Berechnete Nachhaltigkeit

Energieeffizienz

Uwe Burk – Wie mit der Software SolidWorks Sustainability die Umweltbeeinflussung von 3D-Modellen erkannt, optimiert und entsprechend umweltfreundliche Produkte entwickelt werden können, erklärt der Geschäftsführer von SolidWorks.

15. Oktober 2010

Herr Burk, mit SolidWorks Sustainability hat Ihr Unternehmen eine Software vorgestellt, die für nachhaltige Konstruktionen sorgen soll. Was kann man sich darunter vorstellen?

SolidWorks Sustainability ist eine Technologie, mithilfe derer Konstrukteure die Auswirkungen ihrer 3D-Modelle auf die Umwelt identifizieren und optimieren können.

Welche Schritte sind hierzu nötig?

Der Anwender kann für die Berechnung unterschiedliche Parameter eingeben, die als Basis dienen. Die Berechnung ist dabei direkt in den Modellierungsprozess integriert und liefert verschiedene Varianten. Das ist sehr angenehm für die Anwender, denn sie müssen die gewohnte Arbeitsumgebung nicht verlassen und können ihre Modelle im laufenden Entwicklungsprozess umweltfreundlich gestalten.

Welche Vorkenntnisse sollte ein Anwender mitbringen, um SolidWorks Sustainability nutzbringend einsetzen zu können?

Bei SolidWorks-Produkten muss man kein Spezialist sein, um die Ergebnisse auswerten zu können. Dem Anwender stehen moderne Funktionen zur Verfügung, die für eine nachhaltige Konstruktion unentbehrlich sind. Werden bereits die Konstruktionslösungen von SolidWorks eingesetzt, so lässt sich SolidWorks Sustainability über das Task-Fenster in der 3D-CAD-Software starten. Die ermittelten Nachhaltigkeitsdaten werden in einem Anzeigefeld dargestellt und als technische Konstruktionsinformation in der Modelldatei gespeichert.

Wie viel Zeit nimmt die Berechnung insgesamt in Anspruch?

Der Zeitaufwand der Berechnung ist äußert gering. Sie dauert nur ein paar Minuten oder gar Sekunden. Wie gesagt, SolidWorks Sustainability ist direkt in die CAD-Software integriert und wird von dort aus gestartet. Alle erforderlichen Berechnungsdaten sind eingebettet und brauchen vom Anwender nur ausgewählt werden.

Ist diese Technologie denn neu oder gab es schon ähnliche Anwendungen?

Wir haben mit SolidWorks Sustainability das erste integrierte Modul dieser Art auf den Markt gebracht. Auch unterscheiden wir uns von anderen Anbietern, deren Lösungen beispielsweise Umweltdaten aus externen Datenbanken hinzuziehen müssen.

Woher bezieht SolidWorks die Umweltdaten?

Unsere Lösung ist nicht nur eine integrierte Funktion, sondern auch eine Datenbank. Sie enthält wissenschaftlich fundierte Informationen, die zur Bewertung der Umweltverträglichkeit von Konstruktionen nötig sind. Basis ist die Datenbank der GaBi-Software von PE International aus Stuttgart.

Wofür steht GaBi?

GaBi steht für ganzheitliche Bilanzierung und den Ansatz, den PE International verfolgt. Die empirisch ermittelten Datensätze decken ein enormes Spektrum an Materialien sowie die Bereiche nachwachsende Rohstoffe, Energiebereitstellung, Verarbeitungsprozesse oder auch Entsorgung ab, um nur einige zu nennen.

Das heißt die Bewertung umfasst den gesamten Lebenszyklus einer Konstruktion beziehungsweise eines Produktes?

Nachhaltigkeit beeinflusst heute nicht nur das Verhalten der Konsumenten sondern auch das der Unternehmen. Den Entwicklern bei SolidWorks war es daher wichtig, den gesamten Lebenszyklus eines Produktes abzubilden. Vom Rohstoffanbau über die Fertigung bis hin zur Nutzung und Entsorgung des Produkts. SolidWorks Sustainability bewertet hier die verschiedenen Phasen des Lebenszyklus anhand von vier Faktoren: der CO2-Bilanz, den Auswirkungen auf Luft und Wasser sowie dem Gesamtenergieverbrauch.

