Antrieb mit Bodenfreiheit

Antriebstechnik

Systempartnerschaft – Ein Hersteller von Hebe- und Kipp-Geräten verlässt sich bei den Laufradsystemen auf seinen Lieferanten. Der bietet Beratung zu den Produkten und Unterstützung bei der Konstruktion.

06. Juli 2009

Ein anerkannter Spezialist für die Hebe- und Kipptechnik ist seit Jahrzehnten die Dieterle GmbH im münsterländischen Dülmen. Der ehemalige Werkstattlohnbetrieb für Auftragsreparaturen und Instandhaltung ist heute ein erfolgreicher produzierender Dienstleister, dessen Hebe- und Kipp-Geräte weltweit im Einsatz sind. Die Geräte der Marke »Mucki« finden überall dort Anwendung, wo Schüttgüter transportiert, gehoben, gekippt, dosiert und umgefüllt werden – ganz gleich, ob es sich um Kleinteile aus Kunststoff oder Eisen, Bau- und Rohstoffe oder pulverförmige Güter handelt. Seit ihrer Markteinführung in den 1960er-Jahren sind heute weltweit mehr als 8.000 dieser Geräte im Einsatz. Insgesamt umfasst das Produktprogramm vier verschiedene Baureihen, deren spezifische technologische Auslegung der Hersteller entsprechend dem jeweiligen Einsatzfall bestimmt. Berücksichtigt werden dabei die Anforderungen, wie sie etwa die Chemie-, Stahl-, Automobil- und Nahrungsmittelindustrie stellen, aber auch Drehereien und Gießereien sowie Unternehmen der Oberflächenbearbeitung.

Die für die Fahreinheiten erforderlichen Laufradsysteme stammen heute jedoch nicht mehr aus eigener Fertigung. Stattdessen kaufen die Handhabungsspezialisten aus Westfalen diese Komponenten inzwischen aus einer Hand zu und reduzieren so signifikant den Aufwand in Produktion und Verwaltung. Zum Einsatz kommen da-bei die einbaufertigen Laufradsysteme der Baureihe LRS des Krantechnikspezialisten Demag Cranes & Components aus Wetter an der Ruhr, die sich ohne großen Aufwand in die Fahrwagen integrieren lassen. Diese Komponentenlösung aus dem Baukastensystem ist damit ein gutes Beispiel dafür, dass Standardisierung und Individualisierung einander nicht ausschließen müssen.

Freiheit beim Einbau

Entscheidend für Dieterle ist zudem die große Bodenfreiheit der Antriebe, die sich damit vor allem bei ebenerdigen, schienengebundenen Fahreinheiten mühelos einbauen lassen. Optimal geeignet sind die Laufradsysteme vor allem für vergleichsweise leichte Fahrzeuge im unteren Traglastbereich, indem Antrieb und Getriebe über das systemeigene Steckwellensystem und eine abgestimmte Drehmomentstütze an das LRS-System angebaut wird.

Für eine drehbare Kippeinheit, die für die Bestückung eines Mischers mit Granulat zum Einsatz kommt, nutzt Dieterle zum Beispiel das Demag-Laufradsystem LRS200B mit Flachgetriebe-Bremsmotor. Der Antrieb besteht aus einem polumschaltbaren Fahrmotor mit Schwungmasseantrieb, der ein sanftes Beschleunigen und Abbremsen gewährleistet, sowie dem Flachgetriebe. Das zu verfahrende Gesamtgewicht beträgt eine Tonne, die Fahrgeschwindigkeit acht Meter pro Minute.

Umrichter auf Wunsch

Die Kipp- bzw. Fahreinheit wird über einen Drehkranz geführt und verfährt auf einem vorgegebenen Radius in zwei Richtungen. Für Zuführung und Abgabe verwendet Dieterle zwei spurkranzlose angetriebene Räder, die über einen zentralen Drehkranz geführt werden. In der Regel lässt sich diese Lösung mit Zentralantrieben realisieren, weil die Geschwindigkeit maximal zehn Meter pro Minute beträgt. Optional verwendet das Unternehmen jedoch auch Lösungen mit Frequenzumrichter, insbesondere dann, wenn ein besonders sanfter Anlauf der Fahrwagen gewünscht wird.

Fahreinheiten von Demag Cranes & Components nutzen die Münsterländer auch bei den in zwei Richtungen verfahrenden Hebe-Kipp-Geräten der Baureihe MD mit zentralem Kettenantrieb. Dessen zentrales Element ist ein schienengebundener Wagen mit vier Rädern mit beidseitigem Spurkranz, der bei Traglasten bis 3.000 Kilogramm eine Fahrgeschwindigkeit bis neun Meter pro Minute erreicht. Dieses Hebe-Kipp-Gerät ist eine komplette Anlagenlösung zur Beschickung eines Aluminiumofens einschließlich einer integrierten Wartungsbühne sowie Lichtgittervorhängen.

Integrierte Drehmomentstütze

Wie im Fall der LRS 200 B besteht der Antrieb aus einem ZBF-Fahrmotor sowie einem kompakt angebauten Flachgetriebe, das eine hohe Bodenfreiheit sicherstellt. Eine Steckwelle verbindet das Laufrad und das Getriebe mit der entsprechenden Vielkeilverzahnung. Die Gestaltung der Drehmomentstütze stellt sicher, dass das Torsionsantriebsmoment ohne radial wirkende Kräfte vom Getriebe auf das Laufrollensystem übertragen werden kann.

Entwickelt wurden Lösungen als Gemeinschaftsprodukt beider Unternehmen. So lieferte der Antriebstechnikspezialist in bei-den Anwendungsfällen die Auslegung und Dimensionierung der Komponenten als CAD-Modell an den Anlagenbauer im Münsterland, der die 2D- und 3D-Ansichten der benötigten Radblöcke und Getriebemotoren über die internetbasierte Lösung »DriveDesigner« in seine Konstruktion integrierte. Dieses Visualisierungskonzept ermöglicht es, bereits im Vorfeld mögliche Unstimmigkeiten in der Konstruktion und Störkanten im Bewegungsablauf zu erkennen. Die individuelle Zusammenstellung der geeigneten Rad- und Antriebslösungen für Fahranwendungen aus dem serienmäßig gefertigten Baukasten gewährleistet zudem eine gleichbleibend hohe Qualität der Komponenten.

Christoph Kreutzenbeck, Demag Cranes/bt

Erschienen in Ausgabe: 04/2009