Auf dem »Trak«

Automatisierung – Auf Basis seines neuen Transportsystems AcoposTrak setzt B&R zu einer Erfolgsgeschichte an, die die Fertigung bis Losgröße 1 revolutionieren soll – auch in Serie.

12. Februar 2019
Auf dem »Trak«
»Mit dem AcoposTrak wollen wir unseren Kunden eine sehr wirtschaftliche Lösung für die Fertigung in Losgröße 1 bieten«, sagt Markus Sandhöfner, Geschäftsführer von B&R Deutschland. (Bild: B&R)

von Michael Kleine

Wenn man in Unternehmen nach den bedeutenden Trends und Entwicklungen im Bereich der Industrie 4.0 und digitalen Fertigung für die nahe Zukunft fragt, steht meist ein konkretes Produkt im Vordergrund. Bei B&R ist das zweifellos das neue AcoposTrak.

»Der Start der Entwicklung liegt schon Jahre zurück, aber offiziell beginnt die Geschichte unserer neuen flexiblen Transportlösung mit Hochgeschwindigkeitsweiche mit der Vorstellung auf der SPS IPC Drives 2017«, erzählt Markus Sandhöfner, Geschäftsführer B&R Deutschland. »Diese gibt Konstrukteuren moderner Maschinen viele Möglichkeiten für eine flexible Gestaltung in Richtung Losgröße 1. Das war damals ein erstes Konzept, das wir auf den Markt gebracht haben, ein Prototyp.«

Aber die Geschichte ist seitdem weitergegangen. »Das gesamte Jahr 2018 hindurch haben wir mit Kunden zusammen in ganz konkreten Projektgesprächen, ersten Umsetzungen, Maschinenprototypen sowie Projektstudien zusammengearbeitet«, freut sich Sandhöfner. »Und wir sprechen über konkrete Lösungen, wie auf der einen Seite die benötigten immer kleineren Losgrößen wirtschaftlich gefertigt werden können.«

Dabei habe B&R festgestellt, dass oft ein komplettes Auseinandernehmen der Maschine und Zerlegen in Prozesse notwendig ist, um die Anforderungen, die von den Konsumenten über die Endkunden an die Maschinen herangetragen werden, richtig umsetzen zu können. »Und da ist es uns gelungen, mit sehr, sehr vielen Zielkunden in Kontakt zu kommen, die wir vorher Jahrzehnte lang versucht haben für B&R zu gewinnen. Mit der richtigen Technologie und dank der gesteigerten Nachfrage können wir Lösungen präsentieren, die hoch attraktiv sind.«

»Wir haben eine sehr attraktive Technologie geschaffen.«

— Markus Sandhöfner, GF B&R Deutschland

Einzigartige Lösung

Dabei sieht der Geschäftsführer B&R als einzigen Anbieter in der Automatisierung, der eine so hohe Flexibilität und Dynamik bieten kann, wie es mit Acopos Trak möglich ist. »Wir haben eine hochattraktive Top-Technologie geschaffen. Mit den Anstrengungen in der Vergangenheit können wir jetzt die Früchte der Zukunft ernten.«

Dank der Hochgeschwindigkeitsweiche ließen sich Prozesse wirklich flexibel und in Losgröße 1 umsetzen. »Sie ist in der Lage, nicht nur Maschinentransporte zwischen Maschinen oder innerhalb der Maschine zu verwirklichen, sondern diese auch zu verbinden. Es ergibt sich so ein einzigartiges Gesamtmaschinenkonzept.«

Über ein prozessbasiertes Programmiersystem kann der Anwender sehr schnell zu einer Lösung kommen und in der Praxis umsetzen.

»Mit dem Mittel der Simulation erzeugen wir einen digitalen Zwilling, der genau beschreibt und erlebbar macht, wie die Maschine produzieren soll. Der Prozessfluss lässt sich direkt anschauen, ohne vorher Metall einsetzen zu müssen.«

Markus Sandhöfner bezeichnet den Acopos Trak sogar als Leuchtturmprojekt für das gesamte Unternehmen, als ein wesentliches Zugpferd, mit dem sich Lösungen umsetzen lassen, die die großen Produzenten heute weltweit verstärkt nachfragen. »Wir können zum richtigen Zeitpunkt mit der richtigen Lösung die entscheidende Frage beantworten, nämlich: Wie kann ich kleinere Losgrößen wirtschaftlich fertigen, ohne ungeplante Stillstandszeiten?«

Dabei lässt sich der Bogen noch deutlich weiter spannen: »Denn neben den Neukonzepten dürfen wir die Hunderttausende von Maschinen nicht vergessen, die in den Fabriken sind und produzieren, und mit denselben Themen kämpfen. Die kann man nicht von einem auf den anderen Tag ersetzen.«

Darum hat sich B&R 2018 auch intensiv damit auseinandergesetzt, wie sich Produktivität und Transparenz in eine Fertigung mit Bestandsmaschine hineinbringen lassen, in der es nicht einmal Busanschlüsse oder Steuerungen gibt. »Ein wesentlicher Ansatz ist, Daten über Algorithmen auszuwerten, zu visualisieren und dadurch mehr Transparenz zu erzeugen«, sagt Markus Sandhöfner. »So weiß der Anwender im Sinne einer Predictive Maintenance, was mit seiner Maschine und deren Komponenten wie etwa Lagern passiert und kann Ausfälle durch gezielten Werksservice besser vermeiden.«

Das Ziel sei eine Orange Box für alle Arten von Maschinen, die die anfallenden Daten verarbeitet und die Kommunikation mit einer Cloud wie der Ability von ABB übernimmt. »Unter dem Dach der ABB-Gruppe läuft es übrigens bestens für B&R, unsere Technologien passen insgesamt sehr gut zusammen, darum ist die Zusammengehörigkeit eine Win-Win-Situation für beide Unternehmen.«

Sicherheit im Fokus

2019 will der Automatisierer seine Erfolgsgeschichte fortschreiben und die Erfahrungen mit den Prototypenkunden und Erkenntnisse aus den gemeinsamen Projekten sollen dann 2019 in die Serienproduktion einfließen. Zu der stetigen Weiterentwicklung gehören natürlich auch Weiterentwicklungen wie die jüngst für AcoposTrak vorgestellte Human Track Collaboration. »Sie eröffnet B&R eine völlig neue Dimension in der Zusammenarbeit von Mensch und Maschine. Intelligente Sicherheitstechnik garantiert dabei, dass die Zusammenarbeit sicher und gefahrlos abläuft. Eine trennende Schutzeinrichtung ist nicht mehr nötig«, fasst Markus Sandhöfner zusammen.

Dazu hat B&R fünf Sicherheitsfunktionen in Acopos Trak integriert, die sichere Handarbeitsplätze am Track ermöglichen, indem Geschwindigkeit und Kraft der Shuttles sicher begrenzt werden. Das geschieht flexibel, denn erforderlichen Werte werden während der Laufzeit durch die sichere Applikation berechnet sowie aktiviert und deaktiviert. Ein Wechsel zwischen dem langsameren sicheren Betrieb und dem High-Speed-Betrieb ist jederzeit möglich.

Aufgrund der extrem kurzen Fehlerreaktionszeit müssen die Sicherheitsabstände nicht groß sein und die Maschine lässt sich kompakter gestalten.

Erschienen in Ausgabe: 01/2019