Ausgereifte Lösung

Trommelmotoren – Stetiges Stop-and-go, Salzwasser und schwere Lasten sind extreme Anforderungen für Antriebe. Bei der Käseherstellung gewährleisten Trommelmotoren den zuverlässigen Transport der kiloschweren Käselaibe.

12. August 2008

Die traditionelle Herstellung von Käse ist ein langwieriger Prozess. Die Käselaibe des Gruyère zum Beispiel, die traditionell in kleinen Dörfern der Schweizer Kantone Waadt, Neuenburg, Jura, Freiburg und Bern hergestellt werden, müssen fünf bis zwölf Monate in speziellen Sandsteingewölben auf Fichtenholzpaletten bei Temperaturen zwischen 12 und 14 Grad Celsius bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 92 bis 94 Prozent reifen, um ihren unverwechselbaren Geschmack zu entwickeln. Während dieser Zeit wird jeder Käselaib zudem einmal pro Woche mittels Bürsten mit einer speziellen Salzwassermischung nach einem traditionellen Rezept behandelt.

Im Reifelager des Käseherstellers Fromco SA in Moudon im Kanton Waadt werden auf diese Weise jede Woche über 100.000 Laibe behandelt – eine Arbeit, die ohne Automatisierung nicht zu schaffen ist. Die Schweizer Automatisierungsspezialisten Patric Concept SA aus Boudry bei Neuenburg entwickelten deshalb schon 1994 eine spezifische Verarbeitungslinie für die Behandlung dieser Käselaibe.

Alles automatisch

Am Beginn des Prozesses steht die Auslagerung der Käsepaletten aus dem Lager mit Gabelstaplern. An der Prozesslinie werden die Käselaibe danach automatisch depalettiert, gewendet und auf Förderbändern der Verarbeitungslinie zugeführt. Dort bestreichen Bürsten die Käselaibe mit der Salzwassermischung. Anschließend automatisch palettiert und mit dem Gabelstapler eingelagert.

Die Anlage stellt hohe Ansprüche an die eingesetzte Fördertechnik, schließlich erfordert der Prozess ein ständiges Stopandgo der 35 Kilogramm schweren Käselaibe. Zudem müssen die exponierten Teile der Anlage der täglichen Belastung durch Salzwasser und Hochdruckreinigung standhalten. Für den Antrieb der Fördertechnik entschieden sich die Anlagenbauer deshalb damals für Edelstahl-Trommelmotoren des schweizerischen Spezialisten Interroll. Seither arbeitet die Anlage ungestört bei einer Betriebszeit von 17 Stunden täglich an fünf Tage pro Woche.

Robustheit überzeugt

Als jüngst die Kapazität des Käse-Reifelagers von 90.000 auf 160.000 Käselaibe erhöht werden sollte, setzte der Käsehersteller daher erneut auf die Interroll-Motoren. In der neuen erweiterten Verarbeitungslinie arbeiten unter anderem Trommelmotoren der Baureihe 165E mit einem Durchmesser von 165 Millimetern mit einer Leistung von 0,75 Kilowatt. Das hohe Drehmoment prädestiniert diese Motoren für den Transport der schweren Käselaibe auf ebener Strecke mit Geschwindigkeiten von 0,25 bis 0,4 Meter pro Sekunde. Mehr Leistung benötigen die längeren Steig- und Gefällstrecken der Verarbeitungslinie, etwa das Aufgabeband für die neu angelieferten Käselaibe. Hier erwies sich der Trommelmotor TM220M mit 2,2 Kilowatt als ideale Lösung. Für die nötige Reibung zwischen Motor und Förderband ist die Bandtrommel mit einer Polymerummantelung mit breiten Rillen ausgestattet, die insbesondere bei Feuchtigkeit oder Nässe, z. B. direkt nach der Reinigung, gute Friktion gewährleisten. Zudem ist die Ummantelung schmutz- und wasserabweisend und somit einfach zu reinigen und hygienisch.

Neben den Trommelmotoren lieferte Interroll auch die Umlenktrommeln für die Förderbandumlenkungen, kleinere Trag rollen, die die Unterseite der Förderbänder zu stützen sowie Rollen für den über Ketten angetriebenen Rollenförderer, der die Käselaibe von der Anlieferung zur Palettierung transportiert.

Ständig Stop and Go

Eine hohe Belastung für die Motoren ist das regelmäßige Stoppen und Anlaufen, das für eine Kontrolle der Käseleibe und bei der Palettierung nötig ist. Bei 160.000 Käselaiben auf vier Verarbeitungslinien ergibt das für jeden Motor jede Woche 40.000 Starts und Stopps, mehr als zwei Millionen im Jahr. An jedem Tag bewegen die Motoren so mehr als 1.100 Tonnen Käse und stehen dabei unter einer extremen elektrischen, mechanischen und thermischen Belastung.

Für Willy Correvon, technischer Leiter bei Fromco, ist es deshalb entscheidend, für die Fördertechnik besonders robuste Motoren zu verwenden: »Bei diesen hohen Anforderungen müssen wir den mechanischen Komponenten voll vertrauen können. Die ersten Interroll-Trommelmotoren arbeiten seit Betriebsbeginn 1994 zuverlässig, daher fiel uns die Entscheidung für die Investition leicht.«

Sparsam und sauber

Vorteile bietet die Investition in Interroll-Trommelmotoren auch beim Energieverbrauch: Die Antriebe benötigen nur wenig Strom, weil sie Antriebsleistung und Drehmoment über Stirnradgetriebe übertragen, die einen höheren Wirkungsgrad besitzen als Schnecken- oder Winkelgetriebe, die bei konventionellen Elektromotoren meist zum Einsatz kommen.

Ebenso entscheidend wie die Performance war für den Käsehersteller auch das hygienische Design der Trommelmotoren. Anders als konventionelle Motoren mit angeflanschtem Sekundärgetriebe sind bei diesem Motortyp Antrieb und Motor in einer Baueinheit integriert. Die Trommelmotoren sind deshalb extrem hygienisch und besonders einfach und schnell zu reinigen, weil am Förderbandrahmen lediglich die Achse befestigt wird, um die sich der Motor dreht und so das Förderband antreibt. Die Schutzart IP 67 gewährleistet dabei, dass sich die Anlage mit Hochdruckreinigern ohne Beschädigungsgefahr reinigen lässt, um die strikten Hygienevorgaben in der Lebensmittelindustrie einzuhalten.

Das dichte Design der Trommelmotoren gewährleistet daneben eine hohe Verfügbarkeit sowie geringe Wartungs- und Ersatzteilkosten, da die Motoren immun sind gegen die Behandlung der Käselaibe mit aggressivem Salzwasser. Beim Bau der neuen Anlage konnten daher sogar Trommelmotoren aus der alten Anlage von 1994 weiterverwendet werden. Selbst die Motoren der ersten Kontrolllinie von 1991 sind noch heute in Betrieb und transportieren die Käselaibe wohl noch viele Jahre.

Oliver Schopp, Interroll

Erschienen in Ausgabe: 05/2008