Asche auf ihr Haupt

Unterm Strich war die Hannover Messe wieder ein Riesenerfolg. Jedenfalls aus Sicht der Messegesellschaft.

27. Mai 2010

Die »Krisen-Messe« des vergangenen Jahres lässt sich zum Vergleich schwerlich heranziehen. Aber viele Aussteller haben – nach offiziellen Angaben – wieder so positive Bilanzen ziehen können wie zuletzt 2008. Allerdings sind im Vergleich zum vorletzten Jahr die Besucherzahlen um bis zu 20 Prozent zurückgegangen.

Daran jedoch sei der eingeschränkte Flugverkehr schuld. Diesmal nun also eine Vulkan-Messe. Natürlich will niemand bestreiten, dass der Vulkanausbruch einen verheerenden Einfluss gehabt hat. Was aber keinem entgangen sein dürfte, der mit offenen Augen durch die Hallen gegangen ist, waren die riesigen abgeteilten Leerflächen und die überbreiten Gänge.

Der Geschäftsführer eines großen mittelständischen Unternehmens erklärte mir, ihm käme die Hannover Messe in den vergangenen Jahren vor wie eine Party, auf der sich niemand traut, als erstes zu gehen. Dieses Bild scheint treffend, obwohl sich offensichtlich schon eine ganze Reihe wichtiger Aussteller, die noch vor wenigen Jahren mit großen Auftritten präsent waren, im Stillen verdrückt haben.

Für diese Unternehmen ist offenbar nicht mehr ersichtlich, welche Vorteile ihnen die HMI bringen soll. Ich habe in der letzten Ausgabe an dieser Stelle bereits beschrieben, was die Messe einmal bedeutet hat und was sie auch heute bedeuten könnte. Alles, was ich von den Verantwortlichen erwarte, ist keine Vision, sondern eine Strategie.

Um beim Bild der Party zu bleiben: Zu einem gelungenen Fest gehören eine umfassende Planung, ein gutes Programm, entgegenkommende Einladungen und eine vernünftige Terminplanung. Es scheint aber schon bei den Einladungen zu hapern. Wäre es nicht möglich, Aussteller mit kulanten Angeboten dazu zu bewegen, wieder große Maschinen auf dem Freigelände zu präsentieren? Konzeptionell: Wo bleibt der Anspruch, die Messe wieder zu einem Spitzenevent zu machen, auf dem niemand fehlen möchte? Und die Terminplanung: Ist es wirklich ein Ding der Unmöglichkeit, sich mit den Veranstaltern der Bauma so zu koordinieren, dass diese beiden wichtigen Industriemessen nicht zeitgleich stattfinden?

Aber vielleicht beginnt eine Planung, die diesen Namen verdient hat, erst noch mit dem weiteren Schrumpfen der Aussteller- und Besucherzahlen. Hoffentlich nicht erst dann, wenn nur noch ein paar kleine Schalterhersteller ausstellen, mit deren Produkten dann der Letzte das Licht ausmachen kann.

Erschienen in Ausgabe: 03/2010