Besser als null

Lagertechnik

Als bislang einziges Fertigungsunternehmen ist SKF Mitglied im »Climate Savers Programme« des WWF und geht mit seinem Programm Beyond Zero an die Grenzen des technisch Machbaren. Im Dienste der Umwelt.

28. Mai 2014

Im Prinzip hat SKF den Umweltschutz schon seit 1907 im Programm. Denn seit der Gründung geht es um weniger Reibung und somit geringeren Energieverbrauch. Angesichts des wachsenden ökologischen Bewusstseins ist dieser Ansatz aktueller denn je: Zahlreiche Industriezweige sehen sich mit steigenden Energiekosten oder gesetzlichen Vorschriften konfrontiert, die nach neuartigen, ressourcenschonenderen Lösungen verlangen. »Es gilt, eine optimale Energiebilanz zu erzielen«, erläutert Dr. Alan Begg, Entwicklungschef von SKF. »Und dazu braucht es maximale Effizienz.«

207 Millionen Euro hat SKF in Forschung und Entwicklung investiert, immer mehr Neuheiten zielen darauf ab, neben dem Etat der Kunden auch die Natur zu schonen. »Nachhaltigkeit begreifen wir bei SKF als umfassende Verantwortung für Geschäft, Umwelt, Mitarbeiter und Gesellschaft. Wir nennen das SKF Care.«

Zweimal ökologisch

Ein Leuchtturm dieser Philosophie ist das Programm »Beyond Zero«, mit dem SKF Umweltschutzmaßnahmen konkret umsetzen will. »Das 2005 ins Leben gerufene Konzept berücksichtigt nicht nur die eigene Produktion, sondern auch den Einsatz von SKF-Produkten beim Kunden«, betont Alan Begg.

Deshalb diene Beyond Zero zwei ökologisch relevanten Zielen gleichzeitig, nämlich der Reduzierung von Umweltbelastungen durch die eigene Geschäftstätigkeit und der Lieferung von innovativen Technologien, Produkten und Lösungen, die dem Anwender zu einer besseren Umweltbilanz verhelfen.

Und wenn es gelingt, Lager, Gehäuse oder Schmierstoffe durch energieschonende Verfahren herzustellen, sinken die Produktionskosten. Auch die Kunden von SKF können kostengünstiger produzieren, wenn sie etwa energiefressende Reibungsverluste in ihren Anlagen durch den Einsatz von Lösungen gemäß Beyond Zero minimieren.

Im Kern stehen also eine höhere Energieeffizienz sowie ein reduzierter CO2-Footprint. Im eigenen Haus setzt SKF das nach eigenen Angaben konsequent und ehrgeizig um, alle Vorgaben gelten für Werke und Logistik von SKF selbst, aber auch für die Lieferanten. So entlassen auch die Anwender entsprechender Lösungen deutlich weniger CO2 in die Atmosphäre. 2012 schlägt als Ergebnis ein Minus von schätzungsweise 1,6 Millionen Tonnen an Treibhausgasen zu Buche.

Am unmittelbarsten zeigt sich Beyond Zero aber an den zahlreichen konkreten Produkten, die die Kriterien des Programms erfüllen. Die Palette reicht von reibungsarmen Wälzlagern über spezielle Dichtungen bis hin zu elektromechanischen Hubzylindern.

Ein Beispiel sind die Produkte mit dem Zusatz »E2«. Das steht in der Nomenklatur von SKF als Kürzel für »Energie Effizient«. Ein mit E2-Kegelrollenlagern ausgestattetes LKW-Hinterachsgetriebe spart nach Angaben der Schweden rund 0,15 Liter auf 100 Kilometer, pro Jahr ergeben sich so 150 Liter pro Jahr und Fahrzeug.

Wird ein solches Lager als Ritzellager eingesetzt, können Fuhrparkbesitzer Energieeinsparungen von rund 500 Watt verwirklichen. Die E2-Lager erzielen diese Reibungsminimierung laut SKF über den gesamten Drehzahlbereich hinweg. Dadurch stößt ein einziger LKW mit vier Lagern dieses Typs auf 100.000 Kilometern jährlich bis zu 398 Kilogramm weniger CO2 aus.

E2-Rillenkugellager eignen sich für Pumpen, Fördersysteme, Gebläse oder Elektromotoren, bei denen leichte bis mittlere Belastungen und hohe Drehzahlen vorherrschen. Sie erbringen rund 30 Prozent weniger Reibung als handelsübliche Lager und sorgen damit auch für geringeren Energieverbrauch. Ersetzt man beispielsweise die 200 konventionellen Lager in einer durchschnittlichen Textilmaschine durch abgedichtete SKF-E2-Rillenkugellager, so spart diese in 8.000 Stunden Betriebsdauer pro Jahr rund 8,5 Tonnen CO2 beziehungsweise 11.310 Kilowattstunden pro Jahr ein. Das macht den Umweltschutz selbst in Schwellenländern attraktiv.

