Ausgleichender Charakter

Fluidtechnik

Schneidringe – Mit speziellen weichdichtenden Schneidringen als Neuheit im Programm unterstützt Stauff seine Anwender in Applikationen, bei denen es auf den Ausgleich von Setzerscheinungen ankommt.

22. August 2017

In Hydrauliksystemen treten bei besonderer Belastung nicht selten unerwünschte Nebeneffekte auf. Einer davon ist das Phänomen von Setzerscheinungen, die zum Beispiel beim Verschrauben von weicheren Werkstoffen entstehen: Das Material verformt sich und das ursprünglich anliegende Drehmoment und die daraus resultierende Klemmkraft liegen nicht mehr an. Weitere Ursachen sind Temperaturschwankungen oder Druckimpuls- und Schwingungsbelastungen innerhalb des Hydrauliksystems.

Oft werden zwischen den zu verbindenden Teilen Dichtelemente eingebracht und auch diese können der Grund für Setzerscheinungen sein. Darum machen sich die Anbieter von hydraulischen Lösungen Gedanken darüber, wie solche Schwierigkeiten zu vermeiden sind. Mit 24-Grad-Rohrverschraubungen, 37-Grad-Bördelrohrverschraubungen und einem neuentwickelten Rohrumformsystem bietet zum Beispiel Stauff aus Werdohl mit Stauff Connect ein vielfältiges Programm für die sensible Schnittstelle der lösbaren Verbindung in hydraulischen Leitungssystemen.

Perfekter Ausgleich

Ganz neu sind weichdichtende Schneidringe des Typs FI-WDDS, die die Fähigkeit besitzen sollen, Setzerscheinungen auszugleichen. Diese Bauart der Schneidringe kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn im Hydrauliksystem erhebliche Druckimpuls- und Schwingungsbelastungen auftreten können, ebenso bei größeren Temperaturschwankungen.

In diesen Anwendungsfällen ist es nicht auszuschließen, dass Setzerscheinungen auftreten, die rein metallisch abgedichtete Verbindungen nicht immer ausgleichen können – mit der unerwünschten Folge, dass es an den Verbindungsstellen zu kleineren Leckagen wie etwa Schwitzeffekten kommen kann.

Dieses Risiko lässt sich durch den Einsatz von weichdichtenden Schneidringen zuverlässig vermeiden. Genau das war die Motivation der Stauff-Konstrukteure bei der Entwicklung der neuen Baureihe.

Kernkomponente des weichdichtenden Schneidrings ist eine Elastomerdichtung, die verliersicher im hinteren Bereich des 24-Grad-Kegels in einer dafür vorgesehenen Nut positioniert ist. Ein zwischen Schneidring und Rohr angeordneter O-Ring sichert den zweiten möglichen Leckagepfad ab – selbst bei ungünstiger Toleranzlage. Da beide Elastomerdichtungen im Sekundärbereich der Verbindung positioniert sind, werden die statischen und dynamischen Belastungen im System primär von der bewährten metallischen Dichtung aufgenommen.

Perfekter Werkstoff

Die Verwendung von FKM (Viton) als Standard-Dichtungswerkstoff schafft eine wichtige Voraussetzung für den vielseitigen Einsatz des neuen Dichtungssystems auch bei Anwendungen mit hohen Temperaturen oder aggressiven Medien.

Die Schneidringe selbst sind, ebenso wie alle weiteren Bauteile der Produktreihe Stauff Connect, standardmäßig mit einer hochwertigen Zink-Nickel-Oberfläche ausgeführt.

Laut Hersteller bietet diese mit mehr als 1.200 Stunden Beständigkeit gegen Rotrost und Grundmetallkorrosion in der Salzsprühnebelkammer entsprechend DIN EN ISO 9227 einen zuverlässigen Korrosionsschutz weit über die bisher marktüblichen Standards hinaus. Selbst nach Transport, Verarbeitung und Montage der Bauteile werden die im VDMA-Einheitsblatt 24576 für Rohrverbindungen definierten Anforderungen an die höchste Korrosionsschutzklasse K5 deutlich übertroffen.

Eine zentrale Anforderung im Pflichtenheft der Entwickler war unter anderem die möglichst intuitiv durchführbare Montage des Verbindungssystems. Sie wird durch einen deutlich spürbaren Kraftanstieg am Montageende– bei dem der Schneidring an der Stirnfläche des Verschraubungskörpers zur Anlage kommt – gewährleistet.

Perfekt geeignet

Die weichdichtenden Schneidringe der Serie FI-WDDS sind für alle gängigen metrischen Rohrleitungen mit Außendurchmessern zwischen 6 und 42 Millimetern lieferbar. Sie übertreffen die Druckvorgaben der ISO teilweise deutlich und eignen sich für Nenndrücke bis 500 bar in der leichten Baureihe beziehungsweise bis 800 bar in der schweren Baureihe.

Durch die Nutzung sämtlicher Standardbauteile der Produktreihe Stauff Connect sollen Anwender des neuen Schneidrings von der hohen Variabilität und Flexibilität bei der Anpassung des Systems an die individuellen Anforderungen profitieren. Zudem entfällt dadurch die Notwendigkeit der doppelten Lagerhaltung ähnlicher Komponenten mit entsprechend hoher Verwechslungsgefahr.

Für den OEM sieht Stauff in der Nutzung der weichdichtenden Schneidringe noch einen zusätzlichen Vorteil: Denn der OEM oder dessen Dienstleister für die Konfektionierung und Montage der Rohre können den Aufwand für zeit- und kostenintensive Prüfarbeiten deutlich reduzieren und auf eventuelle Nacharbeiten sogar vollständig verzichten.

Zudem trägt die Gewissheit, dauerhaft leckagefreie Rohrverbindungen einzusetzen, zur nachhaltigen Imagesteigerung des OEM bei seinen Endkunden und den Anwendern von Maschinen und Fahrzeugen bei.

Zu den wesentlichen Anwendungsgebieten der Serie FI-WDDS gehört die Mobilhydraulik in Bau-, Land- und Forstmaschinen oder Nutz- und Sonderfahrzeugen. Aber auch in der Stationärhydraulik, zum Beispiel bei stark vibrierenden Maschinen, sind weichdichtende Schneidringe eine sinnvolle Alternative zu metallisch dichtenden Verbindungssystemen. mk

Auf einen Blick

• Seit mehr als 50 Jahren entwickeln, produzieren und vertreiben die Unternehmen der Stauff-Gruppe Leitungskomponenten und Hydraulikzubehör für den Maschinen- und Anlagenbau und die industrielle Instandhaltung.

Erschienen in Ausgabe: 06/2017