Automatisierter Schaltschrankbau

CAD CAM

ECAD – Der Schaltanlagenbauer Moeller-Electro hat eine durchgängige Datenbasis für Planung und Fertigung der Schaltschränke auf Basis der Eplan-Plattform mit den Modulen Pro Panel und Wiring realisiert. Aktuell wird die Implementierung des Eplan Cogineer vorbereitet. von Gerald Scheffels, Fachjournalist

10. April 2018

Im Großraum Hamburg ist die Moeller-Electro OHG als Spezialist für Schaltschrankbau und Anlagenverdrahtung gut etabliert. Das Unternehmen trieb über die letzten Jahre die Diversifizierung erfolgreich voran. Heute arbeitet Moeller u.a. für Kunden in der Automobilindustrie (Kunststofffügetechnik), in der Süßwaren- und Nahrungsmittelindustrie (Anlagen und Spezialmaschinen), in der Beschichtungstechnologie (bahnförmige Materialien wie Papier, Folie und Film) und der Logistik (Steuerung komplexer Logistikzentren).

Mit dem Generationswechsel vor fünf Jahren, d.h. mit der Übergabe der Geschäftsleitung an Andreas Pröhl, entschied sich das Unternehmen für eine stärkere Fokussierung auf die Technikkompetenz und die Automatisierung entlang der gesamten Prozesskette.

Fokus auf Technikkompetenz

Im Zuge dieser Ausrichtung wurde u.a. in Eplan-Software für die beiden Konstrukteure investiert und in eine Anlage für die automatisierte NC-Bearbeitung von Schaltschränken.

Auf der Softwareseite bildet Eplan Pro Panel die Voraussetzung für den automatisierten Schaltschrankbau. Oliver Sohst, Konstruktionsleiter: »Wir bereiten die Kundendaten in Pro Panel auf. Dadurch sparen wir Kosten und auch Zeit, weil eventuelle Fehler frühzeitig erkannt und vermieden werden. Und wir können die Daten direkt an die Steinhaueranlage senden, die dann selbsttätig die Bohrungen und Ausschnitte setzt. Das spart erheblich Zeit in der Fertigung.«

Fehler frühzeitiger erkennen

Hiermit folgt das Unternehmen einer Strategie, die Andreas Pröhl auf einen Nenner bringt: »Wir wollen die Technik für uns arbeiten lassen.« Damit verfolgt man das Ziel, die eigene Effizienz zum Nutzen der Kunden zu steigern, aber auch das Personal möglichst sinnvoll einzusetzen: »Die Mitarbeiter sollen beim Verdrahten möglichst genaue Vorgaben erhalten, damit wir die Fachkräfte für qualifiziertere Tätigkeiten einsetzen können.« Diese Art der Arbeitsteilung funktioniert in der Praxis gut und hat auch zur Folge, dass die Schaltschränke – die Moeller-Electro prinzipiell bei Rittal einkauft, sofern der Kunde keine anderen Vorgaben macht – bis ins Detail einen perfekten Eindruck machen. Und, als positiver Nebeneffekt, werden die kompletten Leitungssätze inklusive vollständiger Aderbeschriftung bei einem externen Dienstleister gefertigt. Oliver Sohst: »Wir senden die Verdrahtungsinformationen mit Längenangaben aus Eplan Pro Panel Wiring dorthin und erhalten die konfektionierten und beschrifteten Leitungen.«

Mit der Nutzung von Eplan-Daten sowohl für die mechanische Bearbeitung, Erstellung der Beschriftungsdateien als auch für die Kabelkonfektionierung hat Moeller-Electro deutlich an Agilität und Flexibilität gewonnen. Andreas Pröhl: »Man muss der Technik vertrauen und gute Vorarbeit leisten. Wir haben zwei Jahre gebraucht, um alle Möglichkeiten, die Eplan bei der Automatisierung des Schaltschrankbaus bietet, intensiv nutzen zu können. Jetzt profitieren wir davon und optimieren unsere Prozesse immer weiter.« Ein aktueller Schritt ist die Verbindung der Eplan-Plattform mit der neuen ERP-Software: »Wir lesen die Eplan-Stückliste ein und können sämtliche Kaufteile über das ERP bestellen, reservieren und den Materialfluss überwachen.«

Standardaufgaben automatisieren

Ein nochmals größeres Projekt hat Oliver Sohst begonnen, indem er die Vorarbeiten zur Einführung von Eplan Cogineer geleistet hat. Mit diesem Tool lassen sich Standardaufgaben automatisieren und z.B. Angebote erstellen, ohne dass man direkt in die eigentliche Eplan-Welt oder in andere ECAD-Systeme einsteigen müsste. Oliver Sohst: »Unser erstes Ziel bei der Nutzung von Eplan Cogineer ist es, den Kunden sehr schnell verlässliche Angebote zu senden. Wir wählen die Funktionseinheiten aus, die wir als Makro-Typicals hinterlegt haben, legen die Baugrößen zum Beispiel von Motoren fest und können über Dropdown-Menus Optionen wie z.B. den thermischen Motorschutz hinzuwählen. Zum Schluss erstellen wir dann auf Knopfdruck ein Angebot.«

Das führt zu einer deutlichen Zeitersparnis: »Ein umfangreicheres Angebot, für das wir bisher mehrere Tage benötigt haben, können wir jetzt in zwei bis drei Stunden erledigen.« Der Preis ist sehr realitätsnah, das Angebot detailliert. Und wenn der Kunde den Auftrag erteilt, können die Konstrukteure mit den vorhandenen Daten direkt weiterarbeiten. Das spart Zeit und ist auch ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Standardisierung, dem sich Moeller-Electro verschrieben hat. Andreas Pröhl: »Unser Ziel sind reproduzierbare, zuverlässige Ergebnisse bei jedem Prozessschritt – bis zur Beschriftung der Klemmenleisten. Dieses Ziel erreichen wir u.a. mit dem durchgängigen Datenfluss und auch durch die 3D-Konstruktion mit Eplan Pro Panel, die eventuelle Fehler sofort erkennt. Damit sparen wir Zeit und Kosten und erleichtern uns die Arbeit.«

Diesem Ziel dient auch das Arbeiten mit Eplan Cogineer. Dabei sucht Moeller-Electro immer nach Möglichkeiten, den Kunden zusätzliche Dienstleistungen und technisches Know-how zur Verfügung zu stellen. Dazu gehört zum Beispiel die Ergänzung des Personals um zwei Softwaretechniker für die Inbetriebnahme der Anlagen vor Ort. Eine Differenzierung nur über den Preis hält man für nicht sinnvoll. Andreas Pröhl: »Die Werkzeuge von Eplan helfen uns dabei, Differenzierungsmerkmale im Wettbewerb zu setzen. Das möchten wir so weitgehend und umfassend nutzen wie möglich – deshalb auch die frühzeitige Beschäftigung mit Eplan Cogineer.« hjs

Mechatronik

Mechatronisches Engineering ist in der Industrie der Schlüssel zu kürzeren Entwicklungszeiten und zur Reduzierung von Fehlerquellen. In Zeiten von Industrie 4.0 ist Vernetzung auf allen Ebenen gefragt. Doch in vielen Unternehmen gibt es immer noch hohe Hürden zwischen den Abteilungen sowie den IT-Lösungen wie Elektrokonstruktion, Schaltpläneerstellung und mechanischem CAD. Doch erst durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Produktentwicklung und -fertigung und der Datendurchgängigkeit zwischen den verschiedenen IT-Lösungen lassen sich Prozesse automatisieren und damit erheblich Zeit und Kosten sparen.

Entsprechende Mechatroniklösungen finden Sie auf der Hannover Messe in den Hallen 6, 7 und 8 - u.a. bei Anbietern wie Aucotec, Eplan und Wscad.

Erschienen in Ausgabe: 03/2018

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