SKF Conro ist eine robuste, modulare Rolleneinheit mit Lagern, Dichtungen, Gehäuse, Fett, Rollenkörpern und sogar Wasseranschlüssen. Sie kommt in der extrem anspruchsvollen Umgebung einer Stranggießanlage zum Einsatz. Ein patentiertes Dichtungssystem schützt die Lager vor Wasser und Verunreinigungen.

Die langlebige Rolleneinheit erfordert keine Instandhaltung des Schmiersystems und senkt den Fettverbrauch ebenso erheblich wie die Abfallverarbeitungs- und Entsorgungskosten.

Gemessen an konventionellen Lösungen vermeidet jede SKF-Rolleneinheit rund 1,5 Tonnen CO2-Ausstoß pro Jahr. In einer Stranggießanlage mit 400 dieser Einheiten summieren sich die Einsparungen auf rund 600 Tonnen jährlich. Stahlwerke können die Betriebskosten für ihre Walzstraßen mit SKF ConRo um bis zu 50 Prozent senken.

Extended-Life-Gelenklager gehören dank ihres tribologischen Gesamtsystems laut SKF zu den ersten praktisch wartungsfreien Stahl-Stahl-Gelenklagern im Markt. Sie sind so gut wie korrosionsfrei, stark reibungsminimiert und verfügen über Hochleistungsdreilippendichtungen, die das Eindringen von Verunreinigungen ins Lager annähernd unmöglich machen. Alle Faktoren zusammen verhindern einen vorzeitigen Lagerausfall und senken die Gesamtbetriebskosten.

Es ist keine Nachschmierung erforderlich. Darum verbraucht ein einziges Lager mit 100 Millimeter Bohrungsdurchmesser bis zu 876 Gramm weniger Fett pro Jahr. In einem Traktor mit sechs Lagern dieser Bauart und Größe ergibt das ein Minus an 5,2 Kilogramm Fett beziehungsweise 7,7 Kilogramm CO2 pro Jahr.

Weil die Extended-Life-Gelenklager außerdem eine 37 Prozent geringere Reibung als Standardlager aufweisen, wird im Betrieb sogar noch deutlich mehr CO2 eingespart. Die Lager eignen sich vor allem für Anwendungen in Land-, Forst- und Baumaschinen, bieten ihr Kosteneinsparungspotenzial aber auch überall dort, wo heute noch nachgeschmiert werden muss.

Mit gutem Beispiel voran

»Der zunehmende Erfolg unserer Beyond-Zero-Lösungen zeigt eindeutig, dass unsere Kunden bereit sind, sich dem Thema immer mehr zu öffnen«, analysiert Alan Begg. Deshalb plane SKF auch, die entsprechende Produktpalette weiter auszubauen: »Wir haben uns vorgenommen, den Umsatz mit unserem Beyond-Zero-Portfolio von zuletzt etwa 282 Millionen Euro auf rund eine Milliarde Euro im Jahr 2016 zu steigern.«

Außerdem will das Unternehmen beim Umweltschutz weiterhin mit gutem Beispiel vorangehen. So hat sich der Konzern auf die Fahnen geschrieben, seinen jährlichen Energieverbrauch so weit zu senken, dass er im Jahr 2016 fünf Prozent unter dem Niveau von 2006 liegt. Außerdem ist geplant, das Verhältnis des Gesamtenergiebezugs zur Wertschöpfung jedes Jahr um fünf Prozent zu verbessern.

Zu diesem Zweck sollen SKF-Werke weltweit gemäß der Energiemanagement-Norm ISO 50001 zertifiziert werden. »Nachhaltigkeit ist für uns eben kein bloßes Lippenbekenntnis, sondern die praktische Kombination aus betriebswirtschaftlich erfolgreichem Handeln und aktivem Engagement zur Erhaltung der Ressourcen für künftige Generationen«, resümiert der Entwicklungschef.

SKF ist ein Hersteller von Wälzlagern, Dichtungen, Mechatronik-Bauteilen und Schmiersystemen mit umfassenden Dienstleistungen in den Bereichen Engineering, Wartung, Instandhaltung, Training. Weltweit ist SKF in mehr als 130 Ländern präsent und arbeitet mit rund 15.000 Vertragshändlern zusammen. Der Umsatz der Unternehmensgruppe betrug 2013 rund 63,5 Milliarden schwedische Kronen. Die Anzahl der Mitarbeiter lag bei 48.401.

Erschienen in Ausgabe: 04/2014