Nehmen wir den Energieverbrauch – welche Themen spielen hier eine Rolle?

Diese Messgröße berücksichtigt die verwendete Energie sowie die erforderlichen Ressourcen für die Gewinnung und Verarbeitung von Rohstoffen zu Werkstoffen, die Weiterverarbeitung dieser Materialien zu Endprodukten, den Produkteinsatz sowie das Lebensende. Werden die Einzelteile des Produkts zum Beispiel weggeworfen, verbrannt oder recycelt? Zudem werden auch die Transportwege berücksichtigt, die während des Lebenszyklus anfallen.

Können Sie kurz die Vorteile skizzieren, die eine Lösung wie SolidWorks Sustainability für Unternehmen bietet?

Unternehmen, die sich nachweislich für eine bessere Umwelt einsetzen, können ihr Image und ihre Wahrnehmung am Markt verbessern. Ein weiterer Grund, sich für den Einsatz der SolidWorks-Lösung zu entscheiden, ist die internationale ISO Umweltmanagementnorm 14001. Als Teil einer Normenfamilie legt sie weltweit anerkannte Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem fest. Dazu gehören unter anderem Ökobilanzen, die sich mit unserer Software erstellen lassen. Auf lange Sicht werden Unternehmen verpflichtet sein, diese Normen einzuhalten.

Wie können die ermittelten Nachhaltigkeitsdaten kommuniziert werden?

Mit der Software lassen sich ausführliche Berichte erstellen, die Aufschluss über die Umweltverträglichkeit der Modelle geben und die Nachvollziehbarkeit von Veränderungen in unterschiedlichen Konfigurationen gewährleisten. Auch Präsentationen für die schrittweise Dokumentation des Konstruktionsprozesses sind möglich. Diese Berichte sind kundenspezifisch anpassbar und eignen sich als Präsentationen, etwa für die Vertriebs- oder Marketingabteilung.

Warum ist es so wichtig, diese Optimierung bereits in der Konstruktion durchzuführen?

Schätzungen der Europäischen Kommission zufolge, gehen zirka 80 Prozent aller produktbezogenen Umweltauswirkungen auf die Konstruktion zurück. Hier sind die Stellschrauben, die eine umweltfreundliche Produktentwicklung erst möglich machen. Zudem können Unternehmen mithilfe der Ökobilanz Wege zur Verbesserung der gesamten Systemleistung identifizieren und Innovationen vorantreiben.

Aus welchen Lizenzmodellen können Interessenten wählen?

Es gibt zwei Versionen: SolidWorks Sustainability Xpress, das kostenlos in jeder Lizenz der SolidWorks CAD-Software ab Version 2010 enthalten ist, und die Vollversion SolidWorks Sustainability. Beide Versionen sind in deutscher Sprache erhältlich.

Welchen Funktionsumfang bieten die jeweiligen Versionen?

SolidWorks Sustainability Xpress ermöglicht die Zyklusbewertung von Teilen und ähnliche Materialien mit dem ursprünglichen Material in Bezug auf Umweltbelastungen sowie physikalische Eigenschaften, wie zum Beispiel Wärmeleitfähigkeit und Fließgrenze, miteinander zu vergleichen. Die Vollversion bietet darüber hinaus die Möglichkeit, komplette Baugruppen zu bewerten. Mithilfe der Baugruppenvisualisierung ist auch die farbliche Kennzeichnung und Selektion von Teilen hinsichtlich ihrer Umweltbeeinflussung möglich. Über die Konfigurationshilfe lassen sich zudem mehrere Konstruktionsiterationen miteinander vergleichen. Ferner ist es möglich, die Berechnungen durch Eingabe kundenspezifischer Daten hinsichtlich Energieverbrauch und Transport zu verifizieren.

SolidWorks/csc

Zur Person

- Uwe Burk ist Country Manager Central Europe bei SolidWorks Deutschland . Von Haar bei München aus leitet er das operative Geschäft des 3D-CAD-Software-Herstellers.

- Zuvor arbeitete der gebürtige Hesse bei der Siemens PLM GmbH. Von 2001 bis 2007 hatte Burk mehrere Positionen bei den PLM-Software-Herstellern UGS und EDS inne.

Erschienen in Ausgabe: Sonderheft Green/2010