Bequem konstruieren und CNC-Programme generieren

Bunte Bilder auf dem Bildschirm interessieren den Chef der Huschle Tischlerei nicht – er hat eine Software gesucht, mit der man bequem konstruieren und CNC-Programme generieren kann. Mit der Branchen-Software Swood vom Software-Haus DPS auf Basis der CAD-Software Solidworks von Dassault Système sieht er eine einfache Ankoppelung an die Fertigung. Der Beweis: An seinen vier Bildschirm-Arbeitsplätzen dürfen Gesellen eigenverantwortlich ganze Projekte realisieren.

26. Juli 2018

Mit der Software Swood-CAM erhält der Anwender eine leistungsfähige Maschinenanbindung, die 3-, 4- oder auch 5-achsige CNC Bearbeitungszentren ansteuern kann. Natürlich sind auch die Tischbelegung und die Ansteuerung von automatischen Konsolen-, Sauger- und Spann-Systemen programmgesteuert möglich. In einer detailgetreuen, farblich gerenderten 3-D-Simulation kann der Anwender prüfen, ob die erstellten Konturen zu Kollisionen führen. Mehrdimensionale Bauteile, wie Krümmlinge, können mit Swood-CAM problemlos 5-achsig simultan gefräst werden. Völlig neu entwickelt wurden auch die erweiterten Sägefunktionen, bei der sich die Bearbeitungs-Schritte per „Drag + Drop“ auf beliebige Flächen ziehen lassen ohne weitere Nullpunkte zu definieren.

Mit jedem neuen Kunden wächst bei DPS die Erfahrung, die sich in Neuerungen niederschlägt. So wurden erweiterte Nut- und Taschen-Makros implementiert. Auch zur Messe Holz-Handwerk werden weitere Verbesserungen vorgestellt: So können zum Beispiel Faserverläufe aus der Konstruktion an die CNC-Bearbeitung übergeben werden. Neue umfangreiche An- und Abfahrts-Strategien sorgen dafür, dem Anwender Zeit und Material zu sparen. Zudem wurde in der neuesten Software-Version die Option zur Ansteuerung von Maschinen im BVX Format realisiert. Termingerecht zur Holz-Handwerk bietet Swood eine Vielzahl neuer Verbinder, die nahezu jede denkbare Verbindung zwischen Bauteilen ermöglichen. Dabei können Kontaktflächen für Verbindungen beliebig angepasst und gleichzeitig ausgewählt werden. In einem Schritt ist alles verbunden. Neu ist auch das unkomplizierte Überfurnieren von Kanten, wobei vollautomatisch Änderungen von Materialstärken von der Software erkannt werden.

Über das neue Swood-Center lassen sich auch einzelne Parameter unabhängig von der Konstruktion steuern. Während der Konfiguration prüft das Center sofort die Machbarkeit und gibt dem Anwender ein Feedback, ob die Änderung aufgrund der hinterlegten Konstruktions- und Fertigungs-Regeln realisiert werden kann. Das ist eine Lösung, die den Kunden der DPS Software GmbH innerhalb der Solidworks Umgebung zur Verfügung steht und mit dem die Prozesse von der Konstruktion bis zu Fertigung weiter automatisiert werden. Das ist für Rüdiger Huschle ganz wichtig, denn seine Mitarbeiter verfügen über keinerlei Konstruktionskenntnisse – aber sie sollen im Prinzip fehlerfrei arbeiten.

