Auf die Neigung kommt es an

Spezial

Neigungssensoren – Berührungslos arbeitende Neigungssensoren gewährleisten den effizienten und sicheren Einsatz von mobilen Drehleitern im Brand- und Katastrophenschutz.

31. August 2011

Eines der markantesten Fahrzeuge im Brand- und Katastrophenschutz ist die Drehleiter, zu deren ersten Aufgaben die Menschenrettung und der Löschangriff gehören. DiesesHubrettungsfahrzeug verfügt meist über einen Rettungskorb, der am sogenannten Leitersatz befestigt ist. Um im Einsatz Verzögerungen und Unfälle zu verhindern, benötigen Leiter und Rettungskorb eine Nivellierungsregelung. Der Leitersatz wird dazu während der Drehbewegung permanent nachgeregelt, damit er sich immer in der Horizontalen befindet. Diese Nivellierung geschieht in der Regel automatisch über die Fahrzeugsteuerung mit Hilfe von Neigungssensoren, welche die Informationen über die jeweiligen Neigungswinkel liefern.

Der Marktführer für fahrbare Drehleitern, die Iveco Magirus Brandschutztechnik GmbH mit Sitz in Ulm, nutzt dazu Neigungssensoren der Baureihe F99 des Mannheimer Sensorikspezialisten Pepperl + Fuchs. Iveco-Magirus produziert an sechs Standorten in Europa eine große Vielfalt von Fahr-zeugen und Geräten für den Brand- und Katastrophenschutz. Die Produktpalette reicht vom Tragkraftspritzenfahrzeug über Standardlöschfahrzeuge bis hin zu Sonderfahrzeugen. Hierzu gehören Drehleitern mit Einsatzhöhen bis zu 60 Meter sowie kombinierteHub-Löschfahrzeuge oder Flugfeldlöschfahrzeuge. Mehr als 1.300 verkaufte Einheiten jährlich machen das Unternehmen zu einem der größten Anbieter der Branche. Die Historie der Marke Magirus reicht zurück auf den Firmengründer Conrad Dietrich Magirus, der bereits 1904 die erste Drehleiter mit vollautomatischem Antrieb über den Fahrzeugmotor vorstellte.

Anspruchsvolle Technik

Anlass für den Einsatz der Neigungssensoren von Pepperl + Fuchs ist die stetige Weiterentwicklung der Aufbautechnologie bei dem Spezialisten fürFeuerwehrausrüstungen, die auch einen Wandel in der Steuerungstechnik mit sich bringt, berichtet René Peper, der bei Magirus zuständig ist für den Bereich Konstruktion Elektrik und Elektronik: »Die kontinuierlicheOptimierung unsererCAN-Bus-Steuerung war Auslöser, die Neigungssensorik auf Analogsignale von 4 bis 20 mA umzustellen.«

Weitere Kriterien für die Wahl der berührungslos arbeitenden Sensoren waren deren Genauigkeit und Messbereiche. So erreichen die Geräte eine Empfindlichkeit und Widerholgenauigkeit von ±0,1 Grad sowie eine absolute Genauigkeit von ±0,5 Grad. Sie eignen sich zur Überwachung von einer oder zwei Neigungsachsen mit Messbereichen von jeweils 0 bis 360 Grad. »Damit bieten die F99 eine hohe absolute Genauigkeit und entsprechen unserem hohen Komfort- und Sicherheitsanspruch an wesentliche Komponenten in Rettungskörben sowie in den Aufrichterahmen der Leitersätze«, bestätigt Peper.

Hohe Präzision

Die hierfür verwendeten Neigungssensoren (Typ INY040) messen die Längs- und Querneigung des Fahrzeugs, also in zwei Neigungsachsen mit einem Messbereich von –20 bis +20 Grad einer Auflösung von 0,01 Grad bei einer absoluten Genauigkeit von ±0,4 Grad. Die Nivellierung der Rettungskörbe erfolgt über den gesamten Aufrichtewinkel der Drehleiter im Bereich von –110 bis +20 Grad. Hier kommen Neigungssensoren vom Typ INY360D zum Einsatz, die einen Messbereich von 0 bis 360 Grad bei einer absoluten Genauigkeit von ±0,5 Grad bieten.

Entscheidend für den Einsatz von Sensorik in Fahrzeugen für den Brand- und Katastrophenschutz sind jedoch nicht allein die Messbereiche oder Genauigkeiten: Zusätzlich müssen die Geräte auch unter rauen Umgebungsbedingungen stets zuverlässig funktionieren und den Einwirkungen von Schmutz und Feuchtigkeit, Vibrationen und extremen Temperaturen gewachsen sein, schließlich kommen die Fahrzeuge und Geräte von Iveco Magirus in den verschiedensten Klimazonen und bei unterschiedlichsten Bedingungen zum Einsatz.

Die Neigungssensoren F99 sind für Temperaturbereiche von –40 bis +85 Grad Celsius ausgelegt und eignen sich damit für Einsätze in allen Klimazonen der Welt, ob in den Tiefen Russlands bei zweistelligen Minusgraden, ob im subtropischen Klima Asiens, ob in den Metropolen oder in abgelegenen Gebieten. Erhöhte Schutzklassen wie IP68 oder IP69k erlauben sogar der Behandlung mit Hochdruckreinigern. Die robuste mechanische Konstruktion erträgt Vibrations- und Schockbelastungen bis 100g, wie sie im Katastropheneinsatz vorkommen können. Zudem bieten die Neigungssensoren eine erhöhte EMV-Festigkeit von 100 V/m und sind dank e1-Typgenehmigung (EUB-Bauteilgenehmigung) für den Einsatz im öffentlichen Straßenverkehr zugelassen. Dies macht die Neigungssensoren F99 von Pepperl+Fuchs auch für andere Applikationen interessant.

Erschienen in Ausgabe: 06/2011