe Messgenauigkeit immer im Vordergrund steht. So sind unsere Sensoren schon seit langer Zeit »Industrie-4.0-kompatibel«.

Wie sind die Pläne für die Internationalisierung?

Internationalisierung bedeutet für uns, unser Know-how aus den Bereichen Applikation, Branche und Messtechnik in unsere Zielmärkte zu transferieren. Wir wollen dem Kunden vor Ort eine qualitativ hochwertige Beratung ermöglichen.

Jüngst waren Sie persönlich bei der Eröffnung der indischen Niederlassung dabei. Warum das Engagement in diesem Land?

Indien ist ein sehr heterogenes Land mit zahlreichen Herausforderungen – von Bürokratie über die Infrastruktur bis hin zur Größe des Landes. Seit der Wahl des neuen Präsidenten ist nun eine Aufbruchstimmung im Land zu spüren.

Durch die steigende Exportorientierung Indiens nimmt auch der Automationsgrad in der Fertigung zu. Dadurch wachsen die Anforderungen an eine gesteigerte Fertigungsqualität, die mit präziser Messtechnik überwacht werden muss.

Dr. Alexander Wisspeintner, wie verlief Ihre berufliche Laufbahn? Was war dabei der Auslöser für Ihre persönliche Ausrichtung?

Computer haben mich bereits als Kind interessiert, schon während meiner Schulzeit habe ich als Ferienarbeit kleinere Softwareprogramme entwickelt. Nach dem Informatik-Studium an der TU München habe ich bei Professor Broy im Bereich Softwareengineering promoviert. Anschließend war ich bei Micro-Epsilon im Bereich Softwareentwicklung tätig und habe später die Leitung des Bereichs IT und Softwareentwicklung bei Micro-Epsilon übernommen.

Wann fiel der Entschluss, in die Firma, die Ihr Vater über 30 Jahre maßgeblich geprägt hat, einzusteigen?

Die Entscheidung habe ich erst mit Abschluss der Promotion getroffen. Zum damaligen Zeitpunkt kannte ich sowohl die Universität als auch Micro-Epsilon sehr gut.

Darüber hinaus gab es auch einige interessante Angebote von anderen Unternehmen in München. Ausschlaggebend für die Entscheidung zugunsten von Micro-Epsilon waren die Verantwortung und der große Gestaltungsspielraum.

Wie möchten Sie Micro-Epsilon voranbringen?

Ich setze mich für eine noch engere Zusammenarbeit innerhalb der Unternehmensgruppe ein. Der persönliche Kontakt ist hier sehr wichtig, gleichzeitig kann Software die Zusammenarbeit vereinfachen und unterstützen. Wir werden unser ERP-System noch wesentlich stärker auf Prozesse in der Firmengruppe ausrichten.

Des Weiteren steigt die Komplexität der Sensoren und Anwendungen. Gleichzeitig muss die Benutzung einfach sein. Hier möchte ich mit funktionaler Software zur benutzerfreundlichen Bedienung und Auswertung einen zentralen Beitrag leisten.

Die Micro-Epsilon-Gruppe wächst. Welche Herausforderungen bringt dieses Wachstum mit sich? Welche Vorteile sehen Sie bei dieser Entwicklung in einem Familienunternehmen?

Durch das Wachstum der Unternehmensgruppe wird die Kommunikation untereinander immer wichtiger. Hier haben wir den Vorteil, dass bei uns nach wie vor die Hierarchien flach und die Kommunikationswege kurz sind. Aufgrund der engen Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen ist die Personalfluktuation sehr gering. Dies erlaubt uns, das Wissen im Unternehmen in einem hohen Maß zu kumulieren.

Mit welchen Maßnahmen erreichen Sie größtmögliche Synergie- und Effizienzeffekte in der Gruppe?

Wir erreichen in der Unternehmensgruppe sowohl in der Entwicklung als auch bei der Fertigung eine sehr hohe Tiefe, das heißt viele verbaute Komponenten sind nicht extern zugekauft, sondern innerhalb der Unternehmensgruppe entwickelt und gefertigt und somit optimal auf das Produkt abgestimmt. Hierbei werden die unterschiedlichen Kompetenzen der verschiedenen Gruppenmitglieder bestmöglich eingebracht.

Wie stellen Sie sicher, dass der Bereich Software mit den Anforderungen der modernen Sensorik und Messtechnik mitwächst? Welche Zukunftstrends sehen Sie im Bereich der Sensorik-Software?

In der Softwareentwicklung wird häufig aufgrund der schnellen Realisierbarkeit und Änderbarkeit deren Komplexität übersehen. Letztendlich hat diese Komplexität aber maßgebliche Auswirkungen auf die erforderlichen Entwicklungsressourcen, und diese stellen wir zur Verfügung. Ein großer Anteil unserer Entwickler ist heute bereits Informatiker.

In der Informatik haben wir viel Know-how, sowohl im Bereich des klassischen Software Engineering als auch in den für uns wichtigen Spezialgebieten Messdatenverarbeitung sowie 2D- und 3D-Bildverarbeitung und der softwareseitigen Integration von Sensorik in Systeme und Anlagen. Wir investieren in eine eigene Softwareentwicklungsplattform, um effiziente Lösungen für unsere Kunden entwickeln zu können.

Bei unseren Sensoren und Messsystemen wächst der Anteil der Software stetig. So integrieren wir heute in viele Sensorprodukte Web-Anwendungen zur Parametrierung und Messung, die durch eine einfache Bedienung bei gleichzeitig hoher Funktionalität überzeugen.

Für die Zukunft sehe ich einen Trend zur noch stärkeren Vernetzung der Sensorinformationen. Hier bieten wir bereits heute Kommunikationsschnittstellen der Sensoren zu den im Markt gängigen Netzwerk- und Bussystemen.

Stichwort Industrie 4.0: Inwieweit sehen Sie Ihr Unternehmen in diesem Bereich involviert?

Innerhalb der Industrie 4.0 wird der Sensorik eine Schlüsselrolle zuteil. Damit automatisierte Fertigungsabläufe mit hoher Qualität durchgeführt werden können, werden genau die Sensoren benötigt, die wir anbieten können.

Da wir bei unseren Produkten seit Langem auf Faktoren wie Integrierbarkeit, Intelligenz und Schnittstellenvielfalt setzen, sehen wir uns bestens für Industrie 4.0 gerüstet.

Auf einen Blick

Micro-Epsilon

- Mittelständisches familiengeführtes Unternehmen auf dem Gebiet der Sensorik und Messtechnik.

- Seit mehr als 40 Jahren hochwertige Produkte und Lösungen, wenn es um präzises Messen und Prüfen geht.

- Das Portfolio erstreckt sich von Sensoren zur Weg- und Abstandsmessung über die IR-Temperaturmessung und Farberkennung bis hin zu Systemen zur dimensionellen Messung und Defekterkennung.

- Micro-Epsilon steckt nach eigenen Angaben einen überdurchschnittlichen Anteil in die Entwicklung, besitzt ein hohes Maß an Know-how in seinem Bereich und verfügt über ein breites Netz an Kooperationen.

- Kunden als Partner, um ihnen einen Wettbewerbsvorsprung zu sichern.

- Produkte anbieten, die dem Wettbewerb voraus sind.

- Alles getreu dem Unternehmensmotto: Mehr Präzision.

Erschienen in Ausgabe: 03/2015