Branchengeflüster

Kompakt

Warum Mechatronik sich nicht outsourcen lässt

09. September 2009

Obwohl der Begriff Mechatronik bereits vor Jahrzehnten kreiert wurde, ist er dieser Tage mehr denn je en vogue. Er dient sowohl der Beschreibung einer technischen Konvergenz als auch der Forderung nach Verbesserung und Verbilligung technischer Applikationen durch den Austausch teurer mechanischer gegen kostengünstigere elektronische Komponenten. Somit steht der Begriff für eine Optimierung technischer Lösungen durch die Verschmelzung unterschiedlicher Fachgebiete. Daran entdecke ich allerdings nichts essenziell Neues.

Fragen Sie sich jetzt, was diese Ansicht mit dem Alltag des Konstrukteurs zu tun hat? Ich möchte verdeutlichen, dass es sich bei Mechatronik weniger um eine technische Errungenschaft handelt, als vielmehr um die Konsequenz einer erfolgreichen Arbeitsweise, die im Widerspruch zum – heute als modern geltenden – Outsourcing steht. Werfen wir einen Blick über den großen Teich und betrachten die dort übliche Form der Arbeitsteilung, bei der Maschinenbauer die Entwicklung der E-Technik, die SPS-Programmierung, die Visualisierung etc. an Subunternehmer vergeben. Dass diese Form der Arbeitsrationalisierung zur Verbesserung der Produktqualität beiträgt, wage ich jedoch zu bezweifeln. Denn wo bei jedem Auftrag andere Subunternehmer mit ins Boot geholt werden, werden Optimierungsprozesse der Technik auf der Grundlage interdisziplinären Erfahrungsaustausches ausgebremst. Durch die nur projektgebundene, temporäre Zusammenarbeit verschiedener technischer Fachrichtungen werden Kompetenzen aufgesplittet und einem kontinuierlichen Erfahrungsaustausch die Grundlage entzogen. Anders sieht die Sache bei uns aus, jedenfalls dort, wo die Konzentration auf Kernkompetenzen nicht verwechselt wird mit der einseitigen Beschränkung auf technische Teilbereiche. Im Idealfall arbeiten in unseren Unternehmen Konstrukteure, SPS-Programmierer, E-Techniker und Netzwerkspezialisten unter einem Dach. Wo Spezialisten aus verschiedenen technischen Gebieten gemeinsam für eine Sache arbeiten, kann aus der Bündelung unterschiedlicher Erfahrungen Neues entstehen und das Optimierungspotenzial voll genutzt werden. Ich meine, dass nicht zuletzt in dieser Form der Arbeitsorganisation die Quelle der weltweit anerkannten deutschen Innovationskraft begründet liegt. In anderen Worten: Mechatronik ist keine Technik, sondern eine Einstellung.

Erschienen in Ausgabe: 5-6/2009