Auf Norm und Gesetz

Normen - Alle reden von Sicherheit, aber was steckt dahinter? Welche Normen ein Sicherheitskonzept erfüllen muss, erklärt Jens Rothenburg von Euchner. Im Anschluss verrät er, wie ein Sicherheitsschalter gleich zwei Türen sichert.

10. Mai 2007

Jens Rothenburg: Rein rechtlich dann, wenn alle Normen, die für die Maschine zutreffen, eingehalten sind und damit das CE-Zeichen angebracht wird. Nicht zu vergessen ist hierbei aber der vorhersehbare Missbrauch, auch dagegen müssen Maßnahmen getroffen werden. Ich möchte hierbei an die Manipulationsstudie von der BGIA aus dem vergangenen Jahr erinnern.

Wie versuchen die Hersteller diese Sicherheit zu erreichen?

Zumeist, indem nachträglich Schutzeinrichtungen an der Maschine angebracht werden und somit kein Zugang in gefährliche Bereiche möglich ist. Das ist auch ausreichend, wenn damit der Betrieb der Anlage uneingeschränkt möglich ist. Falls aber bestimmte Arbeitsgänge nur bei geöffneten Schutzeinrichtungen möglich sind, muss darüber hinaus auch noch eine Absicherung beispielsweise mit einem Zustimmtaster verwendet werden. Hierbei sollte dann auch der Zugriff auf berechtigte Personen eingeschränkt werden. Hierzu kann zum Beispiel das neue EKS FSA eingesetzt werden.

Welche Vorschriften regeln die Maschinensicherheit?

Der rechtliche Hintergrund ist die Maschinenrichtlinie 98-37-EG, ab 2009 dann die neue Richtlinie 2006-42-EG. Beide verweisen im Wesentlichen auf die Anwendung harmonisierter Normen.

Sind diese Normen so verbindlich wie Gesetze oder haben die Hersteller einen Ermessensspielraum?

Nein, Normen sind zum einen Stand der Technik und sie erleichtern den Nachweis, ob die Bestimmungen einer Richtlinie eingehalten wurden. Sie sind aber keineswegs verbindlich. Man kann eine Maschine auch ganz ohne Anwendung von Normen absichern. Der Nachweis der Sicherheit fällt dann entsprechend schwer, denn eine Gleichwertigkeit zu den Regeln in einer Norm muss schon gezeigt werden.

Inwiefern gelten diese Vorschriften auch in anderen Ländern? Worauf muss ein Hersteller achten, dessen Maschine im Ausland eingesetzt wird?

Die Regeln sind in ganz Europa einheitlich für Maschinenhersteller. Für Betreiber sind durchaus unterschiedliche Regeln vorhanden, hier ist nur das Minimum für Europa einheitlich geregelt. Jeder Maschinenhersteller muss natürlich alle Regeln des Landes einhalten, in das die Maschine geliefert wird. Das sind in den USA eben andere Regeln als in Asien. Die Normen werden aber immer mehr in Form einer ISO- oder IEC-Norm vereinheitlicht. In den USA gibt es keine präventiven Vorschriften. Es wird zwar viel geregelt, aber die Einhaltung ist freiwillig. China richtet sich verstärkt an die in Europa geltenden Normen.

Woran erkennt ein Anwender, dass ein Gerät solchen Vorschriften entspricht?

In Europa daran, dass ein CE-Zeichen an der Maschine angebracht ist.

Was geschieht, wenn die Normen verschärft werden? Werden »alte« Geräte dann ungesetzlich? Gibt es Übergangsfristen?

Nein, Bestandsschutz gilt für alle Maschinen. Hersteller müssen allerdings ab der Gültigkeit einer neuen Norm nur noch diese neue, unter Umständen verschärfte Norm, einhalten. Unter Umständen muss dazu umkonstruiert werden. Übergangsfristen gibt es teilweise, aber nicht generell. Derzeit haben wir eine solche Übergangsfrist von der EN 954-1 auf die EN ISO 13849-1.

Und jetzt die Produktfrage: Wo für zwei Türen bisher zwei Sicherheitsschalter benötigt wurden, sieht Euchner jetzt nur noch einen vor. Was heißt das?

Wir haben einen Sicherheitsschalter eingespart, den Verdrahtungsaufwand reduziert und den Aufwand für die Auswertung verringert. Wo bisher zwei Sicherheitsschalter benötigt wurden, kann nun mit den neuen Twin-Ausführungen der Baureihen SGP und STP gespart werden. Mit ihrem Doppelkopf können die Schalter STP Twin und SGP Twin zwei Schutztüren (Dreh- und Schiebetüren) mit nur einem einzigen Schalter absichern.

Peter Schäfer

Erschienen in Ausgabe: 03/2007