Das Jahr mit der :K

Aus- und Rückblick

Branche – Wenn ein Jahr zu Ende geht, liegt eine Bestandsaufnahme nahe. Was war 2014 bemerkenswert, und welche Trends deuten sich für das nächste Jahr an? Wir machen das praktischerweise anhand unserer eigenen Zeitschrift … von Michael Kleine

13. November 2014

Das Jahr 2014 fing prima an: Gleich in der ersten Ausgabe konnten wir das 10-jährige Bestehen der :K feiern. Opulent war die Strecke zwar nicht, aber es kamen einige Augenzeugen der ersten Stunde zu Wort und manch Anekdote trat zu Tage. Verglichen mit anderen Fachtiteln sind wir vom Alter her gesehen zwar noch ein Schulkind, aber es wurde bei der Recherche deutlich, wie viel schon passiert ist, und auch wie schnell sich die :K einen guten Platz innerhalb der Konstruktionszeitschriften erobern konnte.

Absolut im Trend ist die weitere »Systemisierung« der Unternehmen, gekoppelt mit begleitenden Maßnahmen wie Service und Liefertreue als elementare Säulen für den Erfolg. Im Bereich der Fluidtechnik weiß Thomas Rüdiger von Parker Hannifin, wo und wie der wirkliche Mehrwert generiert wird: Er bietet im Complete Piping Solutions Center komplette Rohrsysteme samt Flanschen und Zubehör an.

Und wieder System, System, System: Wie viele andere Unternehmen konzentriert sich Schaeffler auf die möglichst umfassende Ausprägung des Sortiments. In einer Werkzeugmaschine finden sich darum etliche ihrer Komponenten, die sich perfekt ergänzen sollen. Ein verwandtes Mega-Boom-Wort ist auch die Integration. Bei Wachendorff zeigt sich das durch einen Absolutwertgeber, der zugleich I/O-Modul ist und Feldbus kann. Anwender haben so auf engem Bauraum zwei Geräte in einem, und das in einem robusten Gehäuse.

Wer erfolgreich sein will, muss sich zudem differenzieren. Der reine Maschinenbau wird nicht mehr groß genug sein. Allein bei Gleit- und Wälzlagern zeigen sich etliche Beispiele. So verbaut LFD seine Produkte gern in den höchsten Liften der Welt, Franke beliefert den Hersteller eines neuartigen Kamerasystems an Hubschraubern und Hecht bringt seine Lager in Fahrrädern unter.

Flexibilität ist ein weiteres Kernelement, wandlungsfähig müssen Geräte auch 2014 unbedingt sein. Anwender wollen nicht ständig ihre Komponenten tauschen. Ein Lichtbandsensor von Balluff zum Beispiel kann verschiedene Objekte erkennen und lässt sich frei konfigurieren.

Wenn Raimund Ruf über die neuen B&R Panel-PC 2100 spricht, kommt er ins Schwärmen. Das Ziel ist maximale Flexibilität, dazu wurde die Verbindung zwischen Panel- und PC-Technologie aufgebrochen.

In der gesamten Branche steht der Kunde an allererster Stelle. Kaum ein anderes Stichwort hat die Redaktion in Gesprächen und Beiträgen so stark begleitet wie die Fokussierung auf die Wünsche des Kunden. Für Tom Kiel von A-Drive ist das sogar der wichtigste Existenzgrund für sein Unternehmen. Prof. Fröhlich bremst in dieser Hinsicht etwas ein, zu lesen in unserem Interview.

Und was wäre das Jahr ohne Industrie 4.0? Das Stichwort ist zwar völlig überreizt, aber essentiell in der Wahrnehmung. Ein bedeutender Vertreter seiner Zunft erzählt in der :K, wie wichtig die richtige Antriebstechnik für den 4.0-Gedanken ist: Ralf-Michael Franke, CEO der Siemens Division Drive Technologies, sieht ein gewaltiges Potenzial und sein Unternehmen auf der richtigen Spur.

