Branchengeflüster

Kompakt

... sex sells? Kann sein, aber sicher nicht in der Automatisierungstechnik

24. Februar 2010

Werbung soll potenzielle Kunden anlocken und deren Interesse auf das beworbene Produkt lenken. Oft wird daher ein besonders attraktiver Blickfang in Werbemotive eingebaut – verständlich, gerade wenn das Produkt selbst kein sehr spektakuläres Bildmotiv hergibt. In dem Bemühen, ein optisch unscheinbares Erzeugnis über geborgte Reize an den Mann zu bringen, können Unternehmen allerdings auch schnell über das eigentliche Ziel hinausschießen, sodass ihr Marketingbudget wirkungslos verpufft: Haben die bestaunenswerten Eyecatcher nämlich keinen inhaltlichen Bezug zu Produkt und Marke, ziehen sie auch schon mal die komplette Aufmerksamkeit auf sich und lenken den Betrachter so weit ab, dass er die Botschaft – sollte er sie überhaupt wahrgenommen haben – zehn Schritte weiter schon vergessen hat.

Ein Beispiel? Einige Hersteller von Automatisierungstechnik scheinen es für eine gelungene Idee zu halten, Werbung mit attraktiven jungen Frauen und einer deutlich sexuellen Komponente zu machen. Das Argument »sex sells« scheint zunächst universell anwendbar – schließlich begegnen wir solchen Motiven nahezu überall, vom Covermodel mit ausgeprägtem Dekolleté auf der Fernsehzeitschrift über weibliche Reize in Mode- und Kosmetikwerbung bis zum Pin-up-Girl im Autokalender. Was bei Zeitschriften und Sportwagen funktionieren mag, entpuppt sich im Bereich der Automatisierungstechnik allerdings als kontraproduktiv. Das zeigen Beispiele, wie sie auf verschiedenen Fachmessen zu sehen waren, etwa Hostessen in knappen Kostümen oder Airbrush-Künstler mit halbnackten Modellen. Hinsichtlich der Aufmerksamkeit waren diese Aktionen ein voller Erfolg: Sie sorgten für verstopfte Gänge und großen Andrang am Messestand – allerdings nicht unbedingt für hochkarätige Besucher und eine gute Gesprächsatmosphäre.

Messen muss man den Erfolg als Aussteller aber letztlich anhand harter Kriterien: Wie viel Publikumsinteresse bleibt für die ausgestellten Produkte übrig? Nur wenige Besucher konnten sich anschließend auch nur an die Namen der werbenden Firmen erinnern, geschweige denn an deren Erzeugnisse. Erreicht wird also viel Aufsehen und wenig Aufmerksamkeit. Was sollten Aussteller also beachten? Das Zielpublikum auf Industriemessen hat eine andere Motivation als Käufer im Lifestyle-Bereich. Marketing in diesem Bereich muss daher klar produktbezogene Botschaften vermitteln, statt das Publikum dafür taub zu machen. Stellen Sie also Ihre Produkte und Dienstleistungen wieder in den Vordergrund!

Ihre Meinung interessiert mich, schreiben Sie mir doch einfach: r_eikmeier@gii.de

Ihr

Rüdiger Eikmeier

Erschienen in Ausgabe: 01/2010