Das Jahr mit der :K

Branchenreport Highlights

Branche – Sind zwei Mal schon eine Tradition? Wenn ja, seien Sie herzlich begrüßt zum traditionellen Rückblick der Redaktion auf das, was es in diesem Jahr aus der Branche zu berichten gab. Die Topthemen sind nicht weiter verwunderlich… von Michael Kleine

10. November 2015

Es ist schon frappierend, wie sich in einem solch breiten Markt, wie ihn die :K beackert, wenige Themen aufdrängen. Diese sind zugegebenermaßen nicht wirklich überraschend, aber umso prägender in unserer Berichterstattung und der öffentlichen Wahrnehmung.

Der Dauerbrenner ist natürlich Industrie 4.0 und Stofflieferant für etliche Beiträge, sowohl als inhaltlicher Aspekt als auch als Klammer für Trendbeiträge mit gesammelten Informationen. Der erste aus dem März resümiert, dass Industrie 4.0 das bestimmende Thema der nächsten Jahre sein wird, viele dies aber schon nicht mehr hören können. Die allermeisten Unternehmen sind aber von der Idee überzeugt und sich der Tragweite bewusst. Beispiele im Beitrag sind Harting, Getriebebau Nord, Ingenics oder Intel, die dabei alle ihre eigene Stoßrichtung haben. In einem großen Interview spricht Dirk Spindler über die Philosophie von Schaeffler, die von der Komponente zum System reicht und intelligente Lager umfasst. »Wir können Maschinenzustände vorhersagen und werden die Entwicklung von Industrie 4.0 mitgestalten.« Eine so selbstbewusste Haltung verspricht Erfolg und bringt das Thema nach vorn, eine Einstellung, die die Branche braucht.

Immer wieder Industrie 4.0

Die Hannover Messe war mal wieder ein Brennpunkt für das Thema, es stand fast in allen Bereichen im Mittelpunkt. Vorstand Dr. Jochen Köckler ist davon überzeugt, dass die Messe der wichtigste Motor für Industrie 4.0 ist und noch lange sein wird.

Der zweite Sammelbeitrag transportiert die Botschaft, dass Industrie 4.0 in der Praxis angekommen ist, obwohl gerade KMU noch Hemmungen haben intensiv einzusteigen oder die Investitionen nicht leisten können. Für Rittal, Mitsubishi, Sick oder Bosch trifft das nicht zu, was deren vorgestellte Produkte und Lösungen verdeutlichen.

Quasi der Zwillingsbruder oder zumindest der Cousin von Industrie 4.0 ist der Aspekt der Vernetzung. Schneider Electric kann hier mit einem Programm aufwarten, das Automatisierung über die Geschäftsbereiche hinweg ermöglicht. Hier punktet der Konzern mit seiner schieren Größe und der Breite der Ausrichtung.

Micro-Epsilon bietet eine echtzeitfähige Ethernet-Schnittstelle, denn das Unternehmen hat die immer höhere Bedeutung des schnellen Standards erkannt. Ihren Stärken folgend ergänzen die Niederbayern ihr System um Sensorik, Analyse und Messtechnik.

Beide Beiträge befinden sich in Ausgabe 1 gleich hintereinander, so bekommt der Leser zu Anfang des Jahres eine geballte Ladung Power à la Industrie 4.0. Das verdeutlicht den Stellenwert in der Industrie und für unsere Berichterstattung.

Harting liefert die passenden vernetzungsfähigen Steckverbinder, die flexibel und kostengünstig sind. Überhaupt engagiert sich das Unternehmen sehr stark in der Industrie 4.0, das zeigt auch eine Demo-Fabrik, die wir ganz neu zur SPS IPC Drives in dieser Ausgabe vorstellen.

Aus der Ecke der passenden Kommunikationsmodule nähert sich HMS Network dem Thema. Deren Geschäftsführer Michael Volz gibt im Titel der Ausgabe 6 Einblicke in das breite Programm von HMS: »Unsere Anybus-Geräte bilden das Backbone für die Industrie 4.0 oder auch das Internet der Dinge (IoT). So sind Gerätehersteller gut vorbereitet für die Vernetzung der Zukunft, in der Kommunikation eine entscheidende Rolle spielt.« Dies sind nur einige Beispiele, auch in zahlreichen weiteren Beiträgen wird deutlich, wie viele Unternehmen sich intensiv mit der Thematik beschäftigen.

