Bigrep präsentiert erste Flugzeugsitze aus dem 3D-Drucker

Bigrep und Dassault Systèmes haben auf der Aircraft Interiors Expo in Hamburg die nach eigenen Angaben weltweit ersten, vollständig im 3D-Druck hergestellten Flugzeugsitzsysteme vorgestellt.

08. April 2019
Bigrep präsentiert erste Flugzeugsitze aus dem 3D-Drucker
Der Aero Seat ist ein Sitz aus der Technologie für autonomes Fahren. Die Sitzschale wirkt fast wie ein bionischer Sitz, denn er passt sich der individuellen Körperform des Passagiers an. ( Bild: Bigrep)

Die beiden Prototypen, so heißt es, haben das Potenzial, die Kabinenausstattung von Flugzeugen sowie das Reiseerlebnis für Passagiere grundlegend zu verändern. Dabei handelt es sich einerseits um den Retro Seat, einen gebrauchten Sitz, der mithilfe additiver Fertigung komplett neu designt wurde, sowie um den Aero Seat, einen bionischen Passagiersitz. Beide Sitze fallen laut Anbieter durch ein elegantes, visionäres Design auf, das in dieser Form in der Kabinengestaltung von Flugzeugen des 21. Jahrhunderts völlig neu sei.

Beide Sitzsysteme wurden mithilfe der 3D Experience Plattform und der Branchenlösung »Passenger Experience« von Dassault Systèmes entwickelt. Ingenieure nutzen die Plattform für die Konstruktion und Simulation optimierter Bauteile, im Hinblick auf den verfügbaren Bauraum, die zu erwartenden Lasten, die Randbedingungen, die Fertigungsprozesse sowie die unterschiedlichen Materialanforderungen.

Anschließend werden die so optimierten Bauteile auf 3D-Druckern produziert. »Unser Retro Seat bringt eine Gewichtsersparnis von 50 Prozent und schafft damit enorme Vorteile für einen nachhaltigen Flugzeugbau wie auch für die Betriebskosten. Unsere Prototypen zeigen den großen Nutzen des 3D-Drucks für Flugzeughersteller und -gesellschaften gleichermaßen«, sagte Daniel Büning, Mitbegründer und Managing Director des Nowlab von BigRep. »Darüber hinaus können so auch Vorlagen, Einrichtungs- und Kabinenteile vor Ort und on demand gedruckt werden. Der 3D-Druck wird die Möglichkeiten kreativer Ingenieurstechnik erweitern. In diesem Prozess wird die 3D Experience Plattform für Designer eine Schlüsselfunktion einnehmen«.

Additive Fertigung für alle Kabinenteile

Bigrep und Dassault Systèmes wollen zeigen, wie die additive Fertigung für alle Kabinenteile genutzt werden kann – von den Sitzen über Armstützen zu Wandpaneelen – und wie sich dank dieses Verfahrens individuell designte Bauteile ab Losgröße 1 bis zur Kleinserienfertigung produzieren lassen.

Der Retro Seat nutzt alle technischen Möglichkeiten des 3D-Drucks aus und bietet Hightech Features wie induktives Laden, mit dem sich Smart Phones kabellos aufladen lassen. Der Rückseite der Kopfstütze ist sowohl mit einem »Bring your own device« Anschluss für die Verwendung von Tablets oder anderen Endgeräten sowie mit mehreren USB-Ports ausgestattet. Darüber hinaus schaffen die im Sitz eingelassenen blauen LED-Leuchtpaneel eine für Nachtflüge ideale Lichtstimmung. Die Armlehne ist mit einem intelligent gestalteten Fach für das sichere Verstauen von Laptops bei Start und Landung ausgestattet.

Der Aero Seat ist ein Sitz aus der Technologie für autonomes Fahren. Die Sitzschale wirkt fast wie ein bionischer Sitz, denn er passt sich der individuellen Körperform des Passagiers an: Mithilfe eines 3D-Körperscans vor der Herstellung des Sitzes angefertigt, bietet dieser dem Nutzer einen bislang unerreichten Sitzkomfort – nicht zuletzt dank der aus flexiblem Material 3D-gedruckten Sitzkissen, die sich der Körperform intuitiv anpassen – das bedeutet weniger körperliche Belastung etwa bei langen Reisen.

Neuer Standard für kreatives Design

Für beide Prototypen übernahmen die Ingenieure nicht einfach bestehende, konventionelle Sitzkonstruktionen für Flugzeuge, sondern konzipierten die Designs speziell für die großformatige 3D-Drucktechnologie im FFF-Segment. Damit setzen sie nach eigenen Angaben einen neuen Standard für wirklich kreatives Design, indem die Beschränkungen herkömmlicher Ingenieurtechnik aufgehoben werden. Beide Sitze bieten ein voll integriertes Design, d.h. Komponenten oder Elektronik lassen sich während des Druckvorgangs einbetten.