AR-Brillen für Endkunden rücken näher

Schott ist es gelungen, größere Wafer zu produzieren, aus denen sich bis zu viermal so viele Waveguides bei vergleichbarem Aufwand gewinnen lassen. Damit könnten AR-Brillen in Zukunft deutlich günstiger werden.

20. September 2019
AR-Brillen für Endkunden rücken näher
Die Light Guide-Technologie ermöglicht eine immer nahtlosere Vermischung digitaler und realer Inhalte in Augmented und Mixed Reality. (Bild: Schott)

Hardware für Augmented Reality (AR) und Mixed Reality (MR) ist aktuell in aller Munde, hat aber wegen der hohen Anschaffungskosten noch nicht den Weg in die breite Anwendung bei privaten Konsumenten gefunden. Hochentwickelte Datenbrillen wie Microsoft Hololens oder Magicleap One sind zwar am Markt verfügbar, aber noch nicht wirklich von Interesse für Privatanwender. Das soll sich ändern. – und SCHOTT will dabei helfen dieses Ziel zu erreichen.

Der Glas-Spezialist zeigte auf der diesjährigen China International Optoelectronic Exposition (CIOE) erstmals 300 mm große Glaswafer mit in Fotolack geprägten Nanostrukturen. Aus solchen strukturierten Wafern produzieren die Hersteller ‚Brillengläser‘ mit so genannten Waveguides, die später in den Datenbrillen verbaut werden und darin als Display agieren.

Lesen Sie hier, wie die so genannte Light Guide-Technologie funktioniert. Der Clou: Im Vergleich zu heutigen Standard-Wafern mit 150 oder 200 mm Durchmesser lassen sich aus den größeren Wafern praktisch bis zu viermal so viele Waveguides bei vergleichbaren Prozessschritten gewinnen. Das senkt die Kosten für Hardware-Innovatoren deutlich und macht es möglich, Augmented-Reality-Brillen in der Zukunft zu einem attraktiveren Preis anzubieten.

Da die Wafer besonders präzise gearbeitet und strukturiert sein müssen, um später ein scharfes Bild zu erzeugen, war die Herstellung größerer Wafer bislang eine Herausforderung für die Spezialglasbranche. Dies liegt einerseits daran, dass die Prozesse in der Herstellung des optischen Glases nicht auf solche Größen ausgelegt waren, und andererseits daran, dass für die Erzeugung der Strukturen auf den Wafern per Nanopräge-Lithografie bisher keine Maschinen für die Hochvolumenproduktion auf 300 mm Basis zur Verfügung standen. Schott hat in diesem Projekt erfolgreich mit der EV Group (EVG) zusammengearbeitet, einem Anbieter von Präzisionsanlagen und Prozesslösungen zur Waferbearbeitung in der Halbleiterindustrie, Mikrosystemtechnik und Nanotechnologie. Der Anbieter bedient dabei die gesamte Wertschöpfungskette vom Rohglas zum 300 mm Wafer, auf den Spezialanlagen von EVG werden im Anschluss die Nanostrukturen auf den Wafern erzeugt. Schott ist nach eigenen Angaben der erste Hersteller von High-Index Glaswafern, dessen 300-mm-Substrate bereits bei Kunden und Partnern prozessiert werden.