Die Hannover Messe nennt das Phänomen »Integrated Industry« und ruft diese zum zweiten Mal hintereinander zum Leitmotto der Messe aus. Damit verbunden ist auch eine gewaltige Verantwortung für die Industrieunternehmen, sagt Messevorstand Dr. Jochen Köckler. Brandaktuell ist 2014 auch das Thema Sicherheit. Softwareentwickler IBF hat hier die Verbindung zur Industrie 4.0 gezogen und ist aktiv in einem Arbeitskreis.

Technische Highlights

Neben soften Themen spielt vor allem die Technik eine große Rolle: Viel Platz ist dabei der Berichterstattung über CAD/CAM gewidmet. Hier ist die Darstellung in 3D auf dem Vormarsch, aber nicht mehr nur allein auf die großen Systeme beschränkt. 3D-Viewing funktioniert sogar auf dem PC oder Tablets und Smartphones. Außerdem geht es darum, 3D-Daten mit Zusatzinformationen aus Konstruktionszeichnungen anzureichern und zu versenden. CAD-Systeme sind hier limitiert, und Capvidia zeigt Lösungen mit einem speziellen Datenformat. Auch Systems Engineering kam heftig auf in der digitalen Konstruktion – nicht nur für Konzerne, auch KMU können in der Produktentwicklung auf eine höhere Ebene gelangen.

Und was wäre ein Rückblick ohne eine App? Diese kleinen Helfer haben ihren Weg in die Industrie gefunden; wie unterschiedlich ein und dieselbe genutzt wird, zeigt die Cadenas-App für Konstruktionsteile. 3D-Druck ist in aller Munde. Nicht nur in der Freizeit bauen sich die Menschen Schuhe oder Waffen, auch in der Industrie sprießen die Lösungen – entweder direkt am Drucker oder in verbauten Komponenten. So sorgen spezielle Gleitlager für laufruhigen und zuverlässigen Betrieb in einem 3D-Drucker.

Ein besonderer Hingucker beim »Produkt im Detail« war der Hexapode von PI. Auf engstem Raum bietet er sechs Freiheitsgrade und Positionierung im Mikrobereich. Hier zeigt sich der ungebändigte Trend zur Miniaturisierung. Mit einigen Sensorfamilien dringt Sensopart dabei sogar in Subminiatur-Formate vor und bewegt sich am Limit des Machbaren. Trotzdem integrieren die Gottenheimer immer neue Funktionen und werden noch präziser.

Ein interessanter, völlig neuer Sensor ist auch der HDmag flex von Baumer. Noch nie hätte man Wellen mit riesigen Durchmessern so genau vermessen können, sagen die Schweizer.

Und was wäre die Sensorik ohne I/O Link? Der Kommunikationsstandard hat sich flächendeckend durchgesetzt und erleichtert Anwendern die Datenverarbeitung in ihrer Fabrik. Damit ist IO-Link in der Industrie 4.0 angekommen – etwa bei Contrinex, Balluff oder Siemens.

2014 war das Jahr des Ultraschalls. Dessen ist sich zumindest Dr. Peter Adolphs von Pepperl + Fuchs sicher: Kein anderes Sensorprinzip sei so geeignet für Anwendungen im Sinne von Industrie 4.0. Wie gut, dass die Mannheimer ein sehr breites und leistungsfähiges Portfolio haben. Auch Spezialist Microsonic betont die außergewöhnlichen Fähigkeiten des Sensorprinzips. Gerade das berührungslose Messen sei mehr denn je gefragt.

Überall Innovationen

Dass Werkstoffe ein probates Mittel sind, um Komponenten aufzuwerten und neue Eigenschaften hervorzubringen, ist bei Eichenberger gelebter Alltag. Für Ihre Spindeln aus Aluminium mussten die Schweizer Know-how in Produktion und Legierung aufbauen, aber die Herausforderung trägt Früchte. Unscheinbar, aber sehr wertvoll für den Konstrukteur sind Halbzeuge. Mit den vorgefertigten Materialien hat er leichtes Spiel in der individuellen Gestaltung seiner Produkte. Darum stehen sie bei Igus hoch im Kurs und finden sich auch im brandneuen Werk von Handtmann Elteka, wohin man auch blickt.

Beim weit verbreiteten Thema Leichtbau geht der Industrieverband Massivumformung einen speziellen Weg. Im Rahmen der Initiative »Massiver Leichtbau« hat er eine Studie aufgelegt, wie sich bei massivumgeformten Bauteilen Gewicht einsparen lässt. Bei einem Auto sind das 42 Kilogramm!

Ein Lieblingsthema der Redaktion sind vermeintlich simple Bauteile, die in speziellen Anwendungen groß auftrumpfen. Das macht Hoffnung, wie Norres mit ihren 125 Innovationen in Sachen Schläuchen – allein in 2014! Ein maßgeschneiderter Griff von Ganter macht den Unterschied bei Maschinen von Hermle. Das ist nicht normal für Normalien! Auch die Anschlagpunkte von RUD zeigen viel technischen Tiefgang.

In der Automatisierung gelingt Weiss aus Buchen die Quadratur des Kreises mit ihren linearen Rundtischen. Das klingt widersinnig, aber der Anbieter hat sein Hauptprodukt so weiterentwickelt, dass ein Werkstück linear von Station zu Station wandert.

Als Anwendungsgebiet tritt der Roboter verstärkt auf in der :K, nicht zuletzt die Automatica hat dieses Thema befeuert.

Als sehr pfiffig und trendig bewerten wir die Kabelschutzlösung Erika von Reiku, die Kabelbruch wirksam verhindert. Viel Potenzial für künftige Entwicklungen birgt die Kollaboration von Mensch und Automation und bildet gleichwohl einen heißen Trend auch für 2015.

Der Blick nach vorn

Vor allem von den Themen in dieser Ausgabe deuten einige bedeutungsschwer in die Zukunft. Mit dem Internet-Tool eGrip eröffnet Schunk die Jagd nach der webbasierten Fertigung. Die technischen Voraussetzungen sind jetzt gegeben, und der Anwender bekommt sein Bauteil innerhalb weniger Tage. Hier werden andere Anbieter schon in 2015 sicherlich nachziehen und ihrerseits das Internet in die Produktion einbinden. Ein Top-Stichwort ist hier die additive Fertigung als Weiterentwicklung des Rapid Prototyping.

Ein Web-Interface wirkt auch im Frequenzumrichter Altivar Process von Schneider Electric. Hier liegt das Hauptaugenmerk aber auf der Top-Möglichkeit, zustandsbasiert zu warten, und auf schlagkräftigem Service als weiterem verheißungsvollen Aspekt, um den Kunden zufriedenzustellen.

Als Thema ins neue Jahr hinüberretten wird sich bestimmt die Ausrichtung als Systemlieferant. Neben den Konzernen springen hier zunehmend auch KMU ins Boot. Hiermit verbunden werden und müssen sich die Unternehmen sehr intensiv nach den Anforderungen des Kunden richten. Diese beiden Trends 2014 verstärken sich voraussichtlich noch, weil sie eine Möglichkeit bieten, sich vom Markt abzuheben.

Massenweise landen sicher auch wieder Beitragsvorschläge zur Industrie 4.0 bei der Redaktion. Auch wenn laut unserer Online-Umfrage die Mehrheit dies für einen alten Hut hält, birgt die Vernetzung in der Produktion viel Potenzial. Das Thema befeuert zudem die Entwicklungsabteilungen und wird fruchtbarer Nährboden für Innovationen und Wachstum sein. Und wenn dann übergeordnet die Wirtschaft weiterhin Schritt hält, sollte 2015 ein erfreuliches Jahr für die Branche werden.

Erschienen in Ausgabe: 08/2014