Branchengeflüster

Kompakt

Wie hoch ist der Standby-Verbrauch Ihrer Maschinen?

15. April 2009

Die »grüne« Fertigung, ein Trendthema – zumindest in den Überschriften der Branchenmagazine: Alle reden vom Energiesparen, immer mehr Hersteller bewerben ihre stromsparenden Produkte. Wie aber sieht es in Ihrer Fabrik nach Feierabend aus? Lassen auch Sie die Maschinen im Standby-Betrieb, weil Sie befürchten, dass es bei kompletter Abschaltung zu Störungen beim Wiederanfahren kommen könnte? Ob diese Sorge nun berechtigt ist oder nicht – das »grüne Gewissen« hält noch weitere Fragen an den Betreiber bereit: Gibt es Stromzähler an jeder Maschine? Wie sieht die Kostenrechnung aus: Wird der Energieverbrauch den jeweiligen Produktionskosten oder den Gemeinkosten zugeordnet, an denen »man ja eh nicht viel machen« kann? Energie sparen zu können setzt voraus, den tatsächlichen Verbrauch zu kennen. Doch hier gibt es einen grundsätzlichen Interessenkonflikt zwischen dem Maschinenbauer, dem Projektleiter, der die Anlage beschafft und dem Betreiber der Maschinen: Der Maschinenbauer steht unter Preisdruck und wählt die technische Lösung, die preislich optimal ist; den Aufpreis für energiesparende Komponenten bekommt er nicht bezahlt. Für den Projektleiter zählen die Leistung der Maschine und die Investitionskosten. Den Betreiber hingegen interessieren zwar die Betriebskosten, er kann aber ohne Angaben und Stromzähler den Verbrauch nicht feststellen. Deshalb werden Energiekosten oft über die Gemeinkosten verrechnet und nicht den Produktkosten zugeordnet. Diese Konflikte lassen sich auf mittlere Sicht durch ein paar pragmatische Schritte lösen: Betreiber sollten ihre Einkäufer dazu anhalten, bei der Anschaffung einer Maschine auch einen Stromzähler mit in den Schaltschrank hineinzuverhandeln. Kennen sie den Verbrauch, können sie auch bei der Kostenrechnung die Energiekosten direkt den Herstellkosten der jeweiligen Produkte zuschlagen. Das schafft Transparenz und bildet die Grundlage für gezielte Einsparungen. Und Sie werden sehen: Irgendwann verlangt eine EU-Richtlinie die Angabe, wieviel Energie für die Herstellung eines Produktes aufgewendet wurde. Last, but not least stellen Sie sicher, das Ihre Anlagen nach dem Ausschalten auch wieder sicher anfahren. Dann können Sie beruhigt den Hauptschalter betätigen. Denn Energie wird mit Sicherheit nicht mehr billiger. Wer heute schon pragmatische kleine Änderungen vornimmt, wird morgen davon profitieren. Und die Umwelt auch.

Erschienen in Ausgabe: 02/2009