Aussichtsreiche Antriebe

Sonderteil Schweiz innovativ

Unternehmen – Durch und durch schweizerisch geprägt ist die Nozag AG, ein Spezialist für Antriebe mit Wurzeln in der Welt der Maschinenelemente. Mit neuem Gebäude und neuen Produkten will Nozag die Vorteile der Schweizer Wirtschaft nutzen.

17. Juni 2011

Nicht jeder schaut von seinem Schreibtisch auf ein majestätisches, schneebedecktes Bergmassiv. Rolf Bosshart tut das. Und der Geschäftsführer der Nozag AG tut das sehr gern, denn er genießt die neuen Räumlichkeiten im schweizerischen Pfäffikon. »Die Arbeitsatmosphäre bei uns ist sehr angenehm, wir haben mit dem neuen Standort zudem die besten Voraussetzungen geschaffen für das Wachstum, das wir anstreben.«

Sehr lange können die Mitarbeiter des Unternehmens die superbe Aussicht noch nicht genießen, denn erst Ende 2010 hat Nozag das neue Domizil am Rand von Pfäffikon bezogen. Fast 60 Jahre zuvor entstand in Zürich mit dem technischen Büro Bornand die Keimzelle des Unternehmens, dort wurde die Idee eines Zahnrad-Baukastens geboren. 1966 erfolgte dann die Gründung der Normzahnräder AG, dem Namensgeber der heutigen Firma. Ab 1970 fiel der Startschuss für die eigene Fertigung, 1987 integrierte Nozag in Wangen-Dübendorf Eigenproduktion und Handel zum einem kompletten Anbieter für Antriebstechnik. Im Rahmen einer Nachfolgeregelung übernahm Dr. Karl Stadler im Jahr 1991 die Nozag AG und gliederte sie in seine Unternehmensgruppe Polygena ein.

Außer dem Hauptsitz in Pfäffikon gehören zu Nozag Niederlassungen in Sinsheim, Frankreich und Singapur. Eine hundertprozentige Tochter ist die Progressus AG, die im gleichen Gebäude sitzt und zu Hause ist in der Welt der Rollen – für industrielle Anwendungen gleichermaßen wie für Krankenhausbetten. 2007 komplettierte Nozag das Portfolio bei Antriebskomponenten und Sonderantriebslösungen durch die auf Präzisionswellen spezialisierte Behr Mechanik GmbH, die auch im Neubau an der Barzloostraße beheimatet ist. Nozag beschäftigt aktuell über 50 Mitarbeiter und setzt pro Jahr rund zwölf Millionen Euro um.

Dreifache Strategie

Das Produktprogramm der Schweizer umfasst drei Hauptsegmente: Im Bereich Getriebe/Sonderantriebe stehen ein Hubgetriebebaukasten mit Traglasten von 200 Kilogramm bis 100 Tonnen bereit sowie Linearantriebe bis fünf Tonnen Last. Außerdem befasst sich Nozag mit Entwicklung, Engineering und Herstellung kundenspezifischer antriebstechnischer Baugruppen.

Segment Nummer zwei ist die Lohnfertigung von Antriebskomponenten. Es gibt Verzahnungsbauteile nach Kundenwunsch und Zeichnung, die Techniker bearbeiten gehärtete und geschliffene Wellen zu montagefertigen Bauteilen. Nozag verfolgt eine auftragsgesteuerte Lieferung just-in-time und veredelt die Oberflächen nach Wunsch.

Drittes Standbein ist der Katalog mit einem Standard-Lieferprogramm montagefertiger Komponenten. Die Katalogware ist ab Lager verfügbar. Im Internet findet der Anwender einen Webshop für schnelle Direktbestellungen und er kann sich CAD-Daten in 3D herunterladen.

Nozag fertigt alles in Eigenregie oder bezieht bei leistungsfähigen Lieferanten. »Diese müssen nach unseren Anforderungen produzieren, dadurch stehen wir für qualitativ hochwertige Produkte«, erklärt Rolf Bosshart. »Unser Liefer- und Leistungsportfolio umfasst die Bedarfsanalyse, die technische Beratung, eine flexible und schnelle sowie termingerechte Lieferung sowie After-Sales-Services.«

Dieser Aufwand fordert seinen Tribut, die Schweizer sind gezwungen, ständig Standardprodukte im Gegenwert von über fünf Millionen Euro vorrätig zu haben. »Das müssen wir tun«, ist sich der Geschäftsführer bewusst, »damit wir unseren Kunden auch bei schwierigen Situationen rasch helfen können. Diese Philosophie des One-Stop-Shop unterstreichen wir durch den hohen Grad an Eigenfertigung nachdrücklich.« So erhalte der Kunde alles aus einer verantwortlichen Hand.

Durch und durch Schweizer

Nozag passt mit seiner Philosophie gut in die Polygena-Gruppe von Dr. Karl Stadler: »Wir verstehen uns als Träger für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), die eine Nachfolgeregelung suchen, aber selbstständig bleiben wollen.« Stadler setzt auf die Interaktion seiner Unternehmen: »Es herrscht Offenheit zwischen den Gesellschaften, alle reden miteinander und so kommen die richtigen Leute informell zusammen. Gemeinsam ein Bier zu trinken ist oft besser als große Foren zu veranstalten.«

Auch zur Polygena-Gruppe gehörig und im neuen Gebäude in Pfäffikon ansässig ist der Werkstoffspezialist Compounds, der Kautschukmischungen für Riemen, Rollen oder Förderbänder entwickelt – etwa für die rollen von Progressus. Ein zweites Beispiel ist PWB, ein Hersteller von pneumatischen Handhabungskomponenten und -baugruppen, dessen Produkte Nozag einsetzt, wenn ein Kunde komplette Systeme bestellt.

Karl Stadler ist mit Leib und Seele Schweizer. Das findet sich auch in seiner Ausrichtung als Unternehmer wieder: »Die Schweiz ist mehr als Schokolade, die Schweiz ist ein wettbewerbsfähiges Hochlohnland mit innovativen Produkten und gesunder finanzieller Ausstattung. Unsere politische und gesellschaftliche Stabilität durch die direkte Demokratie ist dafür eine gute Basis.«

Präzision für Solarmodule

Eine Neuheit von Nozag ist der Linearantrieb Nozdrive, der vor allem bei gesteuerten Solartrackern und Photovoltaikmodulen zum Einsatz kommt. Kernelement ist eine neue und zum Patent angemeldete Wälzmutterkonstruktion, bei der die Gewindegänge aufeinander und ineinander abrollen anstatt wie bisher zu gleiten. So ist der Nozdrive leistungsfähiger und genauer als herkömmliche Trapezgewindespindeln. Durch das Abrollen lässt sich auch ohne zusätzliches Getriebe eine vergleichsweise große Untersetzung erreichen. Zudem ist durch den Formschluss der Gewindegänge bereits eine Lastsicherung gegeben.

»Auf der Grundlage des neuen Antriebsprinzips kann der Anwender mit kostengünstigen Gewindespindeln neue Leistungsbereiche erschließen, die früher aufwendigeren und teureren Antriebslösungen wie Kugelgewindetrieben vorbehalten waren«, beschreibt Rolf Bosshart einen wesentlichen Vorteil des Konzepts. »Dank der vollintegrierten Bauweise sind im zylindrischen Gehäuse des Nozdrive alle elektromechanischen Komponenten inklusive des Motors vereint.« Mit diesen Eigenschaften soll sich der Linearantrieb seinen Platz im hart umkämpften Solarmarkt sichern.

Erschienen in Ausgabe: 05/2011