Bewegende Ideen

Elektromotoren – Wie aus einem Modellbauer ein Hersteller von High-End-Elektromotoren wurde – die Geschichte von Plettenberg ist spannend und zeigt, welche Chancen sich durch Einsatz und das richtige Gespür für die Anwendung ergeben können.

03. September 2019
Bewegende Ideen
In einer kleinen, feinen Fabrik in Baunatal mit nagelneuer Montage entstehen bei Plettenberg Elektromotoren, die ursprünglich für den Modellbau designed waren. (© Plettenberg)

von Michael Kleine

Jedes Unternehmen hat seine speziellen Eigenheiten und viele deuten auf eine einzigartige Firmengeschichte hin. Aber dass ein heute etablierter Hersteller von Elektromotoren mal als reines Modellbaugeschäft auf Basis von Laubsägearbeiten begonnen hat, klingt besonders spannend. So geschehen ist es aber bei der Plettenberg Elektromotoren GmbH & Co. KG. »Mein Großvater hat das Unternehmen 1935 gegründet, um Modellbauartikel zu verkaufen«, erzählt Uwe Plettenberg, der in dritter Generation die Unternehmensgeschicke leitet.

Er selbst war darum von klein auf tief in der Materie drin und wurde 1981 sogar Weltmeister in der Rennbootklasse F1 E bis ein Kilogramm. »Ich benötigte dafür aber einen leistungsstarken und leichten Motor, und weil ich diesen auf dem Markt nicht finden konnte, habe ich damals mit meinem Vater selbst einen entwickelt und gebaut.«

Dieser Moment leitete den Wandel ein hin zu einem Hersteller von Elektromotoren: Mit viel Neugier und Forscherdrang startete das Unternehmen 1987 mit der Serienproduktion für Modellbaumotoren, 1995 kamen dann bürstenlose Motoren hinzu. Zwei Jahre später übernahm Uwe Plettenberg offiziell das Ruder und zog in ein neues Firmengebäude um. Wenig später folgte der Entschluss, Antriebe für industrielle Anwendungen herzustellen, und 2010 kamen auch selbst entwickelte Steuerungen ins Sortiment.

Der letzte Meilenstein war sicherlich die strategische Entscheidung, das Unternehmen als High-End-Elektromotorenmanufaktur zu positionieren. »So wollen wir uns klar vom Billig-Massenmarkt abheben und die Philosophie Made in Germany vertreten«, betont der Geschäftsführer. »Wir sehen uns als Manufaktur und hochspezialisierten Anbieter von elektrischen Antriebseinheiten, die bei geringem Gewicht wenig Bauraum beanspruchen und dabei höchste Leistung bringen.«

High End als Standard

Die Produkte aus Baunatal bieten eine hohe Leistung und sind leicht und kompakt. Bei Plettenberg findet der Anwender Wirkungsgrade bis zu 94 Prozent im Gesamtsystem, mit einem maximalen Leistungsgewicht von 26 Kilowatt pro Kilogramm. Die Motoren leisten Drehzahlen bis zu 70.000 Umdrehungen pro Minute und die Motorsteuerungen bis zu 30 Kilowatt. »Diese Standardkomponenten bilden die Grundlage für kundenspezifische Antriebssysteme als eigentlichen Schwerpunkt unserer Arbeit«, sagt Uwe Plettenberg. »Wir können dem Kunden für sein Projekt optimal angepasste elektrische Antriebe und Steuerungen anbieten.«

Das alles geschieht bei einer hohen Fertigungstiefe auf einem modernen Maschinenpark mit CNC-Bearbeitungszentren sowie Lasercutter. »Das gepaart mit spezialisierter Handarbeit gewährt uns maximale Flexibilität und Unabhängigkeit und generiert höchste Leistung auf kleinstem Bauraum«, sagt Plettenberg. Ein wichtiger Baustein sei auch die sehr akribische Qualitätssicherung. »Basis von allem sind aber unsere sehr qualifizierten Mitarbeiter, Teamarbeit und -entwicklung werden gelebt, der Identifikationsgrad ist hoch.«

Die Anwendungen sind in der Medizintechnik zu finden, in Werkzeugen, elektrischen Motorrädern, Kanalsanierungsrobotern oder in diversen Fluggeräten. Zwei sehr unterschiedliche aktuelle Projekte zeigen die große Bandbreite der Lösungen aus dem Hause Plettenberg.

Zum einen ist das Unternehmen Teil des Konsortiums beim Leuchtturmprojekt »INOPRO – Intelligente Orthesen und Prothesen«. Ziel dabei ist, die Lebensqualität betroffener Menschen immer weiter zu erhöhen, und dazu bedarf es intensiver Forschung und leistungsfähiger Komponenten. »Wir sind dabei im Forschungsteam mit Kleinstmotoren vertreten, die Leistungen von 25 Watt bei einem Gewicht von 30 Gramm erbringen – das ist die fünffache Leistung der bisher eingesetzten Motoren«, sagt Uwe Plettenberg.

Im Gegensatz dazu steht die Elektrifizierung der Rapsody 29, einer bemannten Jacht, die mit einem Doppelmotor ausgestattet ist, der eine Leistung von 2 x 50 beziehungsweise 2 x 90 Kilowatt Peak leistet. Der gesamte optimierte Elektroantrieb wiegt nur 46 Kilogramm, 362 Kilogramm weniger als ein üblicher Verbrennungsantrieb. Dieses Gewicht kann als Batteriepack dienen und die Reichweite deutlich erhöhen.

Belohnte Anstrengungen

Aufgrund ihres Know-hows sieht sich Plettenberg in der Lage, den Kunden von der Entwicklung bis zur Integration der Motorisierung in die Anwendung zu begleiten. »Dies ist einzigartig in der Branche, und dafür wurden wir als TOP-100-Innovator ausgezeichnet. Es ist von großer Bedeutung für uns, durch die Auszeichnung eine Bestätigung für unsere langjährige innovative Arbeit erhalten zu haben«, freut sich Uwe Plettenberg. »Durch den Bewerbungsprozess für den Innovationspreis konnten wir uns zudem weiteres Entwicklungspotenzial für unsere Arbeit erschließen.« Denn jeder Teilnehmer erhält einen wertvollen Branchenvergleich in Form einer Innovationsbilanz.

Uwe Plettenberg: »Wir sind sehr stolz, dass wir in vier von fünf Kategorien mit A beziehungsweise A+ bewertet wurden und somit deutlich über dem Durchschnitt der KMU liegen.« Es sei das erklärte Ziel seines Unternehmens, die Philosophie einer hochqualitativen Fertigung und die ausgeprägte Außenorientierung weiter zukunftsfähig zu gestalten und so als zuverlässiger Partner mit den Kunden interessante Projekte der elektrischen Mobilität zu motorisieren.

Ausdruck fand die Auszeichnung in einem Tag der offenen Tür, bei dem Uwe Plettenberg und seine Frau Diana mit ihren 20 Mitarbeitern vielen Geschäftspartnern, Freunden und Offiziellen die Einsatzgebiete der Plettenberg-Motoren und die Produktion nahebrachten. Gleichzeitig wurde die Einweihung der neuen Produktionshalle und die komplette ergonomische Neugestaltung der Montage gefeiert. T

Erschienen in Ausgabe: 06/2019
Seite: 24 bis 25