Berechnete Qualität

Konstruktionsmanagement

Schaltschrankplanung – Der Einbau von Schaltgeräten in ein Gehäuse kann den zulässigen Gerätebemessungsstrom abweichend von der Einzelmessung herabsetzen. Eine Planungssoftware vereinfacht jetzt den Bauartnachweis für Schaltanlagen nach IEC 61439.

31. August 2011

Eine Forderung der neuen internationalen Norm IEC 61439-1/-2 für Niederspannungsschaltanlagenist eine umfangreiche Dokumentation der Konstruktions- und Leistungsmerkmale. Dies betrifft neben den Nachweisen über die Bauart einer Schaltanlage, die durch den Hersteller des Schaltanlagensystems erstellt werden, auch die exakte Angabe der Betriebsbemessungsströme von Schaltgeräten. Hintergrund der neuen Vorschrift ist die Tatsache, dass der Einbau eines Schaltgeräts in ein Gehäuse oder Compartment einer Schaltanlage abweichend von der Prüfung der Schaltgeräte nach der jeweiligen Schaltgerätenorm ein Herabsetzen des Gerätebemessungsstroms zur Folge haben kann. Der Hersteller muss daher entsprechend der neuen Norm für jeden Stromkreis den zulässigen Bemessungsstrom Inc benennen, den der Stromkreis unter den gewählten Bedingungen führen kann. Auch der Hersteller einer Schaltanlage muss dies bei der Planung seiner Schaltanlage für jedes eingebaute Schaltgerät und jeden Stromkreis berücksichtigen.

Sowohl den Herstellern der Schaltanlagen als auch den Anwendern bietet die neue Norm wesentliche Vorteile: So werden mit dem erweiterten Bauartnachweis durch die Einbeziehung der Gehäusenorm weitere Qualitätsmerkmale definiert, die die Qualität der Niederspannungsschaltanlage steigern. Darüber hinaus sind ihre Schnittstellen zur externen Peripherie detaillierter spezifiziert. Nicht zuletzt ist die Auslegung einer Niederspannungsschaltanlage einfacher und sicherer, da der Einfluss von Gehäuse und Schutzart auf die Betriebsweise der Schaltgeräte stärker berücksichtigt wird.

Frühzeitige Unterstützung

Der Schaltschrankspezialist Rittal aus dem hessischen Herborn hat deshalb die neue Version 6.0 seiner Planungssoftware »Power Engineering« vorgestellt, die Maschinen- und Anlagenbauer bei der Planung und Nachweisführung von normgerechten Schaltanlagen der Ri4Power-Serie von Rittal umfassend unterstützt. So ermöglicht es die Software schon bei der Planung einer Niederspannungsschaltanlage, unter Berücksichtigung der Schutzart und des Einbauortes innerhalb der Anlage das passende Schaltgerät auszuwählen, das den geforderten Strom des Stromkreises führt. Ebenso stellt die Software den entsprechenden Bauartnachweis auf Knopfdruck zur Verfügung. Dazu bietet das Tool Checklisten an, mit denen der Schaltanlagenbauer alle Erfordernisse prüfen kann, die bei der Planung und Ausführung der Schaltanlage zu berücksichtigen sind. Ein Formular und hinterlegte Checklisten unterstützen bei der systematischen Durchführung und Dokumentation der erforderlichen Prüfungen für den abschließenden Stücknachweis, der für jede erstellte Schaltanlage zu erstellen ist.

Vielseitig einsetzbar

Die neue Version unterstützt die Anwender nicht nur bei Rittals Systembaukasten für Niederspannungsschaltanlagen der Serie Ri4Power, sondern zusätzlich auch bei Niederspannungsschaltanlagen bestehend aus dem Kompaktgehäusesystem TS 8 und dem modularen60-Millimeter-Sammelschienensystem RiLine60. Die erweiterte Montageplan-Funktion unterstützt beim Aufbau der Sammelschienensysteme und reduziert so die Montagezeit.

Zu den hinterlegten Produktdaten gehören neben den Kompaktschränken AE und CM auch der Kunststoffschrank KS sowie der Einzelschrank ES5000. Der Kompaktschrank AE steht sowohl in der Stahlblechausführung in Schutzart IP66 als auch in der IP69k- und Edelstahlvariante zur Verfügung. Der Einzelschrank ES5000 ist ebenfalls in Edelstahlausführung konfigurierbar. Je nach Schranksystem lassen sich Sockel, Boden- und Dachbleche sowie Türvarianten auswählen. Zudem lässt sich Zubehör wie Schaltschrankbeleuchtungen, Heizungen und andere Verschlussvarianten auf Wunsch automatisch in jeden Schrank konfigurieren.

Einfache Bedienung

Nach Eingabe der benötigten Parameter lassen sich die passenden Rittal-Sammelschienensysteme der Baureihe RiLine60 auswählen und platzieren. Zur Wahl stehen dabei die Flachschienensysteme bis 30 x 10 Millimeter sowie die komplett überbaubaren PLS-Sammelschienensysteme. Zusätzlich sind PE/PEN/N-Schienensysteme und Kabelkanäle konfigurierbar. In der Gerätekonfiguration lassen sich anschließend die gewählten Sammelschienensysteme oder Montageplatten mit RiLine60-Komponenten bestücken. Die dynamische Anordnung der Sammelschienenhalter gewährleistet dabei stets die Einhaltung des maximalen Abstandes der Sammelschienenhalter.

Zudem berechnet die Software die Verlustleistungswerte für Komponenten, Sammelschienensysteme und den kompletten Schrank, die als Grundlage für eine Klimatisierungsberechnung mit der Software »Therm« von Rittal verwendet werden können. Daneben berechnet die Lösung den Bemessungsstrom der Anlage sowie den Reserveplatz der Sammelschienensysteme zum Nachweis der Anforderungen für Endkunden. Die Montageplan-Funktion veranschaulicht in drei verschiedenen Darstellungen die Positionierung der Sammelschienensysteme und Montageplattengeräte im Schrank sowie die Zuordnung der Komponenten mittels Artikelnummer. Damit vereinfacht die Software die exakte Zuordnung der bestellten Artikel zu einem Schrank oder einem Arbeitsplatz in der Arbeitsvorbereitung.btz

Auf einen Blick

-Die Software Rittal Power Engineering unterstützt bei Planung und Bauartnachweis von Niederspannungsschaltanlagen.

-Die integrierte Schaltgerätedatenbank ermöglicht die Berechnung von Bemessungsströmen und Verlustleistungen von Baugruppen namhafter Hersteller sowie ihre Platzierung.

-Die automatische Erstellung von Stücklisten und feldbezogener Montagepläne unterstützt bei Arbeitsvorbereitung und Montage.

Erschienen in Ausgabe: 06/2011