Automatie...– was?!

Kommentar Rüdiger Eikmeier

Automatisierung – Das Imageproblem des deutschen Technik-Mittelstands

03. November 2016

Wenn man dieser Tage die Zeitungen aufschlägt, kann man sich vor der Flut negativer Nachrichten kaum retten das Land macht sich Sorgen. Zum Beispiel über drohende Altersarmut, den Jobabbau im Zuge der Automatisierung oder den Verfall der Marke »Made in Germany«, der tatsächlich angesichts der Machenschaften einiger Flaggschiffe unserer Industrie zu befürchten ist. Hervorragend in dieses Bild passt da die neueste Nachricht des Münchener Ifo-Instituts, wonach Großunternehmen und öffentlicher Dienst in Deutschland im vergangenen Jahr landesweit 180.000 Arbeitsplätze abgebaut haben. Doch halt! Zwischen Hiobsbotschaften dieser Art beinahe unbemerkt, brummt der deutsche Jobmotor unablässig weiter. Er wächst und gedeiht, angetrieben von einer Kraft, die zwischen all der Krisen nicht mit der ihr gebührenden Aufmerk-samkeit wahrgenommen wird: dem Mittelstand.

Dieser hat im letzten Jahr nicht etwa unzählige Stellen gekürzt, sondern im Gegenteil 460.000 neue Stellen geschaffen. Während sich die großen Unternehmen immer weiter im globalen Krisenstrudel verfangen und ihre Zugkraft für die nationale Wirtschaftskraft langsam zu verlieren scheinen, bleibt der Mittelstand das unerschütterliche Rückgrat des deutschen Jobwunders. Noch nie waren hierzulande so viele Menschen wie heute in Arbeit. Das ist zu einem nicht geringen Teil der mittelständischen Automatisierungsbranche zu verdanken, die zusammen mit dem Maschinenbau den Motor der deutschen Wirtschaft bildet und unbeirrt von Krisen wie dem Brexit und aufständischen wallonischen Freihandelsgegnern rasant weiter wächst.

An kaum einem anderen Ort kann man das besser beobachten, als auf der Nürnberger Automatisierungsmesse SPS IPC Drives, der zum Zeitpunkt ihrer Gründung niemand ein solch explosi-ves Wachstum zugetraut hätte. Der Andrang von Ausstellern und Besuchern befindet sich analog der gigantischen Branchenentwicklung seit 26 Jahren ungebrochen auf Wachstumskurs, und ein Ende ist zum Glück nicht in Sicht. Was mit 63 Ausstellern in einer kleinen Halle in Sindelfingen begann, platzt längst mit weit über 1.600 Ausstellern und mehr als 64.000 Besuchern auf 120.000 Quadratmetern aus allen Nähten. Wenn Sie sich, wie ich, in diesem Jahr wieder durch die überfüllten Gänge quetschen, werden Sie feststellen, dass nach der Erweiterung um Halle 3A im Jahr 2014 eigentlich dringend schon wieder mehr Platz geschaffen werden müsste.

Bedauerlicherweise hat die Wahrnehmung in der Bevölkerung sich jedoch nicht zusammen mit dem Wirtschaftswachstum und der Messefläche alle zehn Jahre verdoppelt. Der Durchschnittsdeutsche weiß nicht viel von der Wichtigkeit dieser Branche und der SPS IPC Drives. Unser Technik-Mittelstand hat ein mittelschweres PR-Problem! Blicken Unternehmer, Geschäftsführer und Firmenbesitzer zuversichtlich in die Zukunft, nehmen nach wie vor viele Normalbürger die rasante Entwicklung der Automatisierungsbranche nicht wahr und wähnen Deutschland in Sachen technischer Innovationen weit abgeschlagen hinter den USA. Und während in Amerika oder Großbritannien das Ziel vieler Mittelständler darin besteht, ihre Firma dann zu verkaufen, wenn es am meisten gewinnbringend ist, um sich dann für den Rest des Lebens aufs »Altenteil« zu begeben, sind in Deutschland Familienunternehmer der Technikbranche noch in dritter Generation bis zur Halskrause ins Tagesgeschäft der Firma involviert ein weltweit einzigartiges und beneidetes Erfolgskonzept, das im Inland weit mehr Lob und Anerkennung verdient, als es bekommt. Genau wie die ungeheure Dynamik unserer Technikindustrie. Ich plädiere daher dringend dafür, dass wir etwas dagegen tun! Im Rahmen der diesjährigen SPS IPC Drives sollten wir gleich damit beginnen und unser Image endlich dem realen Wachstum der Branche anpassen.

Ihr Rüdiger Eikmeier.

PS: Mich interessiert Ihre Meinung dazu, schreiben Sie sie mir doch einfach an: r_eikmeier@gii.de

Erschienen in Ausgabe: 08/2016