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Kunststoffe – Ein geschlossener Materialkreislauf statt Restmüll für Kapsto Schutzelemente: Die Initiative Pöppelmann blue strebt eine Wiederverwertung durch Recycling an.

10. April 2018

Die Europäer erzeugen nach Angabe der Europäischen Kommission jedes Jahr 25 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle. Angesichts von Klimawandel, Umweltverschmutzung, Bevölkerungswachstum und Ressourcenabhängigkeit sind Umwelt- und Klimaschutz zur globalen Herausforderung geworden. Laut der gemeinsam vorgelegten Studie von Weltwirtschaftsforum (WEF) und der Ellen-MacArthur-Stiftung werden aktuell nur 14 Prozent der globalen Gesamttonnage aller Kunststoffverpackungen wiederverwendet oder recycelt.

Die Experten sind jedoch der Ansicht, dass sich durch konzertiertes Handeln der Wirtschaft mit aktueller Technologie die Quote auf 70 Prozent anheben ließe. Die EU-Kommission hat soeben eine europäische Kunststoffstrategie vorgelegt, die als einzige langfristige Lösung ebenfalls die Reduzierung von Kunststoffabfällen durch ein verstärktes Recycling und gesteigerte Wiederverwendbarkeit vorsieht. Der Weg zu mehr Nachhaltigkeit ist daher gerade in der Kunststoffindustrie ein viel diskutiertes, wichtiges Thema.

Die Pöppelmann GmbH & Co. KG richtet ihren Fokus mit der unternehmensweiten Initiative Pöppelmann blue jetzt noch stärker auf dieses Thema. »Als Industrieunternehmen im Bereich der Kunststoffverarbeitung sehen wir uns besonders in der Pflicht, unsere Produkte und Prozesse so umweltverträglich wie möglich zu gestalten. Das beginnt bereits in der Entwicklung mit der Analyse der ökologischen Aspekte und zieht sich durch den gesamten Lebenszyklus unserer Erzeugnisse. Unser erklärtes Ziel lautet, wirtschaftliches Handeln und ökologisches Denken in Einklang zu bringen«, erklärt Torsten Ratzmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Pöppelmann-Gruppe.

Recycling als eine Kernkompetenz

Und so liegt es auf der Hand, dass die Verwendung von Recyclingmaterialien zu den Kernkompetenzen der Unternehmensgruppe gehört: Seit rund 20 Jahren kommen Rezyklate in den verschiedenen Geschäftsbereichen zum Einsatz. Hierzu zählen beispielsweise Post-Industrial-Rezyklate, also rückgeführte und aufbereitete Kunststoffprodukte aus verschiedenen Produktionsprozessen. In der Division Pöppelmann Teku, der Gartenbau-Sparte des Unternehmens, liegt der Anteil von Rezyklaten für verschiedene Pflanzentöpfe bereits bei mehr als 80 Prozent. Auch bei Pöppelmann Kapsto und K-Tech werden Rezyklate in verschiedenen Bereichen der Industrie eingesetzt.

Die Nutzung von Recyclingmaterialien ist damit ein wichtiger Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens. Jetzt geht es aber noch einen Schritt weiter: Eine neue strategische Initiative unter dem Motto »Pöppelmann blue« bündelt unternehmensweit Aktivitäten, die eine durchgängige Kreislaufwirtschaft vorantreiben sollen. »Denn der Übergang von einer Linear- zu einer Kreislaufwirtschaft ist ökologisch absolut notwendig. Mit Pöppelmann blue streben wir, wo möglich, einen geschlossenen Materialkreislauf an, bei dem der verwendete Kunststoff aus ein und derselben Wertschöpfungsstufe stammt. In der Praxis heißt das beispielsweise, ein von uns hergestelltes Produkt landet nach Verwendung im gelben Sack, durchläuft einen Wiederaufbereitungsprozess und wird danach zu einem neuen Produkt, das ausschließlich aus dem Recyclingmaterial besteht«, erklärt Matthias Lesch, Leiter Marketing und Innovation.

In der Welt der Kunststoffelemente unterwegs

Der Geschäftsbereich Pöppelmann Kapsto stellt Kunststoff-Schutzelemente im Spitzgussverfahren für verschiedene Anwendungen her. Zur Kapsto-Produktfamilie gehören unter anderem Schutzstopfen und -kappen, Griff- und Schraubkappen sowie individuell auf besondere Anwendungen abgestimmte Elemente, die Außengewinden, Bolzen, Leitungen und vielem mehr einen optimalen Schutz während der Fertigung, der Lagerung und dem Transport bieten. Sie bewahren zum Beispiel Innen- und Außenkonturen vor mechanischer Beschädigung und verhindern das Eindringen von Schmutz in sensible, sicherheitsrelevante und funktionsentscheidende Bauteile.

Die Kapsto-Schutzelemente werden für unterschiedliche Zielmärkte produziert, wie etwa für Hersteller und Zulieferer der Automobilindustrie, Maschinenbau, Bauwesen, Elektronik, Hydraulik, Luft- und Raumfahrt, Pneumatik sowie Mess-, Steuer- und Regelungstechnik. »Unsere Artikel dienen in den meisten Anwendungsfällen dem temporären Schutz. Danach werden sie nicht mehr benötigt, demontiert und schließlich entsorgt – damit sind sie als sogenannte Einwegartikel oder Verpackungen besonders interessant für das Thema Recycling«, meint Thorsten Koldehoff, Verkaufsleiter bei Pöppelmannn Kapsto. Und so sieht sich diese Division besonders gefordert in der Forschung nach Wegen zu einem geschlossenen Materialkreislauf.