Am Beispiel eines Auftrages über 15 Kassen-Theken mit anspruchsvollen Geometrien und Rundungen belegt Rüdiger Huschle den Vorteil der Nutzung von Swood und Solidworks: „Die vom Kunden gelieferten Daten konnten wir problemlos in unserem System verarbeiten und die 15 Kassen-Theken mit höchster Maßgenauigkeit in Schreiner-Qualität herstellen und nach Hamburg liefern.“ Dass weder er noch seine Mitarbeiter in die Hansestadt an der Elbe gefahren sind, um die Maße am Bau zu nehmen, macht deutlich wie moderne Tischler/Schreiner heute arbeiten. Die Huschle Tischlerei fertigt nach Zeichnung – auf den Zehntel-Millimeter. Es gibt auch keine Akquisition von Aufträgen, das Unternehmen aus Gutach arbeitet bevorzugt für Industrie-Kunden, Laden- und Messe-Bauer sowie für Investoren. Dann will ein Bau-Unternehmer, der in Freiburg ein Studenten-Wohnheim oder einen Wohnkomplex mit 23 Wohnungen baut, eben 23 Wohnungs-Einrichtungen haben. Das macht dann die Huschle Tischlerei, die vielleicht gar nicht die Montage macht, sondern ein Kollege vor Ort. Und Maß-Variationen, weil die 23 Wohnungen nicht den gleichen Grunriss haben, stören Huschle gar nicht, weil er diese Herausforderungen mit der Software Swood Design und Swood CAM löst. Und mit wenigen Maus-Klicks hat er einen Schrank in 3-D-Ansicht auf seinen Bildschirm gezaubert und dreht ihn sicher im freien Raum. Dann kopiert er den Schrank in einen neuen Ordner, ändert das Breitenmaß und drückt die linke Maustaste. Und schon sind sämtliche, betroffenen Bauteile geändert und stücklistenmäßig erfasst – und das garantiert fehlerfrei.

Das gilt auch für Änderungen an der Schranktiefe. Für diesen Fall, dass sich Dübelpositionen ändern, hat Rüdiger Huschle eigene Standards in der Software hinterlegt, die er mit einem Maus-Klick in seine aktuelle Konstruktion einbauen kann. „Uns war bei der Entwicklung der Software Swood Design und Swood CAM ganz wichtig“, beschreibt Daniel Möglich die DPS-Motivation, „dass wir keine fertigen Konfigurationen vorgeben, sondern jedem Kunden individuell ermöglichen, eigene Standards zu generieren.“ Das gilt auch für die SwoodBox, eine Art Bibliothek, in der Grundlagen wie CAD-CAM-Daten, Bearbeitungs-Abläufe und Stücklisten gespeichert sind. Damit konnte das Softwarehaus DPS ganz klar bei Rüdiger Huschle punkten.

Neben Massivholz und Holzwerkstoffen kommen für den Zulieferer des klassischen Laden- und Messe-Baus auch zunehmend andere Werkstoffe wie Metalle – bevorzugt Aluminium und Edelstahl – Glas und Kunststoffe zum Einsatz. Rüdiger Huschle ist gerüstet, denn Solidworks von Dassault Systèmes hat für jede Material-Art oder Material-Kombination das geeignete Werkzeug. Er kann entspannt werkstoff-unabhängig konstruieren und dadurch auch Erzeugnisse aus unterschiedlichen Materialien perfekt designen. Die Kreativität von Innen-Architekten und Möbel-Designern fordert immer häufiger den Einsatz von Kunststoffen, mit denen sich leichter extravagante Formen und Geometrien realisieren lassen.

Vor diesem Hintergrund ist für Rüdiger Huschle die Frage nach der Wirtschaftlichkeit seiner derzeitigen Computer- und Software-Lösung völlig nebensächlich. Denn ohne Swood und Solidworks könnte er gar nicht die Aufträge abarbeiten, die ihn heute am Leben halten. Und weil er solide Handwerks-Arbeit mit industrieller Präzision abliefert, hat er sich einen Namen machen können. Aufträge aus ganz Deutschland und Europa geben beredt Zeugnis. Auch ist die Entscheidung des cleveren Schreinermeisters Huschle 4 CAD-CAM-Arbeitsplätze anzuschaffen, nicht direkt mit wirtschaftlichen Kennzahlen zu erklären: Denn er gibt den Meister-Kandidaten unter seinen 9 Mitarbeitern die Chance, ein Projekt von A bis Z in eigener Verantwortung abzuwickeln. Und der Erfolg gibt ihm Recht. Die Möglichkeit, mit modernster Technik zu arbeiten, befördert einen Motivationsschub, der in einer Wirtschaftlichkeitsrechnung wirklich nicht zu erfassen ist. Dafür wird der Chef entlastet – und das ist doch auch was Wertvolles.