Automatisierung kommt an

Nicht ganz so gewaltig, aber auch sehr gewichtig erscheinen Komponenten für die Automatisierungstechnik. Sie rücken immer mehr in den Vordergrund, weil sie ein immer wichtigerer Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen wird. Ohne Automatisierung ist der Preisdruck an den Märkten nicht mehr auszugleichen.

Ganz vorne zu finden ist hier Schunk aus Lauffen als wesentlicher Player für intelligente Produkte beim Spannen und Greifen. Das Unternehmen ist gleich mehrmals im Laufe des Jahres mit Automatisierungskomponenten in der :K vertreten. Erstaunlich ist der Beitrag in Ausgabe 1, der zeigt, dass das Unternehmen auch über die nötige Sensorik verfügt, um die Automatisierung im Sinne von Industrie 4.0 voranzubringen.

Höhepunkt ist aber der Titelbeitrag in der 7 auf Basis eines großen Interviews mit »Rückkehrer« Ralf Steinmann. Er kann die Vorreiterrolle von Schunk mit Beispielen belegen und transportiert sehr plastisch die große Leidenschaft, die er und alle im Unternehmen für dieses Thema hegen. Dementsprechend sprunghaft entwickeln sich die Produkte technisch weiter.

Als drittes Top-Thema hat sich die Konfektionierung erwiesen, auf die immer mehr Augenmerk gelegt wird. Lapp hat bei der Entwicklung ganz neuer Leitungen für Servoanwendungen von Anfang auf eine sinnvolle Konfektionierung geachtet und das Thema von Grund auf neu aufgezogen. Bemerkenswert ist der neue Steckverbinder in Zusammenarbeit mit Intercontec.

Sehr am Herzen liegt Igus das Thema. Es ist sozusagen »Chefsache«, wird also auch in der Geschäftsleitung gelebt. Als Ergebnis ist die gesamte Fertigung im Sinne einer Konfektionierung aufgebaut. Am Beispiel der Energieführungssysteme Readychain wird deutlich, wie viele Abteilungen Hand in Hand zusammenarbeiten. Ziele sind eine systematische Fertigung, schnelle Lieferzeiten und hohe Kundenindividualität.

Komponenten im Fokus

Aber meist geht es bei der :K ja nicht um das große Ganze, sondern um die einzelnen Komponenten. Hier kann man nur sagen: Lager, Lager, Lager … Diese Bauteile sterben anscheinend nie, allerdings passen sich Gleit- und Wälzlager den modernen Anforderungen an.

Deutlich wird das zum Beispiel an den Drahtwälzlagern von Franke, die in dynamischen Roboteranwendungen für reibungslose Bewegungen sorgen. Hier arbeitet Franke eng mit dem Kunden zusammen.

Weiterhin strotzt die Jahresausgabe vor Lineartechnik. Das zeigt die Bedeutung und freut die Redaktion, denn für sie haben diese Art der Führung und Bewegung sowie die Komponenten dazu einen besonderen Reiz. Die steifen und tragfähigen Längsführungssysteme von Dr. Tretter zum Beispiel ermöglichen eine präzise Bewegungsführung in Maschinen. Bahr modularisiert Sondermaschinen mit linearer Positionierung von Tripod-Robotern.

Der Smart Aktor von Schaeffler macht sich unaufhaltsam auf den Weg zur Industrie 4.0, da ist sich Dietmar Rudy von der INA-Lineartechnik ganz sicher.

Aus Köln kommt die leichteste Linearführung der Welt. »Wir bei Igus profitieren dabei vom großen Know-how bei tribologischen Kunststoffen und den Eigenschaften des verwendeten Carbons«, sagt Produktmanager Stefan Niermann.

Bei der Durchsicht stach überraschend viel Spanntechnik ins Auge, das Thema nimmt sogar immer mehr Raum ein in der :K. Maßgeblich beteiligt ist auch hier Schunk, die ja ihren Ursprung in der Spanntechnik haben. Mit Sonderbacken bieten sie in vielen kniffligen und außergewöhnlichen Situationen den entscheidenden Beitrag zur total kundenorientierten Lösung.

Röhm mischt auch mit, allerdings eher im klassischen Maschinenbau, die bewährte Technik ist in der beschriebenen Anwendung in Ausgabe 7 aber sehr effektiv.

 

Viele Grenzen haben die Entwickler vieler Segmente schon überwunden, derzeit wagen sie sich verstärkt an eine der Königsdisziplinen, nämlich die Erfüllung der sehr strengen Auflagen in den Bereichen Pharma und Lebensmittel. Escha zum Beispiel hat seine Steckverbinder darum komplett in Edelstahl gestaltet, sicher vergossen und kann diese jetzt in attraktiven Märkten wie Brauereien oder Molkereien absetzen. »Wir forschen darum unentwegt nach neuen Materialien und Fertigungsprozessen«, sagt Thomas Korb, Leiter Produktmanagement bei Escha.

Und immer wieder Antriebstechnik! Die alteingesessene Technikgattung bringt immer wieder Überraschungen und Innovationen. Einen Knaller abgeliefert hat Wittenstein mit seinen Getrieben der Baureihe Galaxie. Deren völlig neues Wirkprinzip ist selbst für Experten eine kleine Sensation und absolutes Hightech sowie Träger des Hermes Awards auf der Hannover Messe. »Wir sind damit in allen wichtigen Disziplinen um Faktoren besser das Dagewesene«, sagt Geschäftsführer Thomas Bayer.

Eine weitere spezielle Art von Antriebstechnik propagiert Siemens mit ihren Reluktanzmotoren. Sie sind einerseits sehr energieeffizient und dabei aber recht kostengünstig, was schon fast der berühmten eierlegenden Wollmilchsau nahekommt.

Eine schöne Dreierkombination ist das Wellgetriebe, das LTK, Harmonic Drive und Nexen gemeinsam auf die Beine gestellt haben. Es spart bis 70 Prozent Bauraum ein. Überhaupt waren Kooperationen, Partnerschaften, Joint Ventures und Zusammenschlüsse 2015 schwer angesagt.

Manchmal tragen die Komponenten komplizierte Namen, wie etwa die Planetenrollengewindespindeln von Exlar, mit denen der Hersteller aber für Furore sorgen könnte als elektrische Einheit in einem traditionell hydraulisch dominierten Zweig wie dem Karosseriebau.

In der Industrieelektronik bezeichnet Rittal seine neue Kühlgeräte-Generation Blue e+ als Quantensprung. Sie wurde auf der Hannover Messe erstmals vorgestellt und ziert den Titel der Ausgabe 4. Die Entwicklung dauerte vier Jahre, brachte aber radikal neue Ansätze. Darum sind die Geräte sehr sparsam, intelligent und darüber hinaus auch kommunikativ. Eine ertragreiche Informationsquelle dazu ist auch das Interview in dieser Ausgabe mit Dr. Thomas Steffen, dem Geschäftsführer Technik und Entwicklung von Rittal. Er erzählt eindringlich über die Entwicklung im Hause Rittal und nimmt die Kühlgeräte als Aufhänger.

Prägende Persönlichkeiten

Am prägendsten in der Branche sind auf jeden Fall die Menschen, die sie mit Leben erfüllen. Ein paar sehr beeindruckende Persönlichkeiten haben sich 2015 auch in der :K verewigt. Auf der Hannover Messe trafen wir Bernd Stephan, der damals ganz frisch ins Board des SKF-Konzerns nach Göteborg berufen worden war. Er schilderte seinen persönlichen Aufstieg und sehr plakativ auch, wie sich Konzerne wandeln und was das Gute daran ist.

Viel Auskunft gab Enrico Iversen, CEO von Universal Robot, über deren Leichtbauarme, die als einbaufertige Komponente in Maschinen und Anlagen dienen können. Sein Unternehmen hat in sechs Jahren einen rasanten Aufstieg erlebt. 2009 war er bei uns im Verlag und es gab drei Mitarbeiter. Mit viel Power haben er und sein Team den Markt erobert und den Kundennutzen gut vorhergesagt. Die Pointe war, dass er zum Zeitpunkt des Interviews schon von der bevorstehenden Übernahme durch Teradyne gewusst haben muss, das aber gekonnt verbarg.

Vielleicht der Höhepunkt unter den Begegnungen war die mit Renate Pilz. Die Geschäftsführerin von Pilz hatte eine große Ausstrahlung und sehr positive Aura, technisch immer up to date und zudem sehr menschlich. Darum liegen ihr ihre Mitarbeiter auch am meisten am Herzen.

Bei der Porträtierung bestimmter Unternehmen war auffällig, wie lange manche schon bestehen. AMF gibt es 2015 schon seit 125 Jahren und Sembach feierte sein närrisches 111. Jubiläum. STW ist zwar erst seit 30 Jahren am Markt, aber der Aufstieg war umso rasanter und sehr beeindruckend. Das liegt nicht zuletzt an der sympathischen neuen und jungen Führungsgeneration. Thematisch ist das Unternehmen eine Bank bei Sensorik und Steuerung im Bereich Mobile Power.

Einige Themen fielen bei der Durchsicht weniger ins Auge als in den Vorjahren. Dazu gehört die Sicherheitstechnik, die wahrscheinlich in den Maschinenkonzepten verschwindet, aber im Grunde weiterhin alternativlos ist. So geht es den Klemmen von Hema in Ausgabe 3 oder den Laserscannern von Leuze oder Pepperl + Fuchs – allesamt wichtige Bausteine für die Sicherheit von Bediener und Maschine.

Waren Werkstoffe bisher immer ein Garant für signifikante Verbesserungen der Komponenten, ist das jetzt wohl auch noch der Fall, in der :K hat sich das aber nicht so stark niedergeschlagen. Oft geht es um Detailverbesserungen oder grundsätzliche Forschung. Trotzdem offenbaren sich hier ein intensives Betätigungsfeld und ein Ansatz für bessere Effizienz, vor allem Leichtbau ist im Fokus. Alternative Werkstoffe wie die technische Keramik bieten Möglichkeiten zur Substitution, Sembach konnte das in Ausgabe 3 gut darstellen.

Auch nach fünf Jahren hat das Format Produkt im Detail nichts an Attraktivität eingebüßt. Es hat aber auch sehr viel Charme, auf einer gekippten Doppelseite tief in ein Produkt einzusteigen. Ein schönes Beispiel in diesem Jahr war das Getriebe PowerGear von MS Graessner, das auch höchsten Drehzahlen standhält. Aus der Industrieelektronik stammt der Hybrid-Steckverbinder M23 Hybrid von Hummel, der sich hocheffizient in Automation und Robotik verbauen lässt.

Ganz frisch beendet ist die zweite Runde des Deutschen Normteile Awards mit der Übergabe der Preise auf der Motek. Die Veranstalter Ganter, Cadenas und :K konnten 120 Prozent mehr Einsendungen verbuchen, Details in diesem Heft auf Seite 58.

Mobile Power ist nicht mehr so präsent in der :K, aus dem Supplement ist ein Spezial geworden, die Beitragsflut abgeebbt. Es treten oft die gleichen Unternehmen auf mit recht ähnlichen Themen. Aber eins wird klar: Wer eine Komponente in mobilen Arbeitsmaschinen stabil zum Laufen bringt, der schafft es überall. Analog zum Stellenwert ist auffallend viel Sensorik am Start. Pepperl + Fuchs hat den Bereich schon lange als Schwerpunkt erkoren und propagiert ein riesiges Portfolio für »alle harten Fälle«. HBM stellt Messtechnik vor, die sogar einmal von Südafrika zum Nordkap fährt.

Außerdem dringt Industrie 4.0 auch in die Welt der mobilen Arbeitsmaschinen vor, gut zu sehen an den intelligenten Mechatronikmodulen von Schaeffler. »Die Landtechnik ist voll digitalisiert«, sagt dazu Dr. Alexander Hofmann, Leitung Branchenmanagement Off-Highway.

Immer noch sichtbar

Das wichtige Themenfeld CAD CAM haben wir über das gesamte Jahr im Blick behalten, es ist in der :K weiterhin gut sichtbar. Vorzeigebeispiel ist sicherlich der Innentitel in der 8/15, basierend auf einem persönlichen Interview mit Uwe Burk, Senior Director Sales bei Solidworks. Er ist begeistert von der Tragweite seiner Lösungen und spricht sogar von Harmonie, die ihre Software über die verschiedenen Disziplinen bringt.

Interessant war auch ein Anwenderbericht, der zeigt, wie das Konstruktionstool Creo von Inneo in einem Spezialbetrieb für Anbaugeräte an Gabelstapler wirkt. Zu sehen sind eine faszinierende und eher unbekannte Technik sowie ein leistungsfähiges Tool, das alle Bereiche abdeckt und die Prozesse beim Hersteller integriert. Zum Schluss erlaubt SPI die Entwicklung komplexer dreidimensionaler Bleche mittels des eigenen Entwicklungswerkzeugs SheetMetal.

Erschienen in Ausgabe: 08/2015