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Editorial

Bei aller Aufgeschlossenheit für Technik: Vor einigen Fähigkeiten der digitalen Werkzeuge schrecke ich zurück – wie zum Beispiel der Nutzung von Sprachassistenten. Während mein Nachwuchs kein Problem hat, sich mit einer Roboterstimme zu unterhalten, gebe ich die Befehle lieber altmodisch per Tastatur oder Schalter im Smartphone oder Auto ein. Vor einigen Tagen fühlte ich meine Skepsis dann ziemlich bestätigt.

12. Juni 2018

Bei einem Ehepaar in der US-Stadt Portland zeichnete Sprachassistentin Alexa unbemerkt ein Gespräch auf und schickte die Audiodatei ungefragt an einen Mitarbeiter des Ehemanns. Die Erklärung von Amazon: eine unglückliche Verkettung von Umständen; Alexa habe Sprachfetzen als Befehle interpretiert.

Doch meine Zurückhaltung wird den Siegeszug von KI-Werkzeugen wie Alexa mit Sicherheit nicht aufhalten. Zu groß sind die Vorteile, die der – von Natur aus sowieso zur Bequemlichkeit neigende – Mensch im privaten und im industriellen Bereich daraus gewinnen kann.

Doch meine Zurückhaltung wird den Siegeszug von KI-Werkzeugen wie Alexa mit Sicherheit nicht aufhalten. Zu groß sind die Vorteile, die der – von Natur aus sowieso zur Bequemlichkeit neigende – Mensch im privaten und im industriellen Bereich daraus gewinnen kann.

Die Kombination aus Künstlicher Intelligenz, Software, 3D-Druck, Robotern und Sensorik – also Industrie 4.0 – hat es beispielsweise der ehemaligen Siemens-Tochter Gigaset ermöglicht, ihre Smartphones nun wieder in Deutschland zu produzieren. Weltweit gibt es über 100 Smartphone-Hersteller, die allermeisten mit Sitz in Fernost. Bei sich technisch und optisch immer stärker ähnelnden Produkten sind Alleinstellungsmerkmale ausschlaggebend, um am Markt zu bestehen. Und man mag es kaum glauben – eines der Alleinstellungsmerkmale des im i4.0-Werk in Bocholt gefertigten Smartphones ist der Preis: Das teuerste der drei Modelle, das GS 185, wird seit Anfang Juni für 185 Euro angeboten – und soll laut ersten Tests diesen Preis mehr als rechtfertigen.

Ebenfalls seit Juni verkauft Adidas mit dem Modell Am4la wieder die ersten »Made-in-Germany«-Schuhe nach über 20 Jahren Produktion in Billiglohnländern. Und während bisher fast 18 Monate zwischen Entwurf eines Schuhs und Verkaufsbeginn vergingen, soll in der Speedfactory in Herzogenaurach die Zeitspanne nach der Bestellung übers Internet wenige Stunden betragen.

Lesen Sie in dieser Ausgabe, wie auch bei Ihnen neuartige Simulationstools (ab Seite 20), intelligente Sensoren (ab Seite 36) oder i4.0-Software (ab Seite 58) den Design-to-Delivery-Prozess ganz erheblich reduzieren können.

Bei der Frage nach der richtigen Aussprache des neuen Schuhmodells kontaktieren Sie aber bitte Alexa.

Hajo Stotz

Chefredakteur

Erschienen in Ausgabe: 05/2018