Aus Erfahrung besser

Linearführungen/Lager - Im Wettbewerb bestehen jene Unternehmen, die mit eigenen Innovationen und mit denen ihrer Partner Produktivität verkaufen.

03. August 2007

Die Liba Maschinenfabrik im oberfränkischen Naila ist mit etwa 300 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von gut 50 Millionen Euro ein typisches Mittelstandsunternehmen. Im Jahr 1945 von Karl Liebrandt gegründet, führte man zunächst vor allem Reparaturen durch und stellte Ersatzteile her. Parallel dazu stieg Liebrandt mit einer Wirkerei und Näherei in die Textilproduktion ein und sammelte so wertvolle Erfahrungen als Anwender. Daraus entstand im Jahr 1948 eine eigene Kettenstuhl-Fertigung; Schärgatter, Schärmaschinen und Schnellläufer-Kettenstühle folgten. Mit dem Einzug von Kunststoff- und Elastomerfasern wurden entsprechende Schärmaschinen entwickelt, ergänzt um Kettenwirkmaschinen mit Magazinschusseintrag sowie mit einem Kurzhub-Schiebernadelsystem. Diese Maschinen werden - natürlich weiterentwickelt - bis heute gebaut. Außerdem entstehen in Naila unter anderem Hochleistungs-Kettenwirkautomaten, Jacquard-Raschelmaschinen, doppelnadelbarrige Raschelmaschinen, auf denen vielfach technische Textilien produziert werden.

Die Maschinen genießen bei den Kunden weltweit ob ihrer Leistungsfähigkeit, Prozesssicherheit und Qualität einen hervorragenden Ruf. Dieser gründet nicht zuletzt auf eine knapp 50-prozentige Fertigungstiefe und auf die konsequente Verwendung von hochwertigen Zukaufteilen. Liba fertigt sämtliche Kernbauteile und arbeitet bei den Zuliefer-Schlüsselbauteilen sowie den Maschinenelementen eng mit leistungsfähigen Lieferanten zusammen.

Von Anfang an dabei ist die Schaeffler Gruppe Industrie aus Herzogenaurach, Schweinfurt und Homburg/Saar mit Rotations- und Linearlagersystemen. Dazu Dipl.-Ing. Peter Maier, Entwicklungsleiter bei Liba: »Wie unsere Vorgänger legen auch wir sehr großen Wert auf absolute Qualität, was zum Beispiel bei Kettenwirkmaschinen, die aus einer Vielzahl von mechanischen und elektrischen Komponenten bestehen, eine entscheidende Rolle spielt. Die komplexe Technik muss perfekt aufeinander abgestimmt sein und jedes Element ist Teil eines Präzisionswerks, dass irgendwo in der Welt im Mehrschichtbetrieb Textilien produziert. Deshalb gehen wir auch keinerlei Kompromisse ein. Die Einsparungen bei der Verwendung billigerer Maschinenelemente stehen in keinem Verhältnis zu den Kosten, die ein Ausfall mit Austausch verursacht.«

Jährlich entstehen in Naila - je nach Typ und Komplexität - 180 bis 240 Maschinen. Trotz weitgehender Standardisierung der Bauteile und -gruppen ist der Bedarf an verschiedenen Maschinenelementen groß, zumal immer wieder Verbesserungen bezüglich der Produktivität einfließen, was wiederum noch leistungsfähigere Maschinen­elemente erforderlich macht.

So hatte man mit Unterstützung der Entwicklungsabteilung von INA schon in den 50er-Jahren die damals verwendeten Bronzelagerbuchsen durch Nadel- und Wälzlager aus Herzogenaurach ersetzt. Heute verbaut man in den Textilmaschinen eine Vielzahl von Lagern und Linearbaugruppen, die nicht nur nach Liba-Vorgaben optimiert, sondern oftmals speziell nach sehr engen Toleranzen ausgewählt werden.

Peter Rotter, Entwicklungsingenieur bei Liba: »Hinsichtlich der Tragzahlen, Beschleunigungen, Verfahrgeschwindigkeiten und Lebensdauer haben wir sehr hohe Ansprüche. Zusammen mit INA optimieren wir die Funktionen unserer Maschinen und setzen, wann immer sinnvoll und möglich, vor allem auf deren Produkte.«

Ein Beispiel ist der »Schusseintragswagen« bei Copcentra-Kettenwirkmaschinen mit Magazin-Schusseintrag. Dabei geht es - abhängig von der jeweiligen Arbeitsbreite (138" oder 245") - um Beschleunigungen von 18 und 23 m/s² beziehungsweise um Verfahrgeschwindigkeiten von maximal 6,1 respektive 10 Meter pro Sekunde.

In jedem Schusseintragswagen sind vier Laufrollenführungen des Typs LFDK5201 (Doppelkassette) von INA-Lineartechnik verbaut. Diese verfahren bei jedem Zyklus über die ganze Arbeitsbreite der Maschine auf Halbschienen LFS52-FH und zwar tausende Mal am Tag. Entsprechend hoch sind die Belastungen dieser zentralen Funktionseinheit, die einfache und billige Linearführungen nicht durchstehen würden.

Ähnlich verhält es sich in Kettenwirkmaschinen mit Magazin-Schusseintrag mit den Koppelgetrieben. Maximal 40 Stück sind - je nach Zahl der Gelenke - in einer Maschine mit 245" Arbeitsbreite verbaut. Jedes enthält bis zu 20 Nadellager, die sich bereits bestens bewährt haben und mit der Zeit einfachere Gleitlager ersetzten sollen.

Die Nadellager sind optimiert für kleine Schwenkwinkel (bei den Schnellläufern unter 1°) und maximale Tragzahl und werden in 1/100-mm-Toleranzschritten in mehrere Klassen sortiert.

Peter Maier erklärt dies so: »Die umfangreiche Mechanik und die extremen Arbeitsgeschwindigkeiten sorgen für eine Geräuschkulisse, die wir sukzessive einzudämmen bemüht sind. Dabei helfen uns sowohl konstruktive Maßnahmen als auch hochpräzise Maschinen­elemente. Deshalb setzen wir als Alternative zu Gleitlagern die INA-Nadellager mit zwanzig Millimetern Durchmesser ein, die sich durch hohe Genauigkeit und viel höhere zulässige Belastungen sowie Lebensdauer auszeichnen. In 1/100-mm-Qualitätsklassen bestimmt und paarweise zusammengestellt, kommen wir bei Maschinen-Betriebs­temperatur auf ein Betriebsspiel nahe gegen null. Zum einen erhöhen sich dadurch die Laufpräzision und Lebensdauer, zum anderen erreichen wir allein durch diese Maßnahme, und ohne jeden weiteren technischen Aufwand eine spürbare Geräuschminderung.«

Edgar Grundler

Erschienen in Ausgabe: DIGEST/2007