Um eine solche nachhaltige Vorgehensweise zu realisieren, müssen die darin eingespeisten Produkte kreislauffähig sein. Das bedeutet, es wird zu 100 Prozent Recyclingmaterial eingesetzt, welches hinterher wieder zu 100 Prozent wiederverwertbar sein muss. Dafür sieht man im Geschäftsbereich Kapsto verschiedene Möglichkeiten.

Heute wird Kunststoff-Rezyklaten zur Wiederverwertung noch in vielen Fällen Neuware beigemischt. »Um den geschlossenen Kunststoffkreislauf zu gewährleisten, arbeiten wir an verschiedenen Möglichkeiten«, sagt Thorsten Koldehoff. Eine mögliche Variante ist der Einsatz von Post Industrial Regrind (PIR). Darunter versteht man Rezyklate, die auf Kunststoffteilen basieren, die in der Industrie anfallen. Diese Kunststoffteile können dann durch eine Compoundierung zu Regranulat verarbeitet werden.

Eine zweite Möglichkeit ist die Verwendung von Mahlgut. Hierfür werden ebenfalls Kunststoffteile aus der Industrie gesammelt und von Fachbetrieben sortenrein gemahlen. Eine fachgerechte Aufbereitung des Materials bringt einen sauberen und gleichwertigen Sekundär-Kunststoff hervor.

Schließlich ist auch die Verwendung von Post Consumer Regrind (PCR) eine Option. Darunter versteht der Fachmann das Material, das zum Beispiel aus den Wertstoffsammlungen von »Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland GmbH (DSD)« stammen kann. Diese Abfälle werden selektiert, sortenrein sortiert und ebenfalls wiederaufbereitet.

Möglich wäre es auch, Material aus diesen verschiedenen Quellen zu mischen. »Wir setzen uns mit allen denkbaren Varianten auseinander. Welche wir im Einzelfall einsetzen, hängt von den jeweils spezifischen Anforderungen unserer Anwender ab«, erklärt Thorsten Koldehoff.

Nicht in den Restmüll

Erste Projekte laufen bei Pöppelmann Kapsto bereits an: Ein langjähriger Kapsto-Kunde zum Beispiel nutzt die Kunststoffelemente zum Schutz vor Verunreinigungen von Hydraulikleitungen, bevor diese in der Produktion verbaut werden. Vor der Montage der Leitungen werden die Schutzkappen entfernt. Statt wie bislang im Restmüll zu landen, sollen sie zukünftig gesammelt und an Pöppelmann Kapsto zurückgeführt werden.

Da die Kunststoffprodukte ausschließlich aus der Hydraulik-Montage stammen, sind sie nur leicht verunreinigt, sodass sie problemlos zu Rezyklat verarbeitet werden können. »Produkte aus anderen Verwendungsbereichen, die unter Umständen große Mengen an Lackresten aufweisen, erschweren einen Recyclingprozess, bei dem am Ende ein für den Einsatzzweck gleichwertiger Kunststoff neu entstehen soll. Aus diesen Gründen ist dieser Anwendungsbereich hervorragend geeignet für eines unserer Starter-Projekte im Rahmen der Initiative Pöppelmann blue«, freut sich Thorsten Koldehoff.

Die Arbeit an vielen unterschiedlichen Projekten unter dem Dach der Initiative muss aus Sicht des Betreibers noch stärker ausgebaut werden. »Wir sind überzeugt davon, dass es nur gemeinsam gelingt, Lösungen zu entwickeln. Darum möchten wir auf jeden Fall weitere neue Partnerschaften mit anderen Unternehmen aufbauen, die sich ebenfalls zu mehr Nachhaltigkeit verpflichtet fühlen«, unterstreicht Thorsten Koldehoff.

»Die intensive Beschäftigung mit diesem Thema birgt eine große Chance für die europäische Industrie und vor allem die Kunststoffbranche, eine weltweite Führungsrolle bei neuen Technologien und Materialien zu übernehmen. Auf Basis unserer unternehmensweiten Initiative Pöppelmann blue nehmen wir diese Herausforderung an und wollen eine weltweite Vorreiterrolle übernehmen. In der Division Kapsto starten wir gerade mit einigen vielversprechenden Projekten und sind überzeugt, dass noch viel mehr möglich ist. Die Branche darf gespannt sein«, schließt der Verkaufsleiter. mk

Auf einen Blick

Das von Pöppelmann Kapsto seit mehr als fünfzig Jahren kontinuierlich weiter ausgebaute Normteileprogramm umfasst mehr als 3.000 unterschiedliche Kappen und Stopfen aus Kunststoff, die direkt ab Lager geliefert werden. Neben dem umfangreichen Standardprogramm entwickeln die Ingenieure und Techniker zudem in enger partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Kunden individuelle Sonderlösungen. Die mehr als 2.000 Mitarbeiter des Familienunternehmens und die jahrelange Erfahrung sorgen für hohe Qualität und Produktivität sowie individuellen Service. Pöppelmann betreibt fünf Produktionsstandorte und beliefert Kunden in über 90 Ländern.

 

Erschienen in Ausgabe: